CINEMA LED SCREEN

Michel aus der Schweiz berichtet mir von seinen ersten Besucher-Erfahrungen mit der Erstinstallation einer CINEMA LED SCREEN in Zürich:

„Habe die Technik jetzt mit 2 Filmen gesehen. Leider bisher kein 3D oder 4K oder HDR. Der Schwachpunkt im Moment ist der Saal (nicht perfekt absorbierend, Exit Licht neben der Leinwand von Gesetzes wegen) und die Quellen (nutzen das perfekte Schwarz gar nicht, auch nicht beim Abspann, und sind bisher nur SDR, nicht HDR).

Den Protest von Nolan und Konsorten kann ich nicht ernst nehmen, wenn ihr Argument ist, dass sie im Kino nicht nur Fernsehen wollen. Das ist kein technisches Argument, und auch kein ästhetisches, da es mit der LED Technik zuerst mal gar nichts zu tun hat. Typische Artefakte der analogen Filmprojektion gingen schon mit den Digitalprojektoren weg, nicht erst mit LED Wänden. Zudem kann man diese bei Bedarf (ist da wirklich ein Bedarf??) durchaus simulieren (Mehrfachbilder mit schwarzen Zwischenbildern, Wackeln, Verschmieren…). Was soll also der dämliche Vergleich mit Fernsehen?“

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101 Jahre Jean-Pierre Melville

Die Kinopublizistik bei der Deutschen Welle hat Niveau. Nachverfolgen kann man dies mittels App und Web an deren Sendungen und Textbeiträgen.

Jochen Kürten rezensiert bei DW das bei STUDIOCANAL erschienene DVD-/Bluray-Boxset zu Melville, indem er die 10 dort veröffentlichten Spielfilmarbeiten Melvilles (von 13 Werken insgesamt) vorstellt und in einen historischen Kontext einbettet, in dem Melville als das „Bindeglied zwischen Hollywood und der Nouvelle Vague“ gilt. Von der Remastering-Offensive in Frankreich konnte man sich am Beispiel Melville in den letzten Monaten bei ARTE schon über das ein oder andere aus dem Boxset vorliegenden Filmwerk mittels Fersehausstrahlung ein Urteil bilden, freilich auf niedrigem Bitratenniveau.

http://www.dw.com/de/zwischen-existenzialismus-und-kriminalfilm-jean-pierre-melville/a-42900455

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100 Jahre André Bazin

Dass an das 100. Geburtsjahr (und das 60. Todesjahr) von André Bazin ausgerechnet der langjährige Theaterkritiker des Tagesspiegels, Peter von Becker, dort erinnert und nicht einer der gerade in Cannes offensichtlich abwesenden Filmkritiker des Berliner Tagesblattes, spricht Bände.

Dass insgesamt an Bazin so wenig in den letzten Wochen erinnert wurde, zeigt die zunehmende Schwäche jenes nachlassenden Schocks des Kinos, seine abnehmende Kraft im Gegenwärtigen.

https://www.tagesspiegel.de/kultur/essays-des-filmkritikers-andre-bazin-vom-wahren-schock-der-kunst/21577022.html

Immerhin Georg Seeßlen mit einem Kalenderblatt beim Deutschlandfunk:

http://www.deutschlandfunk.de/vor-100-jahren-geboren-der-franzoesische-filmkritiker-andre.871.de.html?dram:article_id=415793

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Soll man „Filmkultur“ akademisch lernen ?

In Frankfurt am Main wird derzeit als inter-institutionelles Projekt der akademische Master-Studiengang Filmkultur („Film Culture: Archiving, Programming, Presentation“) begründet.

Ziel der Programms sei:

„The master’s program aims at training scientific personnel for film culture intuitions, such as film and media archives, museums, festivals, as well as for film laboratories, televisions and media companies. The program provides a solid scholarly knowledge of film and media as well as professional skills in film archiving and curatorship. At the same time, the program offers a research focus on film culture and archiving, with graduates becoming eligible for Ph.D. programs in film and media studies upon graduation.“

Meine Vorbehalte dagegen sind weniger inhaltlich und formal begründet. Vielmehr wird sich hier ebenfalls, wie in den bereits bestehenden akademischen Filmrestaurierungs-Studiengängen und bei den Filmschulen auch, sehr schnell zeigen, dass der Massen-Ausstoß an Graduierten und damit Berechtigten in keiner Weise mit den beruflichen Marktgegebenheiten in Einklang gebracht werden kann. Soll der Wissenserwerb eine Spielerei und ein Hobby bleiben, benötigt es keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Lehrende und deren Institutionen. Die Legende „Nur einer kam durch„, wonach der eine Wenders oder Petersen den ganzen institutionellen Aufwand rückwirkend und als Antizipation auch zukünftig rechtfertigt (und die anderen eben nur mitlaufen und die Getriebe geschmeidig halten), erscheint mir antiquiert. Die ganze Mühe hätte man anders aufsetzen müssen, an der beruflichen Zukunft, der Archivschränke öffnenden Basisarbeit eben, — und nicht an den zu geringen Chancen ihrer Verwirklichung.

http://master-filmkultur.de/medien/2018/03/Minding_the_Materiality_of_Film_FINAL.pdf

http://master-filmkultur.de/

 

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100 Jahre Bergman: die Filmdokumentationen

Owen Gleiberman bei Variety mit einer euphorischen Rezension zur Erstaufführung von Jane Magnussons Dokumentarfilm „Bergman – A Year in a Life“ beim Film Festival von Cannes:

http://variety.com/2018/film/reviews/bergman-a-year-in-a-life-review-ingmar-bergman-1202808268/

Die Premiere von Margarethe von Trottas “Searching for Ingmar Bergman” steht in Cannes noch aus.


Update, 20. Mai 2018:
Boyd van Hoeij und Todd McCarthy mit den Rezensionen beider Filmdokumentationen beim Hollywood Reporter:

https://www.hollywoodreporter.com/review/bergman-a-year-a-life-bergman-ett-ar-ett-liv-1111535

https://www.hollywoodreporter.com/review/searching-ingmar-bergman-review-1112426

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Robert F. Kennedy und ’28 Barbary Lane‘ bei Netflix: „Diese Serie ist: Anspruchsvoll“ – 20 Jahre Netflix Website

Heute bekam ich Post von der IDA, der International Documentary Association, aus den USA und zwar als Email A Sponsored Message from Supporters of the International Documentary Association. Netflix produzierte nicht nur Bobby Kennedy For President als Netflix Original Documentary Series in der Regie von Dawn Porter; sie machen auch Promotion dafür, dass sie diejenigen, die sie mit ihrem seit 1998 aufgebauten Datenpool als Zielgruppe der Programminteressenten identifiziert haben, auch erreichen.

Die Genre-Klassifikation bei dieser Doku-Serie reicht von Serien, US-Serien, Dokumentationen über Biografische Dokumentarfilme und Politische Dokumentarfilme bis hin zu Sozial- und Kulturdokus. So etwas findet man bei anderen kommerziellen Streamingvideo-Anbietern eher selten und liest sich wie ein besseres ARTE.
Netflix läßt die sich interessierenden Zuschauer vor Abruf mit Hinweis wissen:
Diese Serie ist: Anspruchsvoll und man kann sie auch in Deutschland beziehen, mit deutschen Untertiteln.

Beim Durchstöbern der List of original programs distributed by Netflix stieß ich dann auf das bevorstehende Wiederauflebenlassen von Tales of the City nach den Novellen von Armistead Maupin. Die Erstverfilmung des ersten Teils der Novellenserie von 1993 durch Channel 4 in UK zirkulierte nach der PBS-Ausstrahlung in den USA Mitte der 1990er-Jahre als VHS-Edition. Als ich in San Francisco im Frühjahr 1998 ankam, wurde der zweite Novellenband More Tales of the City gerade durch Showtime als TV-
Serie verfilmt und Netflix startete seine Website (am 14. April 1998). Im Sommer 1999 verließ ich San Francisco wieder; Freunde und Nachbarn schenkten mir als Abschiedsgeschenk die gerade erschienene DVD-Box der 2. Staffel  More Tales of the City. Das war also zu einer Zeit, wo man in Deutschland noch ein paar Monate auf den offiziellen Marktstart der DVD-Video als Medium warten mußte, weil man nicht AC-3 von Dolby, sondern MPEG-Multitrack von Fraunhofer als verpflichtenden Tonstandard bei der DVD-Video eigentlich hatte setzen wollen, woraus dann nichts wurde.

Es waren dieselben Freunde und Nachbarn, die damals bereits als Early Adaptors ein Netflix DVD-Leihabonnement gezeichnet hatten und DVDs in Umschlägen per Post empfingen und wieder zurücksandten; in ihrer berufstätigen Zeit mit dem damals neuen Webbrowser auf der Netflix-Website zunächst ihre Wunsch-Schau-Liste in der Datenbank zusammenstellten und auf diese Weise keine Zeit für entfernte Videotheksbesuche (1 x hin, 1 x zurück) vergeudet wurde – auch wenn man in Noe Valley, Castro und Downtown bei Abstechern in die diversen LaserDisc-Videotheken reiche cineastische Einblicke gewann und interessante Kontakte knüpfen konnte. Die späteren Freiumschläge von Netflix mit rotem Logo für die Rücksendung der DVDs hatten Signatur-Charakter bei der Markenbildung. Netflix war mir auf diese Weise spätestens seit 1999 ein Begriff. Das DVD-Geschäft wird bis auf Weiteres von Netflix auch heute weiter betrieben, wenn auch weiterhin mit fremden Inhalten und Editionen.

So schließen sich irgendwie die Kreise…

https://www.netflix.com/de/title/80174282?dcuid=AMsySZYc1e0YAeZUYk0f8skR4gRn

Link https://en.wikipedia.org/wiki/File:Netflixenvelope.jpg

https://en.wikipedia.org/wiki/Timeline_of_Netflix

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_original_programs_distributed_by_Netflix

https://en.wikipedia.org/wiki/Tales_of_the_City

https://en.wikipedia.org/wiki/Tales_of_the_City_(2019_miniseries)

https://en.wikipedia.org/wiki/Armistead_Maupin

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Die Einführung des Aufsichtskinos als Selbststrahler und der Protest: Spielberg und Nolan

Inzwischen hat in den USA auch ein erster Kinosaal mit Samsung LED Bildpanelen als bildgebendes Element eröffnet. SONY entdeckt gerade ebenfalls diesen Zukunftsmarkt der Verkaufschancen.

https://www.hollywoodreporter.com/behind-screen/led-video-wall-debuts-at-first-los-angeles-theater-1101782

https://www.hollywoodreporter.com/behind-screen/how-new-led-cinema-screen-could-change-filmmaking-moviegoing-1104745

Die Regisseure Spielberg und Nolan haben sich entschieden gegen die Einführung von LED-Videowänden als bildgebendes Element im Kino ausgesprochen:

https://www.hollywoodreporter.com/behind-screen/spielberg-nolan-directors-who-dont-want-led-screens-movie-theaters-1105477

Auf der gerade laufenden Hannover-Industrie-Messe 2018 konnte man auf dem Roboter-Technik-Stand (Halle 16, E26) der koreanischen Firma WBM sehen, wozu diese Cinema LED Panels von Samsung im öffentlichen Raum gut sein können, als Bildereignis nicht durch die großen Bilder der LED-Panels, sondern durch die Präsenz und Variabilität der Panels im Raum: kinogroße Bewegtbilder, beweglich als Choreographie eigener Art, die kein Kino mehr benötigen.

http://www.hannovermesse.de/aussteller/wbm/H866782

Ein follow-up für diese Postings vom Februar und März 2018:

https://duskofdigital.wordpress.com/2018/03/22/das-aufsichtskino-des-selbststrahlers-ist-da/

https://duskofdigital.wordpress.com/2018/02/23/im-kino-geht-ein-licht-auf-selbststrahler-aufsicht-statt-durchlicht-reflexion/

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