„Film und Kunst nach dem Kino“

Die für mich 2017 wichtigste Buchpublikation im Kinobereich war die erweiterte Neuauflage von „Film und Kunst nach dem Kino“ von Lars Henrik Gass.

Bereits erstmals 2012 als bibliophiles Hardcover-Bändchen kurz nach der Hauptumstellungsphase von filmstreifen-basiertem Kino auf Digitalprojektion erschienen, schärft diese nun nicht mehr bibliophile Buchausgabe erneut die Würdigung der vom gesellschaftlichen Untergang bedrohten cinephilen Wahrnehmungsform Kino.

Dabei bekommen in einer messerscharften und konzis kurzen Analyse so ziemlich alle ihr Fett weg: ausgelaugtes Kommerzkino am Zusammenbruch der klassischen Auswertungs-Verkettung, unrentables Produktionswesen im hochtourigen Leerlauf durch inzuchtgetriebenen Filmförderlobbyismus, die allgemein verlotterte Fernseh-Unkultur, Festival-Sinn-und-Unsinn, Disk und Streaming, Kunst-Ausstellungsbetrieb und Kunstmarkt mit zum Kinomodell reziproker Wertschöpfungskette und das untergegangene aber enorm einflußreiche Musikclipfernsehen.

Der Klappentext des Verlags:

Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe. Der Film kommt dem Kino abhanden, das als Massenmedium allmählich verschwindet. Kino hat eine eigenständige gesellschaftliche Wahrnehmungsform hervorgebracht, die den Film von den Künsten unterschied. Das ist der Befund von Lars Henrik Gass‘ so thesenfreudiger wie kenntnisreicher Streitschrift, die nun endlich in einer aktualisierten und deutlich erweiterten Neuausgabe erscheint. Gass hat ein parteiisches, auch polemisches Buch über den Niedergang des Kinos geschrieben. Er beschreibt die Bedingungen, unter denen Film heute als Kunstform entsteht und sichtbar wird. Zur Sprache kommen dabei viele Filme und Installationen (von Cyprien Gaillard, Douglas Gordon, Christian Marclay, Jesse McLean, Jon Rafman, Julian Rosefeldt, Steven Spielberg, Andy Warhol u.a.), historische Erscheinungsformen des Films (Expanded Cinema, Experimentalfilm, Found Footage, Installationen, Musikvideo usw.), vor allem aber die Frage nach der institutionellen, medialen oder systemischen Logik von Filmförderung, Internet oder Kunstbetrieb. Gass analysiert die gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen einer postkinematografischen Gegenwart anhand von Fernsehen, DVD, Internet, Filmfestivals, Ausstellungen oder Museen. Mehr als alles andere aber ist Film und Kunst nach dem Kino ein Manifest für eine Wahrnehmungsform: Vielleicht lässt sich das Kino erst im Moment seines Verschwindens wirklich verstehen. Und vielleicht haben wir die Lehre und die Kritik des Kinos nie dringender gebraucht als heute.

https://www.perlentaucher.de/buch/lars-henrik-gass/film-und-kunst-nach-dem-kino-2017.html

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