Filmerbe-Digitalisierung ist nicht das Problem: das übernimmt die Maschine

Um nochmals auf die Petition „Filmerbe in Gefahr“ zurückzukommen.

Über die Art und Weise, wie das US-Unternehmen Blackmagic Design derzeit den Profi-Kameramarkt für digitale Bewegtbildkameras aufmischt, darf man sich bei diesem traditionellen Mac-PC-Steckkarten-Unternehmen, dem der Mac-PC mit Steckkarten-Erweiterungsoption abhanden gekommen ist, nur staunend wundern. BMD wirkt mit dem Faktor 10, um den die Produkte nunmehr als halber Konsumartikel für Indie-Filmemacher erschwinglich werden, während die Matrix sich um dem Faktor 4 (bei der Auflösung und den Bildqualitäten) erhöht.

Zuletzt hatte BMD nicht nur Teranex übernommen und deren Videoveredlungsboxen fürs Hochkonvertieren ins (Ulta-)High-Defitionzeitalter adaptiert, sondern auch hier den Preis von 30.000 auf 3.000 Piepen gezehntelt.

Dritter Streich heute, zur diesjährigen NAB, der relevanten Bewegtbild-Boradcast-Digitalbild-Messe in Las Vegas: Nach Übernahme der konkursen Cintel-Assets: der BMD Cintel Filmscanner, der 4K-Auflösung in Echtzeit in den Thunderbolt-Stöpsel bringt. Preis: 25.000 Euro-Piepen statt 250.000 für den Kasten aus München, andere Konkurrenz dürfte dadurch ebenfalls ziemlich platt sein. Selbstverständlich wird ein zusätzliches 16-mm-Gate zusätzlich kosten, wie man ja auch vielleicht einmal Lichtton z.B. wird synchron ausspielenspielen wollen, mit kostenpflichtigem Zusatzmodul wohl.

Der Clou ist nun, dass sich das bremboriale Filmdigitalisierungsproblem, von dem die Petition „Filmerbe in Gefahr“ handelt, damit mehr oder weniger von selbst löst, solange man auf Filmbänder zurückgreifen kann. Für einen DCI-standardkonformen Kinosaal darf man immer noch 100.000 Euro an technischen Einrichtungskosten für Projektion und Digitaltechnik rechnen; wenn 25.000 Euro nun noch hinzukommen, hat man damit auch die Option, historisches Filmmaterial materialschonend digital zeigen zu können. Das ist zwar dann keine „historische Aufführungspraxis“ mehr, aber überaus praktikabel, wenn man en-passant digitalisieren kann, statt eine Armada an Digitalisierungsbetrieben für’s Beschäftigtsein zu bezahlen.

Bei BMD wird der Filmscanner nun auch noch zum Designobjekt, das man sich als Kunstwerk an die Wand hängen möge, vergleiche den „Sieg der guten Form“ bei der bisherigen Filmscanner-Konkurrenz. Keine Frage, BMD geht den Apple-Way auf ihren neu definierten Geschäftsgebieten:

Foto-Quelle: Blackmagic Design / Website

Foto-Quelle: Blackmagic Design / Website

Ergo: Filmerbe-Digitalisierung ist nicht das Problem: Das übernimmt die Maschine!

Das Problem bleibt die Pflege des Filmstock-Erbes und die Möglichkeit, in der Aufführungspraxis darauf zurückgreifen zu können, wenn es über das Einmalmastern von Negativen hinausreicht.

Problem Nummer zwei bleibt die Tatsache, dass die Verarbeitungsskette für Filmmaterial durch das Verschwinden der Filmkopierwerke und ihres Know-Hows im Handwerklichen unterbrochen ist und die Konservierung von Film als Film damit in eine Sackgasse geführt hat, weil man die Digitalis als Digitalitis verschluckt hatte, indem man dem Film Lab als Industriebetrieb in Manufakturgröße keine Kulturstättenqualität und damit subventionierte Erhaltungsmöglichkeit zubilligen wollte, wenn man vom Kopierwerk des Bundesarchivs absieht, das seine Stärken aber auch eher im Schwarz-/Weiß-Bereich hat. Schwerer Fehler. Darf man fragen, zu was Frau Grütters ihren Job macht? Wofür haben wir eigentlich Medienförderung?

Gerade die Frage des Langzeiterhalts bleibt deshalb ungelöst, weil die Filmerbe-Digitalisierung als Problem gelöst erscheint. In der kausalen Entkettung der beiden Anliegen zeigt sich die zu lösende Aufgabe: Nach wie vor stehen wir als Medienkonservatoren mit leeren Händen und eigentlich ohne Option und Angebot dar, dieses Problem technisch als Wissensbewahrer lösen zu können.

http://www.blackmagicdesign.com/products/cintel

http://www.blackmagicdesign.com/

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