Filmhistoriker als die „Leichtmatrosen“ der Historiker-Zunft

Die Internationalen Filmfestspiele Berlin starten heute. Berlinale zum siebzigsten Mal. Vor einigen Wochen haben Veröffentlichungen der Wochenzeitung „Die Zeit“ zur NS-Verstrickung des Berlinale-Gründungsdirektors, Alfred Bauer, für Wirbel gesorgt. Ein „Amateuer-Historiker“ hatte mit einem Verweis auf Dokumente, die seit dem DDR-
Zusammenbruch in Archiven verfügbar waren, in einer Email-Zuschrift an die Redaktion der „Zeit“ diese Veröffentlichungen ausgelöst. Ein Paukenschlag. Damit verbunden war die Frage, warum ein Hobby-Historiker aus Passion den Fingerzeig auf diese Aufarbeitungs-Leerstelle legen konnte –– und nicht etwa die gegenwärtige bzw. frühere Leitung der Berlinale oder gar die in historischer Aufarbeitung von Filmgeschichte für Berlin und Berlinale maßgebliche Stiftung Deutsche Kinemathek (SDK) seit zwei Direktoriumsgenerationen für eine deutliche Aufarbeitung oder zumindest Darstellung der Fakten bislang sorgte.

Eine zur diesjährigen Berlinale geplante „Leicht-Broschüre“ zu Alfred Bauer mit einem Umfang von 68 Seiten in der Autorenschaft von Rolf Aurich und – wie der frühere SDK-Bereichsleiter für Publikationen, Wolfgang Jacobsen, im Tagesspiegel-Interview vermutet – redaktionellen Oberaufsicht von Rainer Rother, dem gegenwärtigen Direktor der SDK, wurde kurz vor der Veröffentlichung zurückgezogen; eine angekündigte Buchpremieren-Veranstaltung während der Berlinale wurde ebenfalls gecancelt. Die neue Direktion der Berlinale unter Chatrian und Rissenbeek kündigte an, dass nunmehr „richtige Historiker“ und nicht etwa „Filmhistoriker“ und schon gar nicht die von der „SDK“ für eine Aufarbeitung der NS-Vergangenheit von Alfred Bauer sorgen sollen.

Zum Auftakt der Berlinale 2020 ist jetzt der Eindruck entstanden, so auch im heutigen DLF-Gespräch mit Julius H. Schoeps, dem Leiter des Moses-Mendelssohn-Zentrums in Potsdam, dass die in und mit der Berlinale beschäftigen „Filmhistoriker“ kein Interesse an einer Aufarbeitung oder auch nur einer entsprechenden Darstellung gehabt haben. Es ist durch diese Berliner Verhältnisse damit der Eindruck und gleichzeitig die Kalamität entstanden, dass es anscheinend drei Klassen von Historikern der Zunft gibt: die „richtigen und echten Historiker“, denen man die Aufarbeitung der Verstrickungen von zeitgeschichtlichen Personen in den NS-Staat zutrauen kann, –– dann die für’s Unterhaltsame, Oberflächliche und für das unter den Teppich zu Kehrende zuständigen „Filmhistoriker“, die Wichtiges von Unwichtigem nicht unterscheiden können –– und schließlich die „Amateurhistoriker“, die Steine und damit Ballast der Vergangenheit durch Nachfragen und Insistieren erst in’s Rollen bringen können, weil alle anderen keine Lust darauf hatten. Schlimmer hat es nicht kommen können. Kenner der Verhältnisse in Berlin vermuten indes ein geschichtlich gewordenes System dahinter, das in den Schismen nicht nur der Berliner Filmpolitik ihre Ursachen hat (Trennung der Berlinale-Gegenwartsbezogenheit vom SDK-Vergangenheitsfokus, Trennung der Theorie an der SDK in Publikation, Sammlung und Display von der Kinopraxis der „Freunde der Kinemathek“ im Arsenalkino und deren Sammlungen, etc.) — Wer soviel systematisch voneinander trennt, der trennt auch Traumatisches ab und drängt es ab in den Keller der Geschichte. Insofern passt die Logik.

Durch diese beispiellosen Vorgänge und Versäumnisse ist die Reputation des „Filmhistorikers“ in Deutschland als Zunft in ihrer Gesamtheit ernsthaft beschädigt worden. Von deren Vertretern hört man selbst wenig in der Sache zu ihrer eigenen Verteidigung, wenn man von Wolfgang Jacobsen absieht, der zwei Berlinale-Chroniken publizistisch unter seiner Ägide bei der SDK zu verantworten hatte. Wenn Jacobsen sagt (im Tagesspiegel-Interview), seine Aufgabe sei damals gewesen, die Geschichte der Berlinale darzustellen und nicht deren Vorbelastungen, dann wird man nachfragen dürfen, ob nicht Rothers Vorgänger Prinzler in der Angelegenheit auch in die Erklärungs-Pflicht zu nehmen wäre. Denn spätestens seit der Erstausstrahlung der US-
Fernsehserie Holocaust und den Diskussionen um die „Topographie des Terrors“ durch Rürup in West-Berlin, seit den Exilstudien an der SDK und seit dem Diskurs um das Holocaust-Denkmal unweit des Berliner Filmhauses wird man um die Relevanz des Themas gewusst haben. Man wird, so ist zu vermuten, halt nur ungern dem „anderen Ich“, auf der anderen Seite der Potsdamer Straße, „an’s Bein hat pinkeln wollen“. Vergangenheit und Gegenwart sind an der Potsdamer Straße zwei Welten, schismatisch und nicht nur eine Straßenseite voneinander getrennt.

Ich persönlich halte die Demission des gegenwärtigen Direktors der Stiftung Deutsche Kinemathek aufgrund des Sachstandes für unvermeidlich, selbst wenn noch ein dicke Bretter bohrender Forschungsband zur Causa Alfred Bauer von dort nachgereicht werden würde. Man wird dadurch freilich nicht das die Dynamik verursachende Prinzip des Berliner Schismas beseitigen. Hier wären größere und gröbere Besen zum Kehren notwendig, die schisma-beseitigend strukturell und institutionell eingreifen. In der derzeitigen Verfasstheit mit der Bundeskulturministerin ist daran allerdings nicht zu denken.

Man kann das Schisma als Generalthema für die deutsche Hauptstadt (West-Berlin und Westberlin, Berliner Mauer, Ost und West, etc.) auch als direkte Folge des unbewältigbaren NS- und Holocaust-Traumas werten und die hochintegrierte, damalige NS-„Reichfilmkammer“ als Auslöser insbesondere für die vielen Spaltungen und Abspaltungen der in Berlin mit Film und Kino befassten öffentlichen Institutionen.
Die Vergangenheit wirft lange Schatten, auch in die Archiv-Kabinette. Die SDK feiert synchron dazu 100 Jahre „Das Kabinett des Dr. Caligari“.

 

https://www.tagesspiegel.de/kultur/interview-zum-fall-des-berlinale-gruenders-bauers-mitgliedschaft-in-der-sa-war-lange-bekannt/25500320.html

https://www.tagesspiegel.de/kultur/deutsche-kinemathek-streiten-fuers-kino/23811578.html

https://www.tagesspiegel.de/kultur/ns-vergangenheit-von-berlinale-chef-eine-vertane-chance-fuer-die-historische-aufarbeitung/25493116.html

Link DLF-Interview mit Julius H. Schoeps am 20.02.2020 https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2020/02/20/interview_mit_julius_h_schoeps_mendelssohn_zentrum_zu_dlf_20200220_0822_56836a88.mp3

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akiwiwa – als Kino wichtig war | Podcast Folge 4 | Februar 2020

akiwiwa – als Kino wichtig war…

Audio-Podcast von und mit
Kilian Mutschke und Joachim Polzer

Again, audio podcast only –
akiwiwa – die Kino-Lautsprecher:
„Hey, it’s OSCAR night 2020!“

Folge 4

Februar 2020

Spieldauer: 82 Minuten


Thema dieser Folge:

Von „Menschen am Sonntag“ zu Film Noir.
„Double Indemnity“ (1944) Regie: Billy Wilder
„Phantom Lady“ (1944) Regie: Robert Siodmak
„The Suspect“ (1944) Regie: Robert Siodmak
„Detour“ (1945) Regie: Edgar G. Ulmer
„Menschen am Sonntag“ (1929), Premiere in Berlin am 4. Februar 1930,
Filmautoren: Billy Wilder, Robert und Curt Siodmak, Edgar G. Ulmer,
Eugen Schüfftan (Kamera), Fred Zinnemann (Kamera-Assistenz)


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Heinz Haber wiedergelesen: „Stirbt unser blauer Planet?“ von 1973

Wenn ein sozialpsychologischer Erkenntnisbegriff wie „Klimahysterie“ unter Juryentscheidung zum „Unwort des Jahres“ gekürt wird, wie geschehen, dann zeigt dies – nach Jean Gebser – die Deffizienz der herrschenden Bewußtseinsstruktur an, ihren Wirksamkeitsverlust. Dass wir in den 1970er-Jahren mit einer differenzierten Erkenntnis und Darstellung der komplexen Menschheitsprobleme weiter, weil klarer und luzider waren, belegt mir ein Griff in meine Privatbibliothek: Eine meiner frühesten Bucherwerbungen war der 1973 bei DVA ersterschienene Band „Stirbt unser blauer Planet?“ von Heinz Haber, der hier seine Standortverlagerungen vom Wissenschaftspositivisten und Weltraumhobbyisten zum fortschrittskritischen Analytiker vollzieht und gleichzeitig dokumentiert. Aus dem Buchprojekt wurde 1974 eine 12-
teilige ZDF-Wissenschafts-Sendereihe; 1975 erschien der Band als Rowohlt Taschenbuch.

Ohne die gesellschaftlichen, kulturellen und geistigen Veränderungen seit 1966 (vgl. Werner Held: 1. Uranus/Pluto-Konjunktion) wäre dies undenkbar gewesen. Die „Pagemaker-Revolution“ des digitalen Mainstreams seit 1966 (vgl. Werner Held: 3. Uranus/Pluto-Konjunktion) samt deren ‚Aufhübschung des Lebens‘ seit 1982 (Saturn/Pluto-Konjunktion in Waage) hatte dann den Blick verstellt, den Erkenntnissen auch Taten folgen zu lassen, was uns jetzt (Saturn/Pluto-Konjunktion in Steinbock, 12. Januar 2020) auf die Füße fällt.

Habers Buch ist angesichts der „Klimahysterie“ mit ihrer Blickverengung und Perspektivverdrehung dringend wieder und neu zu lesen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Haber

https://de.wikipedia.org/wiki/Stirbt_unser_blauer_Planet%3F

http://www.werner-held.de

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Abgänge und Verabschiedungen 2019

Dem letzten Tag des Kalenderjahres obliegt es wieder, eine Liste der “Abgänge und Verabschiedungen” zu erstellen, sehr subjektiv nach Lieblingen und Liebhabereien, in ihrer eigenen un-alphabetisierten Ordnung, in ihren seltsamen Verkettungen und Assoziationen (des Lebens höchst-selbst) und mit ihren inhärenten, innewohnenden Prioritäten:

Rudolf zur Lippe

Ralph Metzner

Ram Dass

Bert Hellinger

Jesper Juul

André Barbault

Claudio Naranjo

Kary B. Mullis

Sogyal Lakar Rinpoche

Immanuel Wallerstein

Jürgen Zimmer

 

Horst Stern

 

Agnès Varda

Stanley Donen

Franco Zeffirelli

 

Donn Alan D.A. Pennebaker

Jonas Mekas

Barbara Hammer

 

Artur Brauner

 

Robert Evans

Sid Sheinberg
Ron Miller

Mildred Lewis
Edward Lewis

Eric Pleskow

 

Thomas Elsaesser

Werner Faulstich

Scotty Bowers

 

Albert Finney

Rip Torn

Peter Fonda

 

Doris Day

Bibi Andersson

Anna Karina

Anna Quayle

 

Bruno Ganz

Peter Matic

Hannelore Elsner

Gerd Baltus

 

Michel Legrand

André Previn

Martin Böttcher

Atli Heimir Sveinsson

 

Mark Hollis

Scott Walker

Jacques Loussier

Joao Gilberto

 

Harry Alfred Robert Kupfer

 

Mariss Jansons

Michael Gielen

 

Jessye Norman

Peter Schreier

Theo Adam

 

Johann Kresnik

 

Karel Gott

 

Wiglaf Droste

Werner Schneyder

 

Wibke Bruhns

Michael Jürgs

Arnulf Baring

 

Norbert Beilharz

 

Luigi Colani

Florence Knoll

Ieoh Ming Pei

Francisco Toledo

Guillermo Mordillo

 

Karl Lagerfeld

 

Niki Lauda

Heidi Hetzer

 

Volker Hinz
Peter Lindbergh
Charlie Cole
John Shearer
Terry O’Neill
Fred Herzog
Stuart Heydinger
Neil Montanus
Georg Gerster
Yannis Behrakis
Robert Freeman
Ed Bonja
Ed Westcott
David Sinclair
Orlando Suero
Sally Soames
Raeanne Rubinstein
Ken Heyman
John Cohen
Michael Wolf
Richard Gleim
Wilmar König
Wolfgang Krolow
Walter George Chandoha

Pierre Lhomme
Bruno de Keyzer
Ross Lowell
Ennio Guarnieri
Jerzy Wójcik
Pio Corradi
Rob Gnant
Andrew Berends

Raimund Barthelmes
Barry Malkin
Norman Hollyn
Terry Rawlings

James Riley Alexander
Gregg Rudloff
Jan Erik Kongshaug
Jack Renner

Lawrence G. Paull
Peter Larkin
William J. Creber
Dan Striepeke
Matt Rose
John W. Corso
Syd Mead
Pieri Tosi
Wayne Fitzgerald
David Gips

Alvin Sargent
John Briley
Mardik Martin
Bernard Slade
Dorothy Catherine DC Fontana
Mark Medoff
Bill Wittliff
Michel Baier
Friedhelm Werremeier
Lucino De Decrescenzo

Mohammed Zahur Khayyam

John Singleton
Javier Aguirre
Jean-Pierre Mocky
Dusan Makavejev
Pol Cruchtens
Claude Goretta
Jean-Claude Brisseau
John Llewellyn Moxey
Vaclav Vorlicek
Vojtěch Jasný
Janusz Kondratiuk
Sergei Jurjewitsch Jurski
Mark Anatoljewitsch Sacharow
Georgi Nikolajewitsch Danelija
Marlen Martynowitsch Chuzijew
Ryszard Bugajski
Larry Cohen

Andrew Horn
Rotraut Pape
Jocelyne Saab
Gustav Deutsch
Heinz Brinkmann
Kurt Mündl
Ugo Gregoretti
Sára Sándor
Jim Fowler
Perry Wolff

Johannes Schaaf
Rolf von Sydow
Klaus Dieter Fröhlich
Angeli Agethen

Lee Mendelson
David Foster
Steve Golin
David Weisman
Nik Powell
Andrew G. Vajna
Branko Lustig
David V. Picker
David Groenewold
Tom Zickler

Meyer Ackerman

Rutger Hauer
Michael J. Pollard
Seymour Cassel

Richard Erdman
Ron Leibman
Robert Forster
Luke Perry
Bill Macy
Clive Swift
Dick Miller
Joseph Sirola
Shane Rimmer
René Auberjonois
Danny Aiello
David Hedison
Billy Drago
Paul Koslo born Manfred Koslowski
Carlo Delle Piane
Omero Antonutti
Carmen Argenziano
Eduardo Fajardo
Fernando Lujan
Max Wright
Tony Britton
Freddie Jones
Carmine Caridi
Jean-Pierre Marielle
Michel Aumont
Serge Merlin
Ken Kercheval
Kristoff St. John
William Morgan Sheppard
Peter „Chewbecca“ Mayhew
Morgan Woodward
Jan-Michael Vincent
James Frawley
Rip Taylor
Charles Levin
Pyotr Zaychenko

Sylvia Miles
Marie Laforêt
Sue Lyon
Kaye Ballard
Claudine Auger
Verena Bloom
Carol Channing
Louise Moritz
Muriel Pavlow
Mag Bodard
Julie Adams
Carol Lynley
Diahann Carroll
Katherine Helmond
Valentina Cortese

Carl Schell
Lis Verhoeven

Ursula Karusseit
Lisa Martinek
Ellen Schwiers
Elfriede Ott

Rainer Jordan
Klaus Sonnenschein
Ernst Fern
Bruno Thost
Wolfgang Winkler
Wolfram Mucha
Jan Fedder
Uwe Detlev Jessen
Helmut Krauss
Joachim Tomaschewsky

Hans Mittermüller

Hans Rainer Lange

Goetz Kronburger

Wilhelm Wieben

Harald Halgardt
Franziska Pigulla

Thomas Schmidt

Michael Brennicke

Jochen Pützenbacher
Walter Freiwald
Hans Karl Schmidt

Russi Taylor
Gay Byrne

Paul Krassner

Neil Innes
Herbert Bonewitz

Wolfram Eicke
Manfred Uhlig

Art Neville
Dr. John
Ginger Baker
James Ingram
Bob Wilber

Ingo Bischof
Joseph Jarman
Dick Dale
Hal Blaine
Garrett List

Wanda Warska
Nancy Holloway
Dorothy Masuka
Oliver „Tuku“ Mtukudzi

David Berman
Johnny Clegg
José Mario Branco
Daniel Johnston
Marcel Azzola
Edo Zanki
Camilo Sesto
Connie Jones
Herbert Joos
Ruud Jacobs
Cees Schrama
Dave Bartholomew
Einar Iversen
Lawrence Leathers
Duncan Lamont
Tony Glover
Paul Barrere
Ric Ocasek
Peter York
Iain Sutherland
Neal Casal
Astrid North

Marie Fredriksson
Audun Laading und Stephen Fitzpatrick
Willy Lambregt

Costa Cordalis
Martin Lauer
Gus Backus

Walter Hedemann
Dieter Hoff
Dick Rivers
Roky Erickson
Leon Redbone
Henri Belolo
Gary Duncan
Larry Taylor
Sleepy LaBeef

Raymond Leppard
Jean Guilliou
Helmut Steinbach
Hans Zender
Hartmut Klug
Helmuth Froschauer
Stephen Cleobury
Abbey Simon
Jörg Demus

Jan Buchwald
Ekkehard Wlaschiha
Rolando Pannerai
Marcello Giordani
Wilma Lipp
Hilde Zadek
Erika Schubert

Manfred Scheffner
Bogusław Schaeffer
Ivan Eröd
John Joubert
Christopher Rouse
Georg Katzer
Sid Ramin
Allee Willis
Irving Louis Burgie Lord Burgess
Dominick Argento
Phil Mattson
Jerry Herman
Stanley Applebaum

Izzy Young
Les Reed
Pete Sibley
Joe Smith
Elliot Roberts
Helmut Richter

Peter Rüchel
Sigvalt Tveit
Ira Gitler
Chris Albertson

Heiner Bruns
Eva Kleinitz
Harold Prince
Terry Allen Kramer

Jonathan Miller
Hagen Mueller-Stahl
Andrzej Wirth
László Marton
Claude Régy

Andy de Groat
Jean Cébron
Lawrence Rhodes
Nita Bieber

Hermann L. Gremliza
Lutz Lehmann
Werner Doyé
Ann Ladiges
Klaus Podak
Uwe Schlicht
Ulrike Gondorf
David Binder
Werner Theurich
Dieter Wild
Gerhard Weis
Peter Roebke-Doerr
Peter von Bechen
Wolfgang Back
Michael Born

William Greider
Michael Hartmann
Karl Heinz Ritschel
Walter Konrad
Frank Giles
William Davies

Gero Gandert
Peter Wollen
Jean Douchet
John Simon
Bob Dorian

Okwui Enwezor
Christoph Vitali
Werner Knopp
Alexander Koch
Georg Haber
Peter Pachnicke
Manfred Schneckenburger

Wander Bertoni
Tomi Ungerer

Robert Ryman
Dana Fradon
Howard Cruse
Richard Williams
Carlos Cruz-Diez
Philippe Vandevelde aka Tome
Milton Quon
Gloria Vanderbilt
Helmut Nickel
Wolfgang Lämmle
Eberhard Havekost
Michael Schoenholtz
Vaughan Oliver
John Giorno
Ingo Maurer
Axel Bertram
Eckhart Dietz
Gerd Jaeger
Claus Korch
Emanuel Ungaro

Sam Savage
György Konrád
Ágnes Heller
Miriam Pressler
Peter Hamm
Brigitte Kronauer
Hermann Graml
Vera Friedländer
Hanni Lévy
George Brady
George Sakheim
Leonie Ossowski
Ingomar von Kieseritzky
Günter Kunert
Gerlind Reinshagen
Kiran Nagarkar
Sven Lindqvist
Judith Kerr
Tony Morrison
Alasdair Gray
Edmund Morris
Ward Just
Peter Wells
John Burningham
Tom MacIntyre
Ciaran Carson
Andrea Camilleri
Christine de Rivoyre
Arno Gassmann
Brian Garfield
Rosamunde Pilcher
William E. Butterworth III aka W.E.B. Griffin
Diana Athill
Angelika Gundlach

Wolf-Dieter Narr
Nikolaus Lobkowicz
Rudolf Kučera
Peter Gerlich
Rainer Stadelmann
Harold Bloom
Susan Hiller
Norman Birnbaum
Nathan Glazer
Erik Olin Wright
Danny Cohen
Walter Munk
Thorsteinn Ingi Sigfusson
Schores Alfjorow
John Lukacs
Udo Schaefer
Anne Firor Scott
Leonard Dinnerstein
Peter Howard Selz
Douglas Crimp
Michel Serres
Peter Gorny
Carl Ludwug Fuchs
Martin L. Weitzman
Paul Volcker
Bernard Lietaer
Helmut Berding
Manfred Eigen
Wolfgang Frühwald
Walther Umstätter
Walter Koch
Alf Lüdtke
Dieter Welzel

Christopher Kraft
Owen K. Garriott
Sigmund Jähn
Alexei Leonow

George Lauer
Werner Buchholz
Tony Brooker
Randy Suess

Gustav Peichl
Wilhelm Holzbauer

David H. Koch
Don Valentine
John Bogle
Jeffrey Epstein
T. Boone Pickens
William Barron Hilton
Herb Kelleher
Marella Agnelli
Ferdinand Piëch
Hans Rausing
Hans Wall
Dieter Fuchs
Frieder Burda
Johannes Dietrich Hengstenberg
Mark Hurd
Frank Biondi
Michael Lynne
Mark Urman
Andy Gruenberg
Leonard Goldberg
Joseph Segel
Arthur Ryan
Lars Larsen
Friedrich Boyens

Theo Breidenbach
Philip H. Geier
Christian Köster

Gert Frederking
Monika Schoeller
Peter Meyer

Erhard Eppler
Manfred Stolpe
Susanne Neumann
Jacques Chirac
Li Peng
Robert M. Morgenthau
Ross Perot
Jack Thomas Brinkley
Harris Wofford
Moshe Arens
Robert Mugabe
Alan Garcia
Mohamed Mursi
Anatoli Iwanowitsch Lukjanow
Prem Tinsulanonda
Heinrich Lummer
Jörg Schönbohm
Walter Lübcke
Werner Müller
Klaus Kinkel
Anke Fuchs
Hans-Peter Uhl
Jimmy Schulz
Franz Bertele
Gebhardt von Moltke
Ernst-Wolfgang Böckenförde

Rudi Gutendorf
Rudi Assauer
Matti Nykänen
Peter McNamara
Heinz Fütterer

Fritz von Weizsäcker
Detlef Olaf Wolfgang Schlöndorff

Werner Gustav Doehner

Werner Clemens-Walter

Elisabeth Adenauer

+++

Berichtsstand: 31. Dezember 2018, 16.10 h

Die Jahreslisten der 2010er-Jahre (2010 – 2019) im Überblick: https://duskofdigital.wordpress.com/tag/abgange-und-verabschiedungen/

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Thomas Elsaesser

Mit Thomas Elsaesser muss ich mich nach Rudolf zur Lippe nun von einem zweiten meiner wichtigen Lehrer in diesem Kalenderjahr verabschieden.

Mein persönliches Verhältnis zu ihm war stets spannungsreich, zuletzt überworfen.

Zunächst einmal inhaltlich.

Seine „Last Public Words“, festgehalten auf „digital video“ aus dem Auditorium heraus, in Peking, bei Youtube am 5. Dezember 2019 veröffentlicht:

Link: https://www.youtube.com/watch?v=w3eDUXs4P_M

Fine Grain Intermediate Materialen?

Wetgate-Kopierung?

Oxberry?

Optische Bank?

Blow Up?

Die ehemalige Handwerkskunst der Filmkopierwerke?

Hat’s nie gegeben?

Medienwandel wischt alles weg?

Sieg des Stärkeren und vermeintlich Besseren über das Schwache, Alte und das kuratorisch zu Pflegende?

Mir scheint, hier redet jemand von „Medienarchäologie“ und „Filmgeschichte“, ohne die blasseste Ahnung von deren technisch-materiellen Voraussetzungen und Grundlagen im geschichtlichen Werden und der Entwicklung dieser Weltkunstform — und noch dazu ohne Ahnung von den eigenen Prädispositionen in der Grundhaltung, die zu solchen Aussagen führt.

Ich hatte seine reflektorisch-esayistischen Geistesblitze zu den Lebensdarstellungen der Filmkunst in seinen Vorträgen und Texten einst sehr genossen; strukturell war er dafür mit einer Merkur-Uranus-Konjunktion prädisponiert: Aus dem identifzierten und ausgesprochenen Detail einen einsichtsvollen Weltkosmos zu erschaffen, also aus dem Besonderen eines Filmwerks oder eines OEuvres dann das aller Allgemeinste stringent und universalgültig intuitiv schlussfolgern zu können. Diese Fabulierkunst als Talent und strukturelle Anlage wollte ausgebildet und geschliffen werden. Er hat sein Leben dafür eingesetzt.

Alles wäre im ästhetischen Urteil nichts, ohne seine ästhetische Sensibilität: Sonne 1° Krebs, die Empfindlichkeit an sich, Quadrat Neptun 29°19′ Jungfrau, spröde und werknah, mit jeweils Halbquadrat auf Löwe Venus | Nördlicher Mondknoten, im gewinnend-angenehmen Lebensgenuss. Das geht wohl schlecht zusammen, mußte aber, irgendwie.

Mitte der 1990er-Jahre am „Europäischen Institut des Kinosfilms“ in Karlsruhe, ZKM/HfG-nah, habe ich seine dunkle charakterliche Seite allerdings gleich auch sehr zu spüren bekommen. Er hat die dunkle Zeitqualität seiner Geburtszeit im Jahr 1943 für sein Leben mitbekommen, abbekommen und auf seine Weise gelebt: Pluto Quadrat Nessus mit Konjunktion Saturn | Asbolus im Halbquadrat dazwischen, mit zusätzlichem Quadrat auf Chaos. In dieses Aspektbild greift das Sextil von Saturn|Asbolus auf die Konjunktion von Mars | Sedna | Varuna in Widder aus. Er sammelte schon damals internationale Gastprofessuren wie andere Leute Briefmarken und war besessen davon, eine möglichst große Sammlung davon aufzubauen. Und wenn er etwas nicht so bekam, wie er es wollte, dann waren Pluto, Nessus und Saturn aktiviert und schließlich auch involviert. Er konnte hoch-manipulativ sein, um sein Ding zu bekommen. Ich hätte schon damals bei ihm den „Überlebenskampf des Besseren“ wittern und benennen können, so vertraut als Seelennatur kam dieser einem vor, als zweite deutsche Natur, als Deutscher mit seiner Geschichte. Dumm nur, dass David Bordwell bereits den Stil-Begriff für sich und die junge Filmwissenschaft in den USA reklamiert hatte. Plagiator wollte er, hoch-originell im Denken, nie sein. So dachte er eben drumherum.

Je älter ich werde, desto angenehmer wird mir David Thomson als ferner Lehrer mit seinen Buchveröffentlichungen. Elsaesser musste Deutschland in Richtung UK verlassen, um den Siegeszug als Mr. Filmwissenschaft worldwide in der Anschauung anderer anzutreten. Thomson ging von UK nach San Francisco, weil man dort gelassen bleiben kann und trotzdem von seinem sozialen Umfeld höchst inspiriert wird. Bei Thomson kann man im übrigen auch nachlesen, dass die Gründung der akademischen Disziplin Filmwissenschaft wie der Beginn desjenigen Mediums, das darin reflektiert werden sollte, Wesensähnlichkeiten zeigt: Es war keine Alleintat, sondern verschiedene Tendenzen auf verschiedenen Kontinenten hatten vielschichtige Player beim ersten Erkunden von (akademischen) Möglichkeiten, die sich dann stetig verdichteten und verschränkten. Das scheinen mir die bisher veröffentlichen Nachrufe auf Elsaesser etwas vergessen zu haben.

Häufige Inter-Kontinentalflüge in anderes Klima sind in höherem Alter keine gute Idee, wie Jürgen Zimmer diesen Sommer in Thailand leider auch erfahren musste. Allerdings hätte man sich einen nicht überall als Gastprofessor feiern lassen wollenden Thomas Elsaesser auch in hohem Alter nicht vorstellen können.

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akiwiwa – als Kino wichtig war | Podcast Folge 3 | Dezember 2019

akiwiwa – als Kino wichtig war…

Audio-Podcast von und mit
Kilian Mutschke und Joachim Polzer

This time audio podcast only:
akiwiwa – die Kino-Lautsprecher

Folge 3

Dezember 2019

Spieldauer: 94 Minuten


Thema dieser Folge:
Jahresrückblick 2019
auf Kinokultur und Filmkunst,
zugleich Dekadenrückblick auf die 2010er-Jahre,
Rückblick auf die ersten 20 % des 21. Jahrhundert
und auf 124 Jahre Kino, am Vorabend des 125. Jubiläums.


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Rudolf zur Lippe

Rudolf zur Lippe ist am 6. September 2019 gestorben, wie ich dem zwei Tage später, am 8. September, im Berliner Tagesspiegel online veröffentlichten und würdigen Nachruf von Hermann Rudolph entnahm. Und auch für mich plötzlich und unerwartet.

https://www.tagesspiegel.de/kultur/zum-tod-von-rudolf-zur-lippe-er-brachte-das-denken-zum-tanzen/24993316.html/

Seine Buchveröffentlichung Sinnenbewußtsein von 1987 war für mich in der Lektüre damals eine enorm prägende Erfahrung, für mich zeitlich gleich nach Moris Bermans The Reenchantment of the World (Cornell University Press, Ithaca NY 1981; dt. 1984, dt. TB 1985). Das waren in den 1980ern die Zeiten, wo man sich grundlegende Gedanken darüber machte, was falsch läuft und wie man es in den Tiefendimensionen (des Bewußtseins und der Sinnenwahrnehmung) ändern könnte. Als man „Erkennen“ wollte, statt nur noch „Verbieten“ zu wollen. Bermans „Reenchantment“ und RzLippes „Sinnenbewußtsein“ verweisen beide überdeutlich auf die überragende Bedeutung von Gregory Bateson im Bezug auf Erkenntnisprozesse.

Die einen nannten das „New Age“; der Rowohlt-Verlag nannte seine Taschenbuchreihe „transformation“. Das „Sinnenbewußtsein“ erschien damals in der Rowohlt-Reihe „Deutsche Enzyklopädie“ als einbändige Taschenbuch-Erstausgabe. Es liegt seit 2000 als zweibändige Hardcover-Ausgabe vor, wie vom Autor einst intendiert.

Ich war so fasziniert von Rudolf zur Lippes Texten und Bildern, dass ich mir ihn während meines Reise-studium-generale (damals, 1987/1988, mit dem „Tramper-Monats-Ticket“ der Deutschen Bundesbahn, zwischen Martin Greiffenhagen in Stuttgart, Robert Kudielka, Peter Simhandl sowie Hans Poser in Berlin und eben Rudolf zur Lippe in Oldenburg), ja, dass ich mir ihn einmal persönlich anschauen wollte, um zu sehen und mich durch Augenschein und Dabeisein davon zu überzeugen, ob seine Berichte von praktischen Universitätsübungen im „Sinnenbewußtsein“ auch tatsächlich und wirklich stimmten. Ich nahm an den damaligen Lehrveranstaltungen als studentischer Gasthörer teil. So kam ich in seinen Kreis der Privatissima, den „Kolloquien für selbständig denkende Menschen“, auch in der Residenz von RzL im Kloster Hude, wo ich mich an anschließende, lebhafte Gespräche mit Jan-Peter E.R. Sonntag erinnere. Durch den Einfluß von Ivan Illich auf den RzL-Kreis meine ich, mich auch an spätere Besuche von Bernhard Pörksen (oder Berichte davon) erinnern zu können. – Peter Gottwald war ebenfalls wesentlicher Teilnehmer des Hude’schen RzL-Kreises, der – mir sehr sympathisch als dortiger Lehrstuhlinhaber für Psychologie – sich sehr intensiv für eine Verwirklichung des „integralen Bewußtseins“ nach Jean Gebser einsetzte. Mit Gebsers Theoremen einer stufenweisen Bewußtseinsevolution konnte Rudolf zur Lippe damals jedoch so gar nichts anfangen, weil ihm das „zu pauschal“ war; er hatte seine Auffassung später vielleicht nochmals überdacht. Bei den Weisheitsmethoden der mythenbasierten Astrologie fand man bei ihm auch keinen Resonanzboden. – Jedenfalls war das Studienklima rund um den „Prinzenpark“ bei den Gebäuden der ehemaligen Pädagogischen Hochschule in Oldenburg ein hoch anregender Geistesraum, der neben den bereits genannten auch auf Arbeiten von Humberto Matorana, Hugo Kükelhaus und Viktor von Weizsäcker beruhte. So etwas hatte man in der deutschen Hochschullandschaft nicht oft, Oldenburg war darin ein Geistes-Unikat.

1989 drehte ich in Oldenburg an der Universität eine kurze Filmdokumentation über Franz Erhard Walther, der dort mit Standstellen (längliche Metallplatten im Boden zum Begehen und Draufstehen) „Kunst am Bau“ machen durfte und diese statt Vernissage persönlich vorführte und damit einweihte; RzL setzte den kunstphilosophischen Rahmen dazu. Reinhard Kahl war damals, stets auf der Suche nach Berichten über Reform-Pioniere der Bildung, mit Kamerateam auch öfters vor Ort.

Von Rudolf zur Lippes umfangreichem und mehrjährigem Projekt der „Karl Jaspers Vorlesungen zu Fragen der Zeit“ während der 1990er-Jahre erfuhr ich durch seine Berichte und aus den Medien. Ich hatte mich für ein reguläres Studium in Berlin entschieden. Nach seiner Emeritierung und seinem Umzug in die Dovestraße in Berlin-Charlottenburg im Jahr 2002 setzte sich der private Studienkreis eine Weile weiter fort. Ich hielt über die Jahrzehnte immer mal wieder brieflich-freundschaftlichen Kontakt mit ihm, zuletzt zu seinem 80. Geburtstag, als ich ihm einige Aufzeichnungen seiner Rundfunkvorträge aus meinem privaten „Schallarchiv“ zusandte. Mein Geburtstagsgruß kam mit Verspätung an, da ich von seinem Umzug in die Eisenacher Straße und den Nollendorfkiez erst durch seinen Dankesanruf erfuhr.

Energetisch hat er bei mir meine Venus angesprochen und getroffen (3° Krebs in 5) und zwar mit seinem fast gradgenauen Trigon von Mars (1° Skorpion) und Venus (2° Fische). Könnte nicht besser passen und so eine „dynamische Beziehungskomponente“ zieht unvermeidlich die Bezogenen an. Wäre da nicht (in der Synastrie, dem Energiefluß zwischen zweien) meine Sonne (5° Zwilling) auf seinem Orcus, mein Merkur (20° Zwilling) auf seinem Chiron und mein Mars (27° Widder) auf seinem Nessus. Da hält man dann doch entschieden Distanz und bleibt auch dort. Er war mir im Freundschaftlichen stets eine „Sie-Person“ geblieben.

Jetzt wird mir auch klar, dass ich manches bei ihm nicht wirklich so ganz verstanden habe: Wie also die gesuchte Leib-Geistigkeit des Za-Zen-Sitzens bei Karlfried Graf Dürckheim seit 1960 mit den SM-Praktiken und dem Leder-Fetisch zusammenhingen (man kann vieles als Kunst-Performance verkaufen) und witterte dann doch eher Verrat, dass das eine vorgegeben wurde, um das andere anständig betreiben zu können. Vielleicht war es auch nur eine Kompensation von der erdrückenden Steinbock-Ordentlichkeit; sanfter formuliert: eine Leidenschaft in der Passion. Oder aber Dürckheim war eine Möglichkeit, Masochismus auf hohem geistigen Niveau nicht nur zu erlernen, sondern damals bereits avangardistisch als Leibpraxis auch schon betreiben zu können. Vielleicht gibt es einfach auch beides nebeneinander, völlig undramatisch: Die japanische, leibbasierte Geistigkeit bei Dürckheim und den Mr. B. für den Sex-Spaß. Kurse unter dem Titel „SM und Zen: Schmerz, Durchlässigkeit, Hingabe“, wie bei der Berliner Veranstaltungsreihe „Xplore04“, anzubieten, schien mir doch zu sehr den kapitalistisch- merkantilen Tausch-Faktor der Körperlichkeit nicht nur in der schwulen Sexszene Berlins zu ignorieren und ihr dadurch quasi auch noch „höhere geistige Weihen“ verleihen zu wollen, also geradezu das Gegenteil von Leibarbeit zu sein. – Mir erschienen die Forschungen zu Trieb und Gesellschaft bei Michel Foucault damals jedenfalls plausibler; auch wenn Rudolf zur Lippes Praxis –, den Lebensgrund der mystischen All-Einheit als punktueller, transzendierender Raumzeit-Ursprung durch verschiedene Weisen und Methoden vielschichtig sensorisch erfahren zu können (also durch Leibarbeit, Tanz, Bewegung, Agilität, bildnerische Kunstübung, Zen oder SM) – diese Unterscheidung wahrscheinlich egal war. Vieles mag der „schwankende Lebensboden“ der Kinderheit und Jugend erklären helfen, biographisch gesehen.

Und auch beim Berliner „Humboldt-Forum“ waren wir beispielsweise komplett anderer Ansicht. Er schwärmte vom unbedingt notwendigen „Forum der Kulturen“ im Humboldtschen Geiste an zentraler Stätte in Berlin (das ich im grünen Dahlem viel besser aufgehoben sah, weil eben nicht im Brenn-Spot(t) des Hauptstadttreibens) und so sah ich die übliche Berliner Provinzposse der Kulturpolitik im Geiste und in der Antizipation kommen, die wir jetzt mit der neuen Stadtschloss-Simulation auch haben. Mit Staatsakten, wie dem heutigen zum 250. Geburtstag von Humboldt als repräsentatives Event im besagten Ort, wird das „voneinander und miteinander Lernen der Kulturen“ jedenfalls nicht beginnen. Dieses: „es muß schon was ordentlich Reputables sein“, wie vielleicht ein Kloster-Herrenhaus oder ein Palast-Schloss, hat mich denn eher befremdet, auch wenn seine Kunstpraxis von jeglichem Bombast befreit war. Insofern passte der Nobilitätsgrad des „Prinzen“ wirklich. Und wer kann ohne einen in der Nähe zu haben, heutzutage wirklich gut leben? Seine Jugendlichkeit und Frische, gerade im Alter, ließen in mir die Illusion wachsen, er werde immer da sein. Jetzt ist er nicht mehr da und wir werden weiter mit den Erfahrungen, die wir mit ihm machen durften, mit ihm in diesem Sinne weiterleben, in diesen Erfahrungen der Beziehungen der Bezüge des Lebens. Sein Thema: Wie lebt das Leben?

Wenn bei Rudolf zur Lippe etwas im Lebensalltag ins Rutschen zu drohen kam (wie vielleicht mal meine freundschaftliche Bitte um ein Empfehlungsschreiben; Reaktion: Orcus, Nessus, Chiron), konnte er eine Instanz der Korrektheit und ablehnenden Reputationsachtung sein (Fische-Saturn Opposition Jungfrau-Neptun mit Steinbock-Sonne im harmonischen Punkt, ziemlich gradgenau). Jetzt beim Überlauf von Neptun über Saturn und von Saturn über Sonne ist er gestorben. Während die Medien bei den Sterbezeit-Genossen Robert Frank und György Konrád sich mit Nachrufen geradezu überschlugen, war es bis auf den dankenswerten Obituary-Schnellschuss von Hermann Rudolph jetzt eine Woche wirklich fast still um ihn. RzL hat Stille erzeugt. Ich fand, dass es jetzt Zeit wäre, diese zu durchbrechen. Verzeihung, wenn ich damit auch wieder Orcus, Nessus und Chiron mit-ausgelöst haben mag. Er hat wichtige Gedankengänge und Methoden hinterlassen; diese sollen bleiben und wirken, gerade heute.

Was bleibt? Sein Sinnenbewußtsein. Bitte wieder lesen!

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https://www.spree-athen-ev.de/downloads/zum-gedenken-an-rudolf-prinz-zur-lippe.pdf

https://trauer.tagesspiegel.de/traueranzeige/rudolf-prinz-zur-lippe

https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2006/08/07/postproletarische-sinnerfullung/

https://uol.de/fk3/profil-und-struktur/prinzenpark
https://uol.de/kunst/prinzenpark

Reinhard Kahl, 1992, über die „Karl Jaspers Vorlesungen zu Fragen der Zeit“:
https://taz.de/!1661724/

https://www.nwzonline.de/oldenburg-kreis/bildung/hude-trauer-rudolf-zur-lippe-war-dem-kloster-eng-verbunden_a_50,5,3476944554.html

https://www.thueringer-allgemeine.de/regionen/erfurt/erinnerung-an-rudolf-zur-lippe-id227083905.html

Video-Interview mit Rudolf zur Lippe, 2010, Link: https://www.youtube.com/watch?v=HWeoPHPlbj0

https://www.presse.uni-oldenburg.de/mit/2019/299.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_zur_Lippe

Gereifter Blick auf Jean Gebsers Philosophie, anno 2009:
http://www.gewebewerk.silvia-klara-breitwieser.cultd.de/lippe/index.htm

Letzte Meldungen zum „Humboldt-Forum“ und deutscher Kulturpolitik:
https://taz.de/Notwendige-gegenseitige-Aufklaerung/!5631012/


Update 20. September 2019: Ergänzungen und Erweiterungen.
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