Die griechische Tragödie und ihre Lösung – oder der Abstieg in die Katastrophe

Der schweizer Ökonom Michael Bernegger hat auf Social Europe und via DWN eine rund 50-seitige Analyse der europäischen Krise um Griechenland veröffentlicht, die extrem erhellend und lesenswert ist.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/wp-content/uploads/2015/06/Kurzzusammenfassung-Die-griechische-Tragödie-und-ihre-Lösung1052015-3.pdf

Was dadurch sofort klar und deutlich wird, sind die Tatsachen, dass das Risiko, das derzeit auf dem Spiel steht, enorm ist, — aber auch, dass politische Verantwortungs-Delegierung des Volkes an „die Institutionen“ der demokratischen Repräsentanz, gemeint sind unsere repräsentativen Parlamente und Regierungen, mit einem sehr großen Vertrauen in die intellektuellen Analyse-Fähigkeiten der Handelnden, gerade im Krisenfall, einhergeht, — verbunden mit jenem Vertrauen, dass nach entsprechender Erkenntnis auch erkennbar integer nach diesem, dem „besten Wissen und Gewissen“ und eben auch für das Wohlergehen des Souveräns in seiner Zukunft, also in künftiger Perspektive, langfristig, gehandelt wird.

Ich hatte dieses Vertrauen seit dem Aufstieg von Frau Dr. Angela Merkel zur Kanzlerin nie, weil mein Misstrauen durch die Kanzlerschaft von Dr. Helmut Kohl von 1982 bis 1998 entsprechend vorbereitet, gestützt und vergrößert wurde. Und wie hießen der SPD-Pipeline-Kanzler und sein Pipeline-Olivgrün-Deputy nochmal…? vergessen wir’s!

In einer Schönwetterdemokratie dürfen Schönwetterpolitiker schöne Reden halten und damit schöne Politik machen. Was sie wirklich können, zeigt sich in Krisenzeiten.
Die „Politik der ruhigen Hand“, Abwarten und alles auf sich zukommen lassen und die „Alternativlosigkeit“ der Verhältnisse werden dann schnell zu grobfahrlässiger Unterlassungsleistung.

Und da meine ich, dass nicht nur der Krisengürtel in Griechenland und um Griechenland drum herum [von Spitzbergen und dem Baltikum, über das Mittelmeer (mit einem Arabien und Nordafrika in Flammen) bis hin nach Gibraltar und dem Cabo de Såo Vicente], nicht nur das NSA-Souveränitätsdebakel und die Nullstelle einer steuernden und gesteuerten Immigrationspolitik, nicht nur die NATO-Legitimationskrise mit dem vom Westen her provozierten und geschürten Russland-Konflikt um Geopolitik, nicht nur die Identitätsschwäche, eine Full Spectrum Dominance auch als Bedrohung des Eigenen nicht erkennen zu können (militärisch, ökonomisch, kulturell), sondern auch die EURO-Fehlkonstruktion mit dem von dort aus dauer-zu-subventionierenden Blankoscheck-FailedState Ukraine — — inzwischen einen Krisenhorizont aufspannen, der um mindestens vier Kleidergrößen und um zwei Potenzen über die intellektuellen Kapazitäten unseres derzeitigen politischen Personals hinausreicht. Sie können’s nicht und bringen deshalb Unheil.

Unter all dieser Beschäftigungstherapie wird dann leicht vergessen, was China seit den 1970ern als Generalplan exekutiert.
Für den neuen Hegemon stehen wir mit unreflektiertem Kadavergehorsam eines Vasallenstaates auf der falschen Seite, was dem neuen Hegemon bei dem anstehenden Hegemonialwechsel, an dem seit den 1970ern kräftig gearbeitet wird, allerdings ziemlich egal sein wird. Das ist das Wesen eines Hegemonialwechsels. Aber wo stehen wir dabei dann?


Update 22. Juni 2015, 19:18 h: Meine Fundamentalkritik an den politischen und weitsichtigen, Unheil verhindernden Fähigkeiten unserer Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, wird dankenswerterweise auch von anderen geteilt, z.B. heute in einem Beitrag des deutschen Ökonomen Heiner Flassbeck bei Telepolis:

http://www.heise.de/tp/artikel/45/45246/1.html

Er scheibt dort:

„Wenn dieses Europa in den Augen der deutschen Bundeskanzlerin stärker ist als vor der Krise, dann kann man nur schlussfolgern, dass diese Bundeskanzlerin Europa schlafwandlerisch in eine Katastrophe führt. Es ist genau die Unfähigkeit, die Zusammenhänge zu sehen und die Situation der jeweils anderen zu verstehen, die, so wie Christopher Clark es für die Zeit vor dem ersten Weltkrieg beschrieben hat (…), die Katastrophe geschehen lässt, obwohl es eigentlich niemand will.

Die Sicht der deutschen Bundeskanzlerin auf die Welt ist so eng, so deutsch und so falsch wie es nur eine merkantilistische Sichtweise sein kann. Indem sie diese auf ganz Europa projiziert, schafft sie ein Gebilde, das für den Rest der Welt vollkommen unverdaulich ist und dessen Inneres sich in Auflösung befindet, weil es den meisten Partnerländern zurecht zutiefst widerstrebt, so merkantilistisch zu sein, wie es die „Führungsnation“ vorschreibt.“

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