Blog-Kino: Theatererfahrung — Für einen präsenten Menschen

Ulla Neuerburg lernte ich 1986 während der Vorlesungen von Prof. Peter Simhandl zum Thema „Grundzüge der Theatergeschichte“ für Schauspieler an der damaligen Hochschule der Künstle (HdK) in Berlin (West) kennen. Wir waren damals beide Gasthörer dieser Vorlesungen Simhandls zur Theatergeschichte, dessen Essenz in der „Theatergeschichte in einem Band“ dann 1996 und 2001 in Buchform bei Henschel öffentlich publiziert wurde. Peter Simhandl ist 1939 bei St. Pölten in Niederösterreich geboren worden und 2007 in Wien gestorben. Ulla interessierte sich für Theatergeschichte durch ihre Tätigkeit als Schauspielerin am „Theater Zerbrochene Fenster“ in Berlin-Kreuzberg, wo ich sie, das Ensemble und ihren späteren Ehemann Ralph Denzer als Musiker im „Tanzmarathon“ bewunderte.

Durch Initiative von Peter Simhandl, der ein starkes Interesse am „Bilder-Theater“ – zum Beispiel an der Theaterarbeit von Achim Freyer – hatte, entstand eine Kooperation für einige HdK-Studentenprojekte, die mit Peter Weitzner und seiner Vorstellung von „Objekt-Theater“ realisiert wurden.

Ich war bei drei dieser Projekte als „Dokumentarist“ und Volontär mit dabei: 1988 bei „Antonin Artaud – die Kunst und der Tod“, Aufführungsort: Theater am Ufer, Berlin (West) –, vorher 1987 bei „Rimbaud Parade“ im sau-kalten Berliner Winter eines Bahnhofs-Ensembles des damals stillgelegten S-Bahnhofs Westend, sozusagen die „Rimbaud Parade Westend“ (mit 25 parallel bespielten Rauminstallationen, Innen und Außen, als eine Art Kunstlandschaft im geförderten 750er-Feierjahr Berlins) und zu Anfang – ebenfalls 1987 – bei „Echo Kandinski Echo“ mit Aufführungsort Auditorium der Akademie der Künste Berlin am Hanseatenweg. Im Moment digitalisiert ein Labor gerade meine Diapositive dieser meinigen Dokumentaristentätigkeit. Ich komme also hier im Blog zu einem späteren Zeitpunkt nochmals auf die drei Projekte zurück.

Mein obiger Kurzfilm „Neuerburg“ aus dem Jahre 1996 entstand zum Zeitpunkt einer beruflichen Weggabelung für Ulla, die im Soundtrack des Films sich explizit darstellt, und die Ulla schließlich in die Theater-Forschung und -Lehre führte. Seit 2006 ist sie „Assistent Professor“ an der Concordia University Montreal in Kanada. 1998 besuchte ich sie mit einer 35-mm-BlowUp-Filmkopie dieses Essay-Films an der University of California in Santa Cruz (Kalifornien, USA), wo sie „teacher of acting, directing and theatre history and theory“ war. Wir haben uns dann in Santa Cruz ein Kino gemietet, damit ich ihr und Ralph den Film zeigen konnte.

http://theatre.concordia.ca/people/faculty/full-time/ursula-neuerburg-denzer.php

http://www.peterweitzner.de/projekte.html

http://www.peterweitzner.de/objekttheater.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Achim_Freyer

http://www.taz.de/1/archiv/print-archiv/printressorts/digi-artikel/?ressort=bl&dig=2008%2F10%2F29%2Fa0162&cHash=cfc4e9cc16a7c48367eff84470cde911


Update 01. März 2014, 13.59 Uhr:

Ich hatte am 22. Februar d.J. noch versucht, Peter Weitzner diesen Text kurz zur Draufsicht per Email zuzusenden. Bedauerlicherweise war seine im Impressum auf http://www.peterweitzner.de angegebene Impressum-Email-Adresse „buero.peter@peterweitzner.de“ dysfunktional. Meine Email-Nachricht kam als technisch unzustellbar wieder zurück. Wie gut, dass es doch noch die gute alte Deutsche Post gibt. Einen Ausdruck dieses obigen Beitrags habe ich ihm so per „Schneckenpost“ zugesandt. Heute erreicht mich auf gleichem Wege ein Brief vom Peter Weitzner, in dem er um Richtigstellung einiger Fakten bittet. Das will ich gerne tun, da die Sichtweise auf Gemeinschaftsprojekte ja immer durch den eigenen Zugang stark subjektiv gefärbt ist:

„…ich habe Ihre Information erhalten. Doch Ihre Angaben sind irreführend. Sie stellen es so dar, als wäre Peter Simhandl der Initiator der Projekte.
Tatsächlich sind alle meine Projekte auswiesen (sic!) in dem Fachbereich Kunstpädagogik, in dem ich tätig war. Dort gründete ich das „Objekttheater“ bereits 1982. Der Fachbereich unterstützte meine Konzeption der interdisziplinären Arbeit und die Konzeption, die HdK nach außen zu öffnen. Ich arbeitete vorwiegend mit Schauspieler(n)/innen der freien Theaterszene und mit angehenden Kunstpädagogen. Roloff-Momin, der damalige Präsident förderte meine Projekte mit einem eigenen Etat. Meine Auffassung war, die Möglichkeiten der HdK, in Anlehnung an die Bauhausbühne, zu nutzen, um eine eigenständige Form des Bildertheaters zu entwickeln.
Auf keine meiner Projekte, der Konzeptionen, Inszenierungen, der von mir entwickelten Methoden der Improvisation und Montage der Bilder, sowie der Bühnenbilder, hatte Peter S. Einfluss genommen. Seine Seminare waren eine theoretische Ergänzung zu meinen Projekten.

Übrigens hatte Peter S. den „Rimbaud“ nicht theoretisch begleitet. Er lehnte ab; offenbar wollte er Moritz Milar, den damaligen Dekan vom Fachbereich Schauspiel, der zuerst vorgesehen war den Rimbaud zu machen, nicht verprellen.

Unabhängig von dieser Richtigstellung, schätze ich Peter Simhandl; es wird schon dadurch ersichtlich, dass ich ihn nach Amsterdam für eine Vorlesungsreihe an die Hogeschool voor de Kunste berief, wo ich in den neunziger Jahren, künstlerischer Leiter des Fachbereiches „Objekttheater“ war.“

Schon aus theaterhistorischen Gründen sei diese Richtigstellung gerne hier angemerkt. Allerdings habe ich in Peter Weitzners Antwortbrief in einem Erstkontakt nach über 25 Jahren keine Bemerkung dazu gefunden, dass die drei Projekte von mir durch Fotos und teilweise durch Filmaufnahmen dokumentiert wurden. Dies scheint also nicht besonders relevant und dringlich zu sein. Manchmal ist die pure Erinnerung ohne visuelle Erinnerungsstütze einfach besser…

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