Petitionitis – heute: der Aufruf

Die „Filmerbe-in-Gefahr“-Petitionisten Kreimeier & Goergen haben wieder zugeschlagen: Am 6. Oktober 2016 veröffentlichten sie mit einer illustren Schar von Erstunterzeichnern einen „Aufruf an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags“.

http://filmerbe.org/doc/aufruf-16-10-06_de.pdf

Zwar haben die Petitionisten dank Digitaler Dämmerung inzwischen dazu gelernt:
Es wird dort nun nicht mehr die Digitalisierung des Filmerbes als allein seelig machender Methode gefordert, sondern von „Digitalisierung“ gesprochen als einer „Technologie, die unter internationalen Experten als ungeeignet für eine dauerhafte Sicherung gilt“.

Welch‘ ein Paradigmenwechsel!

Denn die ursprüngliche Petition „Filmerbe in Gefahr“ hatte ja genau die Verhältnisse herbeigewünscht (Schließung von Filmkopierwerken weil Digitalisierung gebraucht wird, z.B.), die man jetzt mit dem Aufruf noch verhindern möchte.

Es wird nunmehr auch die „zweigleisige konservatorische Sicherungsstrategie“ gefordert, „die sowohl die Herstellung langzeitstabiler analoger Sicherungskopien als auch die Herstellung und Archivierung digitaler Kopien erlaubt“.

Wenn man sich schon so weit aus dem Fenster lehnt, dann sollten aber wenigstens die Fakten stimmen. Und die stimmen leider nicht, was dazu führte, dass man unsere lieben MdBs, die mit der Sache befasst sind, in der Sache gehörig empört und verärgert hat, wie man von dort, aus deren Büros, hört. Für den Etat der Deutsche Kinemathek in Berlin für 2017 ist keine Kürzung vorgesehen, aller Selbstüberzeugung der Petitionisten zum Trotz; wir hätten es sonst schon anderweitig gehört.

So kann man es halt auch machen, wenn man das Gegenteil von dem erreichen möchte, was man vorgibt erreichen zu wollen.

Einmal mit Profis arbeiten!

Nochmals: Petitionen und Aufrufe sind in der Sache unangemssen, diesem komplexen Thema gerecht zu werden. Hört endlich auf damit, auf diese Weise eine falsche Öffentlichkeit schaffen zu wollen. Ihr verhebt Euch! Zum wiederholten Male.
Die Filmhistoriographie ist im Diskurs der Gegenwart anders und auf neue Weise zu verankern. Das ist harte Arbeit, weil etwas ganz Neues erschaffen werden muss.
Flinkes Herumformulieren verschlimmert genau diese Besinnung auf Neues.

Die Erstunterzeichner der Aufruf-Petition sollten sich schämen, was sie da wieder für einen Schmarn unterschrieben haben.

Man darf also auf die morgige Öffentliche Anhörung im Kulturausschuss des Deutschen Bundestages zum Thema „Nachhaltige Bewahrung, Sicherung und Zugänglichkeit des deutschen Filmerbes gewährleisten“ gespannt sein. Die Herren Hollmann, Kreimeier und Rother sind auch geladen. Und die entsprechenden MdBs scheinen gebrieft zu sein.

Zeitversetzt online (19.45 – 21.15 h, am 19.10.2016) im Parlamentsfernsehen unter http://www.bundestag.de für jeden.

 

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