Drei Fragen

Ich habe Claudia van Laak über den Fotografen Thomas Kummerow kennengelernt – beide hatten einige Jahre lang in Erfurt unabhängig voneinander gearbeitet – und habe Claudia von Laak auch schon mal im ehemaligen RIAS-Funkhaus am Hans-Rosenthal-Platz in der Redaktion besucht.

Mit Interesse habe ich daher ihren längeren Beitrag im „Hintergrund“ des Deutschlandfunks letzten Freitag (28.02.2014) gehört, den sie als Co-Autorin zusammen mit Klaus Hempel gestaltete.

http://www.deutschlandfunk.de/nach-dem-fall-edathy-wie-mit-nacktbildern-von-kindern.724.de.html?dram:article_id=278818

Nach dem Hören des Beitrags habe ich mich drei Fragen gefragt:

Erstens:
Wieviele Heuchler arbeiten in den Landeskriminalämtern an Stellen, in denen sie frei über inkrimiertes Material verfügen können, also mehr als privilegierten Zugang zu Verbotenem und Kriminellem besitzen ?

Zweitens:
Warum geht der Diskurs, Foto- und Bewegtbildmaterial im digitalen Zeitalter ineins und identisch mit dem Abgebildeten zu setzen – Voraussetzung für die Behauptung von durch Bildaufnahme vor der Kamera strafrechtlich relevanter und vollzogener Handlungen – so weit hinter den Medien-Diskurs der 1990er-Jahre zurück, als man glaubte, Bildern durch digitale Manipulierung gar nichts mehr glauben zu können ?

Drittens:
Müsste man mit dem rechtlichen Argument von „mittelbarem Schutz“ von Opfern durch  das Verbot von Zeichnungen und Fantasie-Illustrationen nicht auch sämtliche Fantasie-Darstellungen von Gewalt gegen Menschen, Tiere und Sachen verbieten? — Paraphrasiert also: „Man möchte verhindern, dass ein Auslöseeffekt eintritt; dass sich jemand diese … Zeichnungen, die ja sehr realistisch sein können, anschaut, und dann sagt: Ich möchte eigentlich auch einmal ganz gerne mal anderen gegenüber gewalttätig werden.“

Meine erste Frage habe ich mir gegenüber am gestrigen Abend sofort als ungehörig zensiert, bis ich heute morgen in den Nachrichten vom entsprechenden Fall beim BKA gehört habe, wo genau das passiert ist. Dies zum Thema „Überprüfung von Autoritäten“ durch die Zeitqualität (siehe Podcast-Gespräch mit Werner Held.)

Meine zweite Frage habe ich mir damit beantwortet, dass die pornografische Triebabfuhr sich keine Reflexionsebene im Wahrnehmungsdiskurs der digitalen Technik erlaubt; bedauerlicherweise kommt mir das im dem ganzen Medienhysterie-Komplex extrem zu kurz.

Bei meiner dritten Frage habe ich verstanden, dass nach den Umbrüchen der 1960er- und 1970er-Jahre und der dadurch ausgelösten Lebensstilrevolution nunmehr Opfer die Totalität ihrer Opfererfahrung nicht mehr für sich behalten wollen, sondern sie proaktiv als Anspruch totaler Verhinderung nach Außen proklamieren. Dabei drückt der Totalitätsstempel inzwischen weit in die Gesellschaft hinein, wenn er sich kritische Nachfragen einer liberalen Gesellschaft nicht mehr erlauben will.

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