Potsdam und der Overtourism

Das in dem Interview bei Christian Hönicke im Berliner Tagesspiegel vom 21. November 2018 vom Tourismusexperten Stephen Hodes zur lokalen Zerstörungkraft des Massentourismus Gesagte, gilt nicht etwa nur für Venedig, Barcelona, Amstersdam, Prag und Berlin, sondern inzwischen – aus eigener Anschauung – auch für die Innenstadt von Potsdam.

Während die lokale politische Elite noch vom Siegeszug der Hotelwirtschaft als ökonomischer Wachstumslokomotive der Gewerbesteuereinnahmen träumt, überrennen mittlerweile Busladungen voller Touristenhorden die überschaubare Potsdamer Innenstadt mit ihren rund 15.000 Einwohnern und benehmen sich entsprechend der Beschreibungen des Tourismusexperten, allem Barbariniglanzniveau zum Trotz. Die Landeshauptstadt versteht sich gesellschaftlich primär als Geldausgeber für die gesellschaftliche Elite an Forschern und öffentlichen Verwaltern, finanziert aus den Töpfen des Stadthaushaltes, des Bundeslandes, des Bundes und der EU.

Warum man etwa in der engen Gutenbergstraße einen Bus Stop für die große Reisebusse hinsetzte, muß mit den nicht ganz taufrischen Einschätzungen auf dem nicht ganz aktuellen Stand der Erkenntnisse in der Potsdamer Lokalpolitik zusammenhängen. Und dass schließlich niemand etwas gegen die dauernd in Routenschleife in Schrittgeschwindigkeit kreuzend-schleichenden, bereits ausgesonderten, Sightseeingbusse der 1970er-Baujahre mit ihrem Diesel-Brikettausstoß ohne Partikelfilter und deren Feinstaub- und Stickoxidbelastung für die, die da nicht drin sitzen, tun will, spricht ebenfalls Bände der Ignoranz an Sorglosigkeit.

Hier entsteht in der Tat Handlungsbedarf.

Es hieß so schön und treffend: Der Tourist zerstört das, was er sucht, indem er es findet. Auch in Potsdam.

https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/tourismusmanager-warnt-vor-overtourism-in-zehn-jahren-sind-unsere-staedte-komplett-zerstoert/23647312-all.html

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