Usurpation als das offensichtliche aber nicht tatsächliche Verschwinden von digitaler Hardware

Peter Glaser mit einem sehr lesenswerten Essay zum Verschwinden von HARDWARE durch Minituarisierung, veröffentlicht in der neuen CT Ausgabe 11/2014 (S. 88ff).

Glaser bemerkt, dass die Minituarisierung von digitaler Hardware nunmehr an einem kritischen Punkt angekommen ist, bei der Virtualisierung und Verschwinden drohen: das Aufkommen einer „Stealth-Technolgie“; gleichzeitig demonstrieren sich digitale Funktionalitäten als Ubiquität, als eine selbstverständliche Umweltbedingung wie die Luft, die uns umgibt, und Wasser, das aus einer Leitung zu kommen hat, wenn man am Knopf dreht.

Zudem führt Glaser den Begriff der „magischen Hardware“ ein, während hinter dem Saum des Vorhangs (anderer Name für ‚Cloud‘) „Deine Daten einfach nur auf der Festplatte von jemand anderem liegen“, d.h., dass bei den gigantischen Serverfarmen der Oligopole, die auf der Welt verstreut angelegt wurden und die enorme Energieströme ziehen, die technische Operabilität einfach nur hinter eine „Sicherheitsstruktur“ geographisch wie geopolitisch verlagert wird.

Hier wäre nun argumentativ einzugreifen, dass diese Art von „Magie“ letztlich nur eine der Usurpation ist.

In einer machtfreien oder auch nur machtbewußten Umgebung ist diese Art von Magie gänzlich unnötig, weil man für magische Funktionalitäten der Transzendenz keine apparative Technik, sondern nur biotische Geschöpfe mit entsprechendem Sensorium und daraus entstandenem Bewußtsein benötigt. „Magie“ wirkt auch ohne Computerei.

Da dies anscheinend nicht gesehen wird, kommt es – gemäß der Erkenntnistheorie von Jean Gebser – zu mytischen Erscheinungen und Wirkungsmächtigkeiten, weil die magische Bewußtseinsstruktur nach oben „durchreißt“. Alles, was wir an digitalen Entgleisungen in der Sphäre des Menschen als Geistes- und Gesellschaftswesen derzeit erkennen können, hat im Zulassen dieser Art von „magischer Hardware“ ihren Ursprung.

Das bedeutet, dass die Verteufelung von Algorithmen auf Software-Ebene, die als das Signum des digitalen Zeitalters schlechthin gelten, rückgenommen werden muss, solange man Hardware als Instrument aufzufassen in der Lage ist.

Hiermit bewußt umzugehen, bedeutet am Beispiel, auf einer wirklichen, tatsächlichen Tastatur weiterhin zu bestehen, in der die Geschichte (seit der Erfindung von Tastaturen in der Renaissance) haptisch erlebbar bleibt. Gewahrung der geschichtlichen Kontinuität wirkt der unbewußten, schwarzen Magie dieser Art von Usurpation entgegen.

Digitale Dämmerung heißt in diesem Fall: die Zurückdämmung der digitalen Technologie in ihre eigene geschichtliche Sphäre.

http://www.heise.de/ct/inhalt/2014/11/88/

http://de.wikipedia.org/wiki/Usurpation

http://de.wikipedia.org/wiki/Ubiquität

http://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Gebser

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