Knapp daneben ist auch vorbei

Professor emeritus Dr. Klaus Kreimeier hat am 10. Januar 2017 einen längeren Beitrag unter dem Titel „Digialisierung des Filmerbes – Es gibt nichts wegzuwerfen“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung veröffentlicht.

Diesen Text kann man bis auf weiteres online frei zugänglich nachlesen, unter diesem Link:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/klaus-kreimeier-aeussert-sich-zur-digitalisierung-des-filmerbes-14610183.html?printPagedArticle=true

Kreimeier reagiert darin mit der Forderung, dass das „Filmerbe in Gefahr“ unteilbar sei, auf einem FAZ-Beitrag von Dr. Dirk Alt vom 8. Dezember 2016, den man sich in einer Zeitschriftenbibliothek besorgen kann, um ihn dort einzusehen. Wahrscheinlich wird man ihn dort, sofern die Papierbestände der Zeitungsarchive in Bibliotheken erhalten bleiben, länger noch vorfinden können, als online, zumal der Beitrag von Alt in der FAZ online bis jetzt verfügbar ist, sofern man bereit ist, für das digitale Gesamtprodukt der FAZ einen Digitalpass käuflich zu erwerben.

Es ist jetzt nur dumm, dass der vermeintlich alles bedenkende Herr Kreimeier, der schon im Titel seiner Replik weiterhin die Digitalisierung für das alleinige Allheilmittel zum Erhalt des Filmerbes ansieht – und mit seiner von ihm co-initiierten „Filmerbe in Gefahr“-Petition maßgeblich zur Schließung der Filmkopierwerke des Bundesarchivs beigetragen und sich so im Zirkelschluss um seine eigene Alternative gebracht hat, in allgemeiner wissenschaftlicher Manier über die Zugänglichkeit von Quellen, auf die er reagiert, sich keinerlei Gedanken zu machen scheint. Soviel Luxus muss schon sein und muss man sich auch leisten können.

Was lehrt der Fall bislang? Digital und online frei zugängliche Quellen und Werke drängen sich beinahe von selbst in der Gegenwart auf, was ein starkes Argument pro Digitalisierung zu sein scheint, bis dieses Argument zum Umkippen kommt, wenn plötzlich für alles Mögliche Digitalpässe und Schranken, Paywalls gesetzt werden, bei denen man das Eine für das Andere mitbezahlen muss. Den besagten Textbeitrag habe ich bei Blendle, wo Einzelabrufe möglich sind, nicht gefunden.

Ich will jetzt gar nicht auf die Materialität des Digitalen zu sprechen kommen, ein weites Feld und das stärkste Argument gegen Digitalisierung, vor allem beim Langzeitaspekt.

Ich kontaktierte daraufhin Herrn Alt direkt, um anzufragen, sein inkriminiertes Textprodukt vielleicht von ihm persönlich, unter Umgehung der FAZ als Verteiler- und Schrankenplattform, zum Lesen ausgehändigt zu bekommen. Mein Wunsch wurde erhört und erfüllt. Einen Digitalpass für die FAZ würde ich aus politischen Gründen niemals abschließen.

Was mir persönlich an dem Text von Dirk Alt auffiel waren drei Dinge:

Erstens ist er unter dem Titel „Was ist das Gedächtnis der Nation?“ so entschieden ignorant wie provokativ geschrieben, dass sich Herr Alt als Nachwuchshistoriker damit direkt als Nachfolger des Leiters des Bundesarchivs bzw. dessen Nachfolgebehörde zu empfehlen scheint.

Zweitens zeigt er, wie der branchenbekannte, manche würden vielleicht sagen „berüchtigte“, Film-Materialverweser Höffkes (der im Text zum harmlosen „Materialsammler“ degradiert wird) zum vorrangigen filmischen Nationalerbe-Bewahrer befördert wird, mit Weihen bei Yad Vashem, wo dank 2K-Digitalisierung Täter- und Opferidentifizierungen ermöglicht worden wären.

Drittens macht er deutlich, wie stark der Zeitgeist bestimmte Auffassungen derzeit nach oben spült, um sich mit guter Anpassungsfähigkeit geschmeidig bei den richtigen Leuten beliebt zu machen.

Kreimeier ist mit seiner Forderung nach einer „Unteilbarkeit“ der filmischen Überlieferung an Materialien unbedingt Recht zu geben. Dass der Herr Professor emeritus in Sachen der Materialität des Digitalen ebenso unbedingt Nachhilfe noch benötigte, sei gleich hinzugefügt.

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