Die Beendigung der monopolartigen Vorherrschaft des Closed-Circle-Systems der Filmarchive

Im laufenden „Filmerbe in Gefahr“-Diskurs haben sich im Frühjahr 2017 zwei relevante Wortmeldungen mit stringenten und evidenten Argumentationslinien gezeigt.

Einmal der Text „Wie das Filmerbe sichern? – Das Kino passt auf keine Festplatte“ von Alexander Horwath, veröffentlicht am 27. März 2017 in der FAZ Online und auch derzeit ohne DRM, digitalen Gatekeeper und vorab für Alles zu bezahlenden Digitalpass nachzulesen.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/diskussion-um-rettung-des-filmerbes-in-deutschland-14943602.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Dass die von Horwath dargestellte Einstellung zum Erhalt einer Kulturtechnik in Deutschland nicht Mainstream ist, zeigt einerseits die Ahnungslosigkeit und Laienhaftigkeit der Professoren, Direktoren und Doktoren im Sachgebiet, andererseits macht es auf die Abwesenheit von 1000 Jahren Kultur der Römer gerade in den ostelbischen Gebieten erneut aufmerksam.

Die zweite Wortmeldung war die von Helmut Herbst anlässlich des Symposiums „Das NRW-Filmerbe – Archivierung, Digitalisierung und Veröffentlichung“, das am 26. und 27. April 2017 in Köln stattfand. Herbst fordert darin die Beendigung der monopolartigen Vorherrschaft des Closed-Circle-Systems der Filmarchive und eine Hinwendung zur Rettung des Filmerbes mittels der Schaffung eines breiten Zugangs zu erhaltenswertem Material, ein Plädoyer also für OPEN ACCESS zu mit öffentlichen Mitteln produziertem Wissen, auf der Basis der inzwischen bezahlbar gewordenen Digitalisierungstechnik.

http://kinematheken.info/na-dann-priorisiert-mal-schoen/

Auf diese Idee des Paradigmenwechsels in der operativen Archivarbeit sind wir hier im Blog im Übrigen bereits am 9. April 2014 gekommen, als BLACKMAGIC DESIGN den BMD Cintel Filmscanner für 25.000 statt 250.000 EURO erstmals vorstellte:

https://duskofdigital.wordpress.com/2014/04/09/filmerbe-digitalisierung-ist-nicht-das-problem-das-ubernimmt-die-maschine/

Ob OPEN ACCESS dabei allerdings meint, Amateur-Filme mit historischer Relevanz als Materialfund bei ebay aufzukaufen, zu digitalisieren und diese aufgekauften Bewegtbildfunde dann (ohne Abgeltung von urheberrechlich relevanten Nutzungsrechten an die Materialgeber bzw. Erben der Urheber) dann meistbietend pro Sendesekunde mit eigener Profitabsicht an History-Sendungen und -Kanäle zu vermarkten, wage ich zu bezweifeln. Insofern sehe ich in dem Interview, das Dirk Alt mit Karl Höffkes führte – ebenfalls bei kinematheken.info im Frühjahr 2017 veröffentlicht – erneut einen Beleg darin, am Wesentlichen mit Absicht oder Ignoranz vorbei zu argumentieren. Mir fällt dabei schwer, die Laienhaftigkeit des Diskurses von möglicherweise absichtlich platzierten Fake News zu unterscheiden. Natürlich würde niemand Guido Knopp – ich habe inzwischen lange gebraucht, mich hier an den Namen zu erinnern – Nazitum oder Nazipropaganda unterstellen, nur weil er viele Sendungen und Sendereihen zur NS-Geschichte zu verantworten hatte. Ich halte es eher für eine niedere Moral und für unlauter, den Leuten auf Marktplattformen ihre Umkehroriginal-Filmrollen (Quelle und gleichzeitig physisches Beweismittel) aus den Familienbeständen abzuluchsen und das dann auch noch als vorbildlich kulturelle Geschichtsbewahrung und als intelligente Materialakquise mit altruistischem, geschichtsbewahrenden Hintergrund hinzustellen.

http://kinematheken.info/weltgeschichte-in-bewegten-bildern-ein-filmerbe-gespraech-mit-karl-hoeffkes/

 

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