Prägende Momente

Hirschfelds_980919_640New York City, 19. September 1998: Besuch im Hause Al Hirschfeld (1903 – 2003, m.) [http://en.wikipedia.org/wiki/Al_Hirschfeld] und seiner Ehefrau Louise Kerz-Hirschfeld (2. v. l.) in Manhattan, 122 East 95th Street. Al war damals 95 und nahm überaus aktiv am kulturellen Geschehen teil; er hatte dabei aus eigener Erfahrung fast das gesamte 20. Jahrhundert im Orientierungs-Blick. Im Bild-Hintergrund erahnt man seinen Karrikaturen-Strich („The Line’s King“); unweit der Treppe: das Piano, an dem Lenny Bernstein in den 1960ern wilde Musikparties im Hause Hischfeld gab. Das Haus war damals das informell soziale Zentrum der darstellenden Künste in New York City. Wer eingeladen wurde, den fanden die Hirschfelds sympathisch, interessant und anregend. – Über den Bühnenbildner und Theatermann Leo Kerz, den ersten Ehemann von Louise, schrieb ich 1995 meine Magisterarbeit bei Henning Rischbieter und Harald Zielske an der FUB.  2.v.r ist Sarah Barab, Tochter des Amerikanischen Musikers Seymour Barab und r. Steffi Jauss, eine Freundin der Familie. Für meine Recherchen zu Leo Kerz interviewte ich Anfang der 1990er-Jahre ca. 20 Personen, zu denen auch die aus Deutschland in die USA emigrierte Schauspielerin Dolly Haas gehörte, die erste Ehefrau von Al: Auf der Tonbandkassetten-Aufzeichnung (analog) des Interviews mit Dolly Haas hört man, wie Al – vertieft in seine Arbeit im Barbierstuhl – mit der Tuschefeder auf Papier kratzte. – Tags zuvor schaute ich zusammen mit Alexander Luckow schon später am Abend in der Aussichtsbar im World Trade Center („The Window of the World“) vorbei. Ich erinnere mich noch heute an das beklommene Unwohl-Gefühl, das ich damals auf die zu große Höhe über NN zurückführte, aber wahrscheinlicher war wohl, dass mein „Gspür“ mich nicht verlassen hatte. Ich war froh, als ich wieder Betonplatten über Granit unter meinen Füßen spürte. Damals war Amerika ziemlich cool; das größte Problem des Landes hieß offiziell „Monica Lewinsky“, während gleichzeitig – wie wir heute wissen können – dunkle Mächte die imperialen Kriege der nächsten Jahrzehnte vorbereiteten.

Foto © Alexander Luckow

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