„Assoziierte Presse“

Die USA, Russland und China haben gemeinsam, dass es sich um das Triumvirat der drei dekadenten Großimperien auf unserem Erdball im derzeitigen Entwicklungsstand handelt. An ihnen ist vor allen Dingen ihre Größe, ihr „Overstretch“, ihre Skalierung problematisch und eben auch gefährlich.

Das bekannt gewordene Maßnahmenpaket, um in der Dekadenzphase den Machterhalt zu sichern, zeigt, wie unsouverän die mediale Repräsentanz der imperialen Wirkung geworden ist, gerade wenn man es zum Beispiel einmal mit dem Filmepos „Ben Hur“ von 1959 vergleicht.

Zu Fragen dieser Art von Machterhalt in der Phase der machtentgleitenden Dekadenz hat sich Glenn Greenwald am 12.04.2014 im FAZ-Gespräch geäußert:

„Je mehr man über die Menschen weiß, die man regiert, desto mehr Macht hat man über sie. Man kann vorhersehen, was die anderen tun, verstehen, was sie tun, oder es sogar stoppen. Wenn Sie die Entwicklung der westlichen Gesellschaften in den letzten Jahren betrachten, sehen Sie, dass die Unzufriedenheit zunimmt. Die ökonomischen Ängste wachsen, die Ungleichheit steigt außerordentlich, sogar an Orten wie London und in Spanien kommt es zu Unruhen. Die Zentren der Macht sind sehr daran interessiert, wie sie sich gegen solche Instabilitäten schützen können. Überwachung ist vermutlich das mächtigste Instrument dafür. Wenn Sie wissen, was andere sagen, denken und tun, haben Sie eine enorme Kontrolle über sie.“

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueberwachung/glenn-greenwald-ueber-edward-snowden-die-nsa-und-neue-enthuellungen-12892691.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Über gezielte Medienmanipulationen zur Diskurs- und Aufmerksamkeits- Steuerung gab es am 29. Januar 2014 in diesem Blog bereits ein Posting:

https://duskofdigital.wordpress.com/2014/01/29/der-flach-gehaltene-ball-fliegt-inzwischen-sehr-hoch/

Das Bemerkenswerte an Stefan Schulz‘ FAZ-Beitrag vom 05. April 2014…

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/snowden-dokumente-wie-man-die-oeffentlichkeit-infiziert-12881233.html

…ist die Bemerkung über die Beteiligung der Nachrichtenagentur „Associated Press“ (AP) im Räderwerk der „Nachrichten“, die als solche zu gelten haben bzw. hätten.

Siehe dazu auch:

https://firstlook.org/theintercept/2014/04/04/cuban-twitter-scam-social-media-tool-disseminating-government-propaganda/

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ueberwachung/britischer-geheimdienst-so-werden-menschen-vernichtet-12820556.html

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Ich fand es in der Laufzeit des von mir kuratieren Globians Dokumentarfilm-Festivals (2005 – 2013) jedensfalls sehr bemerkenswert, wie stark das Interesse von AP mit ihrem Bangkoker-Büro an qualitativ hochwertig produzierten Dokumentarfilmen aus den USA sich darstellt und wie von dort Indie-Filmfestivals „betreut“ wurden. — Während sonst Independent-Dokumentarfilmer über die Festival-Einreich-Börse „Withoutabox“ höchstselbst ihre Werke bei Festivals einreichten, bekam ich zwei Mal via „Withoutabox“ Dokfilm-Einreichungen eines Mitarbeiters von AP Bangkok, zu Filmen, die vom positiven Arbeits- und Lebensalltag von US-Soldaten im Irakkrieg handelten, die dort ihren ‚patriotischen Dienst‘ leisteten. Die Sichtungs-DVDs kamen mit der Post aus Thailand; mit Absenderstempel „AP Thailand“. — Die Filme stellten nun diese Art von „Militärdienst“ sehr positiv und komplett unkritisch dar. Kein Wunder, dass zu dem angegebenen Filmemacher dieser Dokfilme kein „Track Record“ auffindbar war. Ich vermutete als Kurator hier Propaganda-Absicht, sonderte die Filmeinreichungen im Auswahlprozess aus (was auch sonst!) – und wunderte mich, dass man sich im US-Verteidigungsministerium nicht nur eine Propaganda-Filmeinheit weiterhin leistete, sondern sich auch dem Renommee von AP meinte bedienen zu müssen und eben auch bedienen konnte. Seither schaue ich bei AP-Meldungen in den vervielfältigenden Medien, die deren „Dienste“ nutzen, genauer – um nicht zu sagen: sehr genau hin. Interessant nun, dass AP auch anderweitig wie oben wieder auffällig wurde. Die Aufmerksamkeit- und Diskurssteuerung bedient sich also nicht nur verdeckter und geheimer Kanäle, sondern benutzt auch – und wie ich lernte, vor allem – kommerziell arbeitende Unternehmen im Medienbereich mit einst ordentlicher Reputation.


PS: Zu „Ben Hur“ von 1959 und seiner Funktion im imperialen Hegemonialdiskurs habe ich mich hier schon einmal ausführlicher geäußert:

http://kinoberlin.blogspot.com/2009/05/1959-eine-reise-zum-gravitations.html

 

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