Entwicklungslinien einer modellierbaren Wirklichkeits-Wahrnehmung

Der deutsche Soziologe Ulrich Beck nahm am 21. Juli 2013 in einem Gespräch mit der FAZ Stellung zu den Snowden-Veröffentlichungen, die seit 6. Juni 2013 öffentlich wurden. Er fordert „weltweite Normen gegen die neuen Kontrollmonopole“.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/der-soziologe-ulrich-beck-im-gespraech-digitaler-weltstaat-oder-digitaler-humanismus-12287900.html

Ich schrieb, ebenfalls am 21. Juli 2013, in einer Email an meine Freunde dazu folgende Anmerkungen:

Wenn die Deutschen erst mal anfangen über etwas gründlich nachzudenken, dann wächst normalerweise nach einiger Zeit für längere Zeit kein Gras mehr drüber. Wie die Geschichte zeigt, kann es auch passieren, dass das „kein Gras mehr wachsen“ aus der literarischen Figürlichkeit dann ziemlich konkret und auch sehr schnell „literal“ wird.

Bei Ulrich Beck kann man in diesem aktuellen Interview der FAZ nun nachlesen, wohin das Wasser ab jetzt fließen dürfte, nachdem „Snowden“ eine grundlegende Wendezeit im Sinne einer Wasserscheide darstellt.

Es ist jetzt, wie Schirrmacher bei „Beckmann“ sagte,

http://www.youtube.com/embed/_g29Uts7j1g  [Anm: Link inzwischen ungültig]

nach der Bankenkrise das zweite Mal, dass der Nationalstaat Grundrechte nicht mehr garantieren kann (aber dafür schon mal Steuererhöhungen ankündigt) und sich über die eigenen verfassungsrechtlichen Regeln selbst hinwegsetzt. Der Nationalstaat als rechtliches Gesellschafts-Konstrukt fängt auf der Verfassungs-Ebene an zu „leiern“, was für seinen weiteren Erhalt kein gutes Zeichen sein dürfte.

Sollten sich demnächst zudem noch Dokumente in der Öffentlichkeit einfinden, die eine ursächliche Beteiligung der US-Regierung an den Vorgängen um 9/11 nahelegen, dürfte sich der bisherige semantische Kontext von 9/11 in Richtung einer anderen Ursache-Wirkungs-Korelation verändern, nämlich als Mittel zum Zweck jener Entwicklung, wie sie durch Snowden öffentlich wurde. Das wäre dann nochmals etwas anderes, als die Angelegenheit lediglich als die Hervorbringung eines Kriegsgrunds mit ‚Profit-Center‘ aufzufassen.

Die Entwicklungslinie geht m.A.n. dabei direkt von Eisenhowers Abschiedsrede als US-Präsident vom 17. Januar 1961

Quelle: http://youtube.com/w/?v=CWiIYW_fBfY

mit einer Warnung des WW2-Supermilitaristen und WW2-Militärobersten vor seinem eigenen „militärisch-industriellen Komplex“ [etwas, das ich lange Zeit nicht verstanden hatte]

über das Attentat auf Kennedy als „Staatsstreich in Amerika“

http://www.amazon.de/JFK-Staatsstreich-Amerika-Mathias-Bröckers/dp/3864890438/

als ‚Problembeseitigung‘ sowie vorbeugende Disziplinarmaßnahme für alle künftigen US-Präsidenten, ohne die sich das „Umgedrehtsein“ von Obama (Vorher/Nachher) gar nicht oder nur sehr schlecht und sehr unvollkommen erklären lässt

bis hin zu 9/11, wo sich die „verborgene, unsichtbare Katastrophe“ (siehe Beck) durch die verdeckte Anwendung der nunmehr digitalen Steuerungstechniken in der Wirklichkeit manifestierte, in der „Flugsphäre“ wie in der Luftigkeit von öffentlichen Überzeugungen und mentalen Wirklichkeitsauffassungen.

http://www.amazon.de/11-9-Jahre-danach-Einsturz-Lügengebäudes/dp/3938060484/

Dass das Thema „Drohnen“ (ob nun bemannt oder unbemannt) gegenwärtig so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht (Beschaffungs-Skandal in D / Drohnen als Tontaubenersatz in den USA sowie die andauernd verdeckte Kriegsführung der USA), dürfte zudem kein Zufall sein. Dass Snowden lieber in Moskau bleiben möchte, kann man ihm ob des Duopols von Airbus und Boeing und der begrenzten Anzahl von Flugmaschinentypen des Flugmaschinenduopols nicht verdenken. Auch das ist für mich ein Indiz, dass da noch was in Richtung 9/11 kommen dürfte.

Integriert man also die genannten/bekannten Internet-Oligopole/Funktions-Monopole in die Warnungen von Eisenhower aus dem Jahre 1961, so ist tatsächlich spätestens seit 9/11-2001 von einem digital-militärisch-industriellen Komplex auszugehen, der sich seine eigenen Wahrheiten, Wirklichkeiten und Wirkungsmächtigkeiten schafft und der sich nicht nur in Ursache-Wirkungs-Relationen nicht mehr auseinander dividieren lassen.

Dass wir nächstes Jahr in ein 14er-Jahr gehen (vgl. 1914, 1814) macht unsere Zeiten wirklich spannend, weil in der Analyse der Zeitqualität derzeit eine Synthese aus 30er-Jahre WeltWirtschaftsWährungenKrise einerseits — mit den 1960er-Jahren und ihren technologischen und gesellschaftlichen Umbrüchen sowie Herausforderungen andererseits — abzeichnet. Die derzeit landesweiten Demonstrationen zur „Rassenfrage“ in den USA sind da eine weitere Facette desselben (wiederkehrenden) Themenkomplexes, vgl. Vietnam.

Für die Zukunft des Internet dürfte dies alles wahrscheinlich bedeuten, Alles nochmal und besser von Grund auf neu machen, damit die ganze Entwicklung seit den 1960er-Jahren sich nicht mehr in dieser Weise konstruktionsbedingt wiederholen kann. Was durch den Hippiekult- Diskurs zur Genese von Netz und PCs

http://www.amazon.de/Fire-Valley-Making-Personal-Computer/dp/0071358927/

http://www.amazon.com/What-Dormouse-Said-Counterculture-Personal/dp/0143036769/

stets vergessen wird, ist dass das Internet vorrangig ein Militärkind von ARPA mit Zwecken und Zielen war und ist. Die Wahrnehmung dieser Zäsur (siehe Schirrmacher) scheint mir nun als radikaler Technikwandel, den die gegenwärtige Zeitqualität einzufordern scheint.

Wenn das Wort vom Netz sich einen realen Namen machen möchte, müsste die Verhinderung von Monopolstrukturen (denen des Kommerzes wie denen der informationellen Ausbeutung) schon strukturell auf der Ebene der Basistechnologie implementiert und determiniert sein/werden. Insofern muss man bei der bisherigen Netzentwicklung lediglich von einem (zugegeben: mächtigen) Verstärkerprinzip bereits vorhandener Strukturmächte ausgehen. Viel Neues außer Beschleunigung von Vorhandenem könnte man so bisher nicht konstatieren.

Die Abbildung eines neuen, gegenwärtigen „Quantencomputers“ jedenfalls lässt dem äußeren Schein nach, selbst bei einer Überwindung von Binärlogik, eher auch auf Kriegstechnik aus dem Science-Fiction- Zauberkasten von Hansruedi Giger schließen, denn auf neue Techniksegnungen:

http://bits.blogs.nytimes.com/2013/05/16/google-buys-a-quantum-computer/

Zudem dürften die Forderungen nach einer vermeintlichen Abhilfe des Grundproblems durch „Kryptograhie“ hieran abprallen.

Dies alles wäre dann auch nochmals mit den Chancen und Risiken laufender Entwicklungen gegenzulesen, wie sie von Attali etwa beschrieben werden:

http://www.arte.tv/de/eine-kleine-geschichte-der-zukunft/2630624.html

http://www.amazon.de/Die-Welt-von-morgen-Geschichte/dp/3866010273/

Die Utopien bei Attali wie unten bei Beck in Richtung eines „Hyper-Humanismus“ und „Hyper-Weltstaats“ scheinen mir als unwahrscheinlicher Fall der weiteren Entwicklung bei beiden in dieselbe Richtung zu gehen. .

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