Weitere Lichtmetaphorik: Nachglühen, „afterglow“

Wie tief der derzeitige Paradigmenwechsel im Bezug auf eine Bewertung der Umstellung unserer analogen Herkunft auf digitale Technologie und ihre Geisteshaltung einer umfassend einzufordernden Effizienz derzeit wirkt, zeigt dieser Beschreibungstext für die diesjährige „transmediale“ in Berlin, die sich nach den künstlerischen Spielereien ihrer Anfänge als Veranstaltungsreihe nun auf der Höhe des Diskurses zeigt:

„The revolution is over. Welcome to the afterglow.

29.Januar – 2.Februar 2014

The digital revolution was a dinner party but its afterglow is not. Die utopischen Versprechen hochauflösender audiovisueller Daten, elektronischer Echtzeit-Kommunikation und unendlicher Speichermöglichkeiten sind ins Wanken geraten. Noch immer locken diese Phänomene mit der Hochglanz-Ästhetik des Digitalen. Doch in einer Welt, in der „Big Data“ auch der „Big Brother“ massenhafter Überwachung ist und „Clouds“ aus Metallen und Mineralien, also echtem Erdmaterial, gemacht sind, zeigen sie ihr wahres Gesicht. Unsere postdigitale Kultur ist keineswegs immateriell und neutral – Technologie ist heute tief in geophysischen und geopolitischen Sphären eingebettet. Die materielle Dimension des Digitalen manifestiert sich auf Elektromüllhalden, in Minen, Massendigitalisierungsprojekten und Sicherheitsfirmen. Unter dem Leitmotiv Afterglow untersucht die transmediale 2014 den Moment zwischen „trash“ und „treasure“, zwischen Schrott und Schatz. Was digitale Kultur ist, ist längst nicht mehr eindeutig. Was von der digitalen Revolution bleibt, ist eine paradoxe Nostalgie für futuristische High-Tech-Versprechen, die sich in Wohlgefallen aufgelöst haben. Doch dieser Moment birgt auch Chancen, er lässt Spielraum für das Erproben spekulativer Theorie und Praxis. Vielleicht bieten Exzess, Overflow, Datenmüll und Elektroschrott, die Überbleibsel der digitalen Revolution, einen fruchtbaren Boden dafür, digitale Kultur neu zu denken.“

Quelle: http://www.transmediale.de/de

Der Epochenwandel steht seinerseits in einer historischen Entwicklung, an dessen einstweiligem Beginn die Ereignisse des 11. September 2001 stehen, die Ursünde unseres Jahrhunderts. Solange hier nicht geklärt werden will, welche tatsächlichen Wirkungszusammenhänge und Absichtsbestrebungen zu diesen Ereignissen geführt haben, perpetuiert sich diese Ursünde ungehemmt weiter und führt zu immer weiteren, direkten, sich weltweit konzentrisch und in alle Tiefenschichten von Gesellschaften einfressenden Kausalwirkungen. Ein Umstand, auf den Laura Poitras und Jacob Appelbaum bei ihren Vorträgen auf der „transmediale“ hingewiesen haben. Stefan Schulz hat darüber heute für die FAZ online berichtet; ein sehr lesenswerter Beitrag:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/spaehaffaere-was-geschah-am-11-september-2001-12778175.html?printPagedArticle=true

Solange wir von der Neuentwicklung von Netzwerkstrukturen mit neuen Hardware-, Software- und Betriebssystem-Architekturen noch so weit entfernt ist, ist in der Tat die Rückkehr zu vergangenen, technischen Entwicklungsstufen sinnvoll und notwendig, wobei auf dem Zeitstrahl der Geschichte sich Schnittpunkte und Schnittstellen finden lassen werden, damit man auch mit weniger Leistungsfähigkeit, Features, Antennen und Kapazitäten, weiterhin sinnvoll arbeiten und gestalten kann.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Be-preparanoid-Kuenstler-und-Aktivisten-vereint-gegen-den-Ueberwachungsstaat-2103216.html

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