100 Jahre André Bazin

Dass an das 100. Geburtsjahr (und das 60. Todesjahr) von André Bazin ausgerechnet der langjährige Theaterkritiker des Tagesspiegels, Peter von Becker, dort erinnert und nicht einer der gerade in Cannes offensichtlich abwesenden Filmkritiker des Berliner Tagesblattes, spricht Bände.

Dass insgesamt an Bazin so wenig in den letzten Wochen erinnert wurde, zeigt die zunehmende Schwäche jenes nachlassenden Schocks des Kinos, seine abnehmende Kraft im Gegenwärtigen.

https://www.tagesspiegel.de/kultur/essays-des-filmkritikers-andre-bazin-vom-wahren-schock-der-kunst/21577022.html

Immerhin Georg Seeßlen mit einem Kalenderblatt beim Deutschlandfunk:

http://www.deutschlandfunk.de/vor-100-jahren-geboren-der-franzoesische-filmkritiker-andre.871.de.html?dram:article_id=415793

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Soll man „Filmkultur“ akademisch lernen ?

In Frankfurt am Main wird derzeit als inter-institutionelles Projekt der akademische Master-Studiengang Filmkultur („Film Culture: Archiving, Programming, Presentation“) begründet.

Ziel der Programms sei:

„The master’s program aims at training scientific personnel for film culture intuitions, such as film and media archives, museums, festivals, as well as for film laboratories, televisions and media companies. The program provides a solid scholarly knowledge of film and media as well as professional skills in film archiving and curatorship. At the same time, the program offers a research focus on film culture and archiving, with graduates becoming eligible for Ph.D. programs in film and media studies upon graduation.“

Meine Vorbehalte dagegen sind weniger inhaltlich und formal begründet. Vielmehr wird sich hier ebenfalls, wie in den bereits bestehenden akademischen Filmrestaurierungs-Studiengängen und bei den Filmschulen auch, sehr schnell zeigen, dass der Massen-Ausstoß an Graduierten und damit Berechtigten in keiner Weise mit den beruflichen Marktgegebenheiten in Einklang gebracht werden kann. Soll der Wissenserwerb eine Spielerei und ein Hobby bleiben, benötigt es keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Lehrende und deren Institutionen. Die Legende „Nur einer kam durch„, wonach der eine Wenders oder Petersen den ganzen institutionellen Aufwand rückwirkend und als Antizipation auch zukünftig rechtfertigt (und die anderen eben nur mitlaufen und die Getriebe geschmeidig halten), erscheint mir antiquiert. Die ganze Mühe hätte man anders aufsetzen müssen, an der beruflichen Zukunft, der Archivschränke öffnenden Basisarbeit eben, — und nicht an den zu geringen Chancen ihrer Verwirklichung.

http://master-filmkultur.de/medien/2018/03/Minding_the_Materiality_of_Film_FINAL.pdf

http://master-filmkultur.de/

 

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100 Jahre Bergman: die Filmdokumentationen

Owen Gleiberman bei Variety mit einer euphorischen Rezension zur Erstaufführung von Jane Magnussons Dokumentarfilm „Bergman – A Year in a Life“ beim Film Festival von Cannes:

http://variety.com/2018/film/reviews/bergman-a-year-in-a-life-review-ingmar-bergman-1202808268/

Die Premiere von Margarethe von Trottas “Searching for Ingmar Bergman” steht in Cannes noch aus.


Update, 20. Mai 2018:
Boyd van Hoeij und Todd McCarthy mit den Rezensionen beider Filmdokumentationen beim Hollywood Reporter:

https://www.hollywoodreporter.com/review/bergman-a-year-a-life-bergman-ett-ar-ett-liv-1111535

https://www.hollywoodreporter.com/review/searching-ingmar-bergman-review-1112426

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Robert F. Kennedy und ’28 Barbary Lane‘ bei Netflix: „Diese Serie ist: Anspruchsvoll“ – 20 Jahre Netflix Website

Heute bekam ich Post von der IDA, der International Documentary Association, aus den USA und zwar als Email A Sponsored Message from Supporters of the International Documentary Association. Netflix produzierte nicht nur Bobby Kennedy For President als Netflix Original Documentary Series in der Regie von Dawn Porter; sie machen auch Promotion dafür, dass sie diejenigen, die sie mit ihrem seit 1998 aufgebauten Datenpool als Zielgruppe der Programminteressenten identifiziert haben, auch erreichen.

Die Genre-Klassifikation bei dieser Doku-Serie reicht von Serien, US-Serien, Dokumentationen über Biografische Dokumentarfilme und Politische Dokumentarfilme bis hin zu Sozial- und Kulturdokus. So etwas findet man bei anderen kommerziellen Streamingvideo-Anbietern eher selten und liest sich wie ein besseres ARTE.
Netflix läßt die sich interessierenden Zuschauer vor Abruf mit Hinweis wissen:
Diese Serie ist: Anspruchsvoll und man kann sie auch in Deutschland beziehen, mit deutschen Untertiteln.

Beim Durchstöbern der List of original programs distributed by Netflix stieß ich dann auf das bevorstehende Wiederauflebenlassen von Tales of the City nach den Novellen von Armistead Maupin. Die Erstverfilmung des ersten Teils der Novellenserie von 1993 durch Channel 4 in UK zirkulierte nach der PBS-Ausstrahlung in den USA Mitte der 1990er-Jahre als VHS-Edition. Als ich in San Francisco im Frühjahr 1998 ankam, wurde der zweite Novellenband More Tales of the City gerade durch Showtime als TV-
Serie verfilmt und Netflix startete seine Website (am 14. April 1998). Im Sommer 1999 verließ ich San Francisco wieder; Freunde und Nachbarn schenkten mir als Abschiedsgeschenk die gerade erschienene DVD-Box der 2. Staffel  More Tales of the City. Das war also zu einer Zeit, wo man in Deutschland noch ein paar Monate auf den offiziellen Marktstart der DVD-Video als Medium warten mußte, weil man nicht AC-3 von Dolby, sondern MPEG-Multitrack von Fraunhofer als verpflichtenden Tonstandard bei der DVD-Video eigentlich hatte setzen wollen, woraus dann nichts wurde.

Es waren dieselben Freunde und Nachbarn, die damals bereits als Early Adaptors ein Netflix DVD-Leihabonnement gezeichnet hatten und DVDs in Umschlägen per Post empfingen und wieder zurücksandten; in ihrer berufstätigen Zeit mit dem damals neuen Webbrowser auf der Netflix-Website zunächst ihre Wunsch-Schau-Liste in der Datenbank zusammenstellten und auf diese Weise keine Zeit für entfernte Videotheksbesuche (1 x hin, 1 x zurück) vergeudet wurde – auch wenn man in Noe Valley, Castro und Downtown bei Abstechern in die diversen LaserDisc-Videotheken reiche cineastische Einblicke gewann und interessante Kontakte knüpfen konnte. Die späteren Freiumschläge von Netflix mit rotem Logo für die Rücksendung der DVDs hatten Signatur-Charakter bei der Markenbildung. Netflix war mir auf diese Weise spätestens seit 1999 ein Begriff. Das DVD-Geschäft wird bis auf Weiteres von Netflix auch heute weiter betrieben, wenn auch weiterhin mit fremden Inhalten und Editionen.

So schließen sich irgendwie die Kreise…

https://www.netflix.com/de/title/80174282?dcuid=AMsySZYc1e0YAeZUYk0f8skR4gRn

Link https://en.wikipedia.org/wiki/File:Netflixenvelope.jpg

https://en.wikipedia.org/wiki/Timeline_of_Netflix

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_original_programs_distributed_by_Netflix

https://en.wikipedia.org/wiki/Tales_of_the_City

https://en.wikipedia.org/wiki/Tales_of_the_City_(2019_miniseries)

https://en.wikipedia.org/wiki/Armistead_Maupin

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Die Einführung des Aufsichtskinos als Selbststrahler und der Protest: Spielberg und Nolan

Inzwischen hat in den USA auch ein erster Kinosaal mit Samsung LED Bildpanelen als bildgebendes Element eröffnet. SONY entdeckt gerade ebenfalls diesen Zukunftsmarkt der Verkaufschancen.

https://www.hollywoodreporter.com/behind-screen/led-video-wall-debuts-at-first-los-angeles-theater-1101782

https://www.hollywoodreporter.com/behind-screen/how-new-led-cinema-screen-could-change-filmmaking-moviegoing-1104745

Die Regisseure Spielberg und Nolan haben sich entschieden gegen die Einführung von LED-Videowänden als bildgebendes Element im Kino ausgesprochen:

https://www.hollywoodreporter.com/behind-screen/spielberg-nolan-directors-who-dont-want-led-screens-movie-theaters-1105477

Auf der gerade laufenden Hannover-Industrie-Messe 2018 konnte man auf dem Roboter-Technik-Stand (Halle 16, E26) der koreanischen Firma WBM sehen, wozu diese Cinema LED Panels von Samsung im öffentlichen Raum gut sein können, als Bildereignis nicht durch die großen Bilder der LED-Panels, sondern durch die Präsenz und Variabilität der Panels im Raum: kinogroße Bewegtbilder, beweglich als Choreographie eigener Art, die kein Kino mehr benötigen.

http://www.hannovermesse.de/aussteller/wbm/H866782

Ein follow-up für diese Postings vom Februar und März 2018:

https://duskofdigital.wordpress.com/2018/03/22/das-aufsichtskino-des-selbststrahlers-ist-da/

https://duskofdigital.wordpress.com/2018/02/23/im-kino-geht-ein-licht-auf-selbststrahler-aufsicht-statt-durchlicht-reflexion/

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Netflix ersetzt Majors: Die Anzahl der großen Filmstudios mit autonomer Distribution nimmt durch Konsolidierung ab

Die Tage von Twentieth Century Fox als eigenständiges Filmstudio, Kino- und Heimmedien-Distributor sind durch den Übernahmevorgang seitens Disney gezählt.

Als treibende Kraft der Konsolidierung aktiver Filmgroßstudios („Majors“) wird der durch Netflix dominierte Streamingvideo-Markt gewertet, bei dem Disney den rechtlich zu übernehmenden Backkatalog von Fox Film weltweit in sein eigenes, in Gründung befindliches, Konkurrenzprodukt zu Netflix integrieren will.

http://variety.com/2018/film/news/fox-disney-sale-stacey-snider-1202788497/

http://variety.com/2018/film/news/fox-cinemacon-disney-merger-1202788921/

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Orson Welles bei Netflix: „The Other Side of the Wind“

So langsam gehen einem die Argumente aus, etwas gegen Netflix haben zu können oder Netflix gar nicht brauchen zu wollen, weil es eben ein Streamingdienst ist und noch dazu ein Streamingvideodienst, der sich weder für die Kinokultur des Kinos und seiner Historizität, noch für die Überlieferungsdauer, Nutzungsindividualität, Zugangsschwelle, Aneignungsqualität, Resillienz und Konsistenz von Offline-Medien erwärmen kann.

Mehr als 30 Jahre nach seinem Tod im Jahr 1985 und fast 40 Jahre nach dem Ende der Dreh- sowie Schnittarbeiten von Orson Welles an „The Other Side of the Wind“ kommt durch Initiative von Peter Bogdanovich und Frank Marshall nun mit Finanzierung durch Netflix die aus dem lizenz-rechtlich geklärten Nachlaß  – bestehend aus Rohmaterial, bereits fertiggestellten Schnittstrecken, geleitet durch schriftlichen Anweisungen, Memos, Ideen, Skizzen, Essays – erarbeitete, erste, posthume Gesamt-Schnittfassung des Werks heraus. Der 86-jährige Michel Legrand steuert nach „F for Fake“ von 1974, der letzten Zusammenarbeit mit Welles, auch hier eine neu komponierte und von ihm arrangierte Filmmusik bei. – „The Other Side of the Wind“ handelt von einen Regisseur, gespielt von John Huston, der seinen letzten Film vorstellt. Nun denn.

Inzwischen tauchen nach dem Händel zwischen Netflix und dem Filmfestival von Cannes erstmals Presseberichte auf, wonach Netflix am Erwerb einer Kinokette in den USA interessiert sei. Immerhin das.

https://en.wikipedia.org/wiki/The_Other_Side_of_the_Wind

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Other_Side_of_the_Wind

https://en.wikipedia.org/wiki/Orson_Welles

https://de.wikipedia.org/wiki/Orson_Welles

https://www.netflix.com/de/title/80085566

http://www.wellesnet.com/category/other-side-of-the-wind/

http://www.wellesnet.com/other-side-wind-screening/

http://www.wellesnet.com/morgan-neville-to-helm-netflix-documentary-on-orson-welles-the-other-side-of-the-wind/

https://filmschoolrejects.com/orson-welles-and-michel-legrand-to-be-reunited-by-netflix/

https://en.wikipedia.org/wiki/Netflix

https://en.wikipedia.org/wiki/Frank_Marshall_(producer)

https://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Bogdanovich

https://en.wikipedia.org/wiki/Michel_Legrand

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