Die Auflösungslücke

Wieder ist Matthias Dell ein entscheidender Hinweis zu verdanken, der auch mir jüngst offensichtlich wurde: Die Abbildungsqualität digitaler Bewegtbildmedien – Kameras, Postproduktion, Displays – hat durch die enorme Beschleunigung der technischen Entwicklung in den letzten gut zehn Jahren zu einer Hyperrealistik auch der dokumentarischen Abbildung geführt. Fügt man nun Kompilationsmaterial aus den Archiven und Fundstücke ein, um historische Situationen zwischen beschriebener Realität der Talking Heads präsent werden lassen zu können, ist man mit einer Auflösungslücke zwischen Zitatmaterial und Gegenwart konfrontiert, mit der zunächst – trotz Teranex-Technik beim Upscaling – umzugehen ist – und zwar in beide Richtungen.

Das Problem verschärft sich nun zusätzlich dadurch, dass neben der jeweils vervierfachten Steigerung der Gesamt-Auflösung, gemessen an der horizontalen k-Auflösung – k wie kilo: 2K, 4K, 8K, 16K – bei jedem Schritt, nun auch HFR (High Frame Rate) bei der zeitlichen Auflösung und HDR (High Dynamik Range) beim Farbraum, der farblichen Auflösung, breite Einführung erleben. 24p ist nicht mehr das Maß aller Dinge und Video mit 8-bit geht gar nicht mehr. 3D ist derzeit wieder „out“, wird aber als weitere Option auf der Palette wiederkommen, da Infrastruktur bereits geschaffen wurde.

Diese technische Entwicklung ist inzwischen dermaßen enorm, dass selbst dokumentarische Langzeitbeobachtungen, die mit dem technischen Stand zum Beginn ihrer Dreharbeiten begonnen wurden, im Verlauf der weiteren Filmproduktion von dieser „Resolution-Gap“ eingeholt werden und damit bereits zu ihrem eigenen Veröffentlichungstermin selbst davon betoffen sind.

Abgesehen davon entwertet diese logarithmische Auflösungs- und Darstellungsparameter-Verbesserungskurve auch ganze Produktionsepochen der Vergangenheit, was ja auch schon beim Farbwechsel in TV von schwarz-weiß zu color bereits der Fall war. Welcher TV-Sender zeigt noch gerne in der breiten Sendefläche Schwarzweißfilme, wenn’s nicht gerade Silvester ist…

Spannend bleibt in der Tat der Frage, wie mit dieser Auflösungslücke in Zukunft kreativ umgegangen werden kann, beispielsweise durch multiperspektivisches Erzählen, Multiframes, statt Hochskalierung als Gesamtbild – oder aber als algorithmisch erzeugter, synthetischer Auflösungsauffüllraum; eine Textur, die künstliche Auflösung in Altes hinein rechnet. Etwas, was ich bald von israelischen Startups erwarten würde.

Das Radiogespräch mit Matthias Dell vom 18. Februar 2017 bei „Vollbild“ vom Deutschlandradio Kultur, hier:

Originallink (Audiodatei wird im August 2017 depubliziert werden):

Link http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2017/02/18/rueckblick_dokumentar_hybride_bei_der_berlinale_drk_20170218_1518_7df5ae7c.mp3

Archivlink

Link zu Teranex-Produkten von BlackMagicDesign:

https://www.blackmagicdesign.com/products/teranex

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