akiwiwa – als Kino wichtig war | Podcast Folge 2 | Frühjahr 2019

akiwiwa – als Kino wichtig war…

Video- und Audio-Podcast von und mit
Kilian Mutschke und Joachim Polzer

Folge 2

Frühjahr 2019

Spieldauer: 115 Minuten


Inhalt und Laufzeitangaben:

0:00:00 Begrüßung und Einleitung
0:00:42 Textchart Kurzinhalts-Übersicht

0:02:07 Erstes Hauptkapitel: 2018 – in Memoriam

0:02:07 Erinnerung an Nicolas Roeg
0:02:49 Erinnerung an Bernardo Bertolucci
0:13:41 Erinnerung an Milos Forman

0:17:04 Zweites Hauptkapitel: 2018 – 100 Jahre Ingmar Bergman

0:17:04 Besprechung: Wilde Erdbeeren (1957)

0:30:48 Drittes Hauptkapitel: 2018 – Die Film-Favoriten

0:30:58 Kilian Mutschkes Favoriten von 2018:
0:30:58 Besprechung: Hereditary (2018), Aster
0:36:16 Joachim Polzers Favoriten von 2018:
0:36:16 Besprechung: They’ll Love Me When I’m Dead (2018), Neville
0:36:16 Besprechung: The Other Side Of The Wind (2018), Welles

0:43:54 Viertes Hauptkapitel: 1961 – The Innocents

0:43:54 Besprechung: The Innocents (1961), Clayton

0:56:13 Ende des ersten Teils, Intermission
0:56:32 Beginn des zweiten Teils

0:56:51 Fünftes Hauptkapitel: 1941 / 1942 – Film noir
Beginn des Filmgenres

0:58:04 Besprechung: I Wake Up Screaming (1941), Humberstone, Fox

Topos: Aus den Schatten heraustretend: Low-Key Kinematographie
Topos: Kontrast in der Schwarzweiß-Kinematographie
Topos: Laird Cregar (1913 – 1944), Schauspieler

1:04:08 Besprechung: This Gun For Hire (1942), Tuttle, Paramount
aka: Die Narbenhand

Topos: Unebenheiten – Revue-Nummern und Gasmasken-Verwechslungen
Topos: Der Zweite Weltkrieg als Thema: Giftgas-Kapitalismus für Japan
Exkurs: Laird Cregar (1913 – 1944), Schauspieler
Topos: Traumpaare des Kinos – Alan Ladd & Veronica Lake

1:13:20 Besprechung: The Glass Key (1942), Heisler, Remake, Paramount

Topos: Traumpaare des Kinos – Alan Ladd & Veronica Lake
Topos: Sado-Masochismus im Film noir

1:21:43 Besprechung: Saboteur (1942), Hitchcock, Universal

Topos: Fritz Lang, Alfred Hitchcock & Film noir – Stil und Genre
Topos: Der unschuldige, falsch Beschuldigte
Topos: Die Niedertracht der höchsten Kreise der Gesellschaft
Topos: Der Zweite Weltkrieg als Thema: Rüstungsproduktion
Topos: Die Zirkuskarawanen-Sequenz – Groteske, Freaks und Spannung
Topos: Schwarzweiß-Kinematographie als Stilelement
Topos: 1942 Film noir – Ausentwicklung der beginnenden Genreansätze

1:26:51 Sechstes Hauptkapitel: Organe und Atomkraft
Filmwerke der 1970er- und 1980er-Jahre

1:27:13 Besprechung: Coma (1978), Crichton

Topos: Medizin-Industrie und Organbeschaffung als Geschäft
Topos: „Farbe Bekennen“ für Organspenden und Coma als Farbfilm
Topos: Slow-Burn-Dramaturgie
Topos: Gegenwartskino – Die „heißen Themen“ der Gegenwart
Topos: Michael Crichton (1942 – 2008), berufliche Inspirationen
Exkurs: Xerox Palo Alto Research Center, Xerox PARC

1:35:51 Besprechung: The China Syndrome (1979), James Bridges

Topos: Koinzidenz Filmerzählung und Wirklichkeit (Three Mile Island)
Topos: AKW-Unfälle als „heißes Eisen“ im Gegenwartskino
Topos: Jack Lemmon, Michael Douglas & Jane Fonda als Darsteller-Trio
Topos: Medienkritik am Nachrichtengeschäft im Kino der 1970er-Jahre
Topos: Easy-Talk Fernseh-Nachrichten als Showformat

1:41:30 Besprechung: Silkwood (1983); Nichols

Topos: MOX-Brennelemente-Produktion wie in der Pizzafabrik
Topos: Der Regisseur Mike Nichols (1931 – 2014)
Exkurs: Die Enkel setzen die Themen der Großväter fort: Gustav Landauer
Topos: Die Wurzeln des Anarchismus bei Mike Nichols
Topos: Die Schauspielleistung von Meryl Streep
Topos: Meryl Streep, Kurt Russell & Cher als Darsteller-Trio
Topos: Die Beiläufigkeit der lesbischen Beziehungen in der Filmerzählung

1:48:57 Endrunde – „die Zeit ist vorbei“
Die Zeitalter des Kinos:
Film noir der 1940er- und 1950er-Jahre
Der Aufbruch im Kino der 1960er- und 1970er-Jahre
Millenium im Kino: Kino in den 1990er- und Nuller-Jahren

1:51:50 Abspann, Endtitel, Credits
1:54:37 Ende


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Die Website des akiwiwa-Podcast:
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Diese Folge wurde am 06. Januar 2019 aufgezeichnet.
Die Erst-Veröffentlichung erfolgte am 16. März 2019.
Redaktionsschluss war der 15. März 2019.

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Offener Brief für Gideon Bachmann (1927 – 2016)

Gideon Bachmann

Die akademische E-zine LETTERE APERTE,
„als Beitrag zur Suche nach Sinn und Form der Italienforschung“,

https://www.lettereaperte.net/
https://www.lettereaperte.net/idee/idee

brachte in der kürzlich erschienenen Edition 5/2018 eine ausführliche Schwerpunkt-Ausgabe (auf 146 Seiten) zum Leben und Wirken von Gideon Bachmann, einem film-weltreisenden Kino-Publizisten bei Zeitungen, Zeitschriften, Radiostationen und sporadisch in eigenen Dokfilm-Arbeiten (zur New Yorker Avantgarde, zu Fellini).
Die einzelnen Beiträge dieser Ausgabe sind als pdf-Datei herunter ladbar. Der obige Fotolink stammt von dort.

Zugleich war Gideon Bachmann ein Dauerreisender und Dauerstammgast bei den Filmfestivals-der-Welt in der Multitude von Beschäftigung (bei PKs oder Moderationen), Projekt-Akquise (für ihn als Schreibenden und für seine in England lebende Ehefrau als Fotografin, was beide z.B. zu Schlöndorffs „Fälschung“ brachte) und dem ganz banalen Dabeisein-Wollen, am Ort, wo die Künstler und Regie-Maestros sich die ‚Klinke des Kinos‘ in die Hand geben. Mit seinen fließenden Siebensprachigkeit war das eine sehr spezielle Welt, für die er wie geschaffen schien.

Unter der Überschrift dieser LETTERE APERTE Ausgabe:

Ciao, Gideon!
Zur Erinnerung und kritischen Würdigung
Gideon Bachmanns und seines Werkes

finden sich sehr lesenswerte Texte, Fotos und Videolinks.

https://www.lettereaperte.net/ausgaben/ausgabe-52018/ciao-gideon-zur-erinnerung-und-kritischen-wurdigung-gideon-bachmanns-und-seines-werkes

Ich persönlich hätte ja noch eine etwas kritischere Würdigung begrüßt, so sei es nun eine  erste ausführliche Hommage in vielen Lebens- und Wirk-Aspekten und dies mit  akademischer Tiefensicht. Wobei zu sagen wäre: Die Verachtung zwischen dem Akademie-Leben (insbesondere der in den letzten Jahrzehnten aufgekommenen Film- und Medienwissenschaft) und ihm gegenseitiger Natur war.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gideon_Bachmann

Vielleicht sollte ich mein „verunglücktes Filmporträt“ über Gideon Bachmann, als wir beide Ende der 1990er-Jahre Gründungsmitarbeiter des kurzlebigen EIKK (Europäisches Institut des Kinofilms) in Karlsruhe waren und uns dort kennen lernten, das als Roh-Videomaterial in meinem Archiv liegt, doch noch einmal (und ganz besonders kritisch) durchschauen, um daraus möglicherweise einen experimentellen Rohschnitt zu probieren, gerade wenn man durch die jüngste LETTERE APERTE Ausgabe spüren kann, dass die von Gideon Bachmann hinterlassenen Spuren nun doch weiterreichender sind, als ich es bislang vermutete. Wer kannte schon Gideon Bachmann damals, außerhalb des Filmfestival-Zirkus-Circuits und einiger Bekannten, Freunde und Lebensgefährten, die seine persönlichen Spuren über die Jahre verfolgten?

Die Dreharbeiten zu meinem „verunglückten Filmproträt“ fanden Ende 1996 / Anfang 1997 kurz in Pordenone (beim Stummfilmfestival) und dann insbesondere in England statt, wo Gideon nach seiner römischen Zeit mit seiner Frau bis zu deren Tod lebte. Danach kam er, zunächst stark depressiv, nach Karlsruhe. Wir besuchten während der Dreharbeiten die Orte seines dort gelebten Lebens, insbesondere englischen Self-Storage-Lagerhäuser mit seinen Lebensartefakten. Dabei konnten wir auch die Audiokassetten mit den Interviews der Filmschaffenden (und seine Eisenbahnen) bergen, die nun in dieser Ausgabe von „lettere aperte“ ebenfalls besprochen werden.

Genau so gut wäre der film-weltreisende Gideon Bachmann, der die Nachkriegszeit bald zunächst in den USA verbrachte, freilich auch ein Forschungsgegenstand des deutsch-englisch-sprachigen Kulturraums, wie eben auch ein Gegenstand der Forschung zu erlittenen Traumata von Holocaust-Überlebenden und den Neurosen erzeugenden, notorischen Folgen bis in die Gegenwart hinein. Gideon konnte in seiner Gegenwart kein Schmatzen seines Gegenübers (mit Kaubonbons, z.B.) dulden. Der Übergang von akustophil zu akustophob war bei ihm extrem kurz. Begründet hat er dies mit seiner „Mikrophon-Hören-Sensibilität“, während er über Jahrzehnte mit einem Ton-Galgen Regisseuren bei Presseterminen zu Filmfestivals auflauschte (und dort mit „Fremdgeräuschen“ kämpfte, die andere gar nicht beim Hören wahrnahmen). Tatsächlich war er es, der mit seinen schlechten Manieren anderen bei ihren schlechten Manieren erwischte, sie zurecht wies – und so die Szene beherrschen konnte. Die Erfahrung, ein Flüchtender oder ein Flüchtlingskind zu sein (bei mir auf der anderen Seite der Geschichte), teilte ich mit ihm, was ‚Heimat‘ und stete Seßhaftigkeit stets zu einem schwierigen Topos macht.

Sein Geburtstag, an einem 18. Februar, ist im Jahreslauf ein wichtiger Punkt in meinem energetischen Jahreszyklus. Seine Sonne stand auf meinem AC, meine Mond-Uranus-Opposition spannte die erkenntnis-orientierte, inspirierte Neugier d’rauf. Schade, dass die schlechte, geomantische Energie von Karlsruhe, in räumlich direkter Nähe zur ehemaligen Rüstungsfabrik, so sehr dazwischenfunkte.

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Sleeping With Strangers

David Thomsons neue Buchveröffentlichung ist Anfang des Jahres unter dem Titel „Sleeping With Strangers: How the Movies Shaped Desire“ veröffentlicht worden. Die dort verhandelten Themen tauchten bereits in Andeutungen im Kino-Kosmos bei Thomson Texten häufiger auf, zuletzt beispielsweise das Verhältnis von Laurence Olivier zu Marlon Brando, seine Begehrlichkeiten, in „Why Acting Matters“ von 2015.

Hier nachfolgend einige Links zu Reaktionen auf „Sleeping With Strangers“.

In der aktuellen Buchumschau beim Criterion-Blog, von David Hudson, vom 7. März 2019, eine Übersicht:

https://www.criterion.com/current/posts/6229-march-books

Leseprobe aus dem Buch zu Lancaster/Curtis in „Sweet Smell of Success“ (1957) bei Lithub:

https://lithub.com/the-coded-queer-lives-of-a-hollywood-classic/

Peter Conrads euphorische Rezension für THE GUARDIAN, am 25. Februar 2019:

https://www.theguardian.com/books/2019/feb/25/sleeping-with-strangers-david-thomson-review-how-the-movies-shaped-desire

„Thomson, a stylist extraordinaire, has written an unaccountable and irresistible book.“ Daphne Merkings Rezension unter dem Titel „Sex and the Cinema: How Hollywood Shaped Desire“ in der New York Times, erschienen am 20. Februar 2019:

https://www.nytimes.com/2019/02/20/books/review/sleeping-with-strangers-david-thomson.html

Annalisa Quinn stellt in ihrer Rezension des Textes von David Thomson für die BESOZ-POST dann auch gleich feministische Geschichtsbereinigung und ebensolchen Revisonismus her, dass also die Kulturgeschichte vom Androzentrismus des Kinos nicht mehr wahr sein darf und dann auch nicht mehr so ausgesprochen, erzählt werden kann. Mit anderen Worten: In ihrer Verdammnis, Ihrem Verriss stellt Quinn also genau die Verhältnisse in ihrer aktuellen Dynamik her, deren Ursachen, Historizität und Entwicklungen Thomson beschreibt. Na, wenn das kein positiver Verriss ist, in anscheinend völliger Unkenntnis auf Seiten der Autorin ihre eigene Sache betreffend. Allerdings: So kommt man natürlich niemals zu „some fruitful androgyny“ als neuem, möglichen Geschlechterverhältnis.

https://www.washingtonpost.com/outlook/a-confused-critique-or-celebration-of-sex-in-hollywood/2019/03/01/bcfc4286-2662-11e9-ad53-824486280311_story.html

 

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Hans Günther Pflaum

Die Editionsarbeit an dem Blogposting „Abgänge und Verabschiedungen 2018“ nimmt kein Ende. Heute habe ich den am 19. Dezember 2018 verstorbenen Hans Günther Pflaum hinzufügen müssen, auch eine nachrichtliche Verspätungsfolge von Paywalls und Übermittlungsblockern zum Beispiel der mittlerweile nur noch mit spitzen Fingern anzufassenden „Süddeutschen Zeitung“. Tobias Kniebes Nachruf auf den nach Arbeitsjahren längsten Filmkritiker des damals ernst zu nehmenden Blattes scheint mir in seiner Kürze eher ein „bad joke“ zu sein. Ich frage mich, ob es sich dabei nicht auch um eine generelle Darstellung von Marginalisierungserscheinungen der Filmkritik in deutschen Tageszeitungs-Redaktionen handelt – oder ob es sich dabei gar um ein spätes Echo der verlagsinternen Auseinandersetzungen und Querelen um einen als widerspenstig, kantig und knorrig wahrgenommenen Journalistenkollegen handelt. Man kann es freilich auch als Pflichtübung über einen alten Kollegen auffassen, der „aus der Zeit gefallen schien“, weil er die Moden und Wellen der Zeiten nicht mitmachen wollte.

Hans Günter Pflaum war mir als Publizist deshalb wichtig, weil sein Werkstattbuch über RWF mit dem Titel „Das bißchen Realität, das ich brauche“ aus dem Jahre 1976 eines der ersten selbsterworbenen, deutschsprachigen Filmbücher war – in einer damals noch extrem kargen westdeutschen Filmpublizistik-Landschaft. Es ließ einen aus Erstsicht in die Produktionsverhältnisse des damals Jungen Deutschen Films Einblick nehmen. Heute stellt es ein zeithistorisches Dokument dar, wenn man beispielsweise nachlesen kann, wie ein mittlerer RWF-Film kalkuliert war. Mein zweites Filmbuch von 1977 war das Patalas-Buch als deutsche Ausgabe zu  Truffaut/Hitchcock „Wie haben Sie das gemacht?“. Auch Patalas ist letztes Jahr verstorben. Mein drittes Filmbuch war 1977 ein großformatiger, farbiger, schwerer Bildband über Disneys Werk und Leben. Damals gab es selbst bei Konrad Wittwer in Stuttgart vielleicht zehn Filmbücher im kombinierten Theater/Opern/Medien-Regal. Regal im Singular. Stuttgart war damals eine Peymann/Cranko-Stadt. Ein Jahr später, bei meiner ersten Reise nach London, konnte ich dann sehen, wie die englischsprachige Welt das Spektrum der Film-Publizistik bereits aufgefächert hatte. Jedenfalls war damals ein filmpublizistischer Aufbruch spürbar, auch die blaue „Reihe Film“ bei Carl Hanser kam auf. Peter W. Jansen war häufig im Fernsehen zu sehen und zu hören. Filmland Presse in München mit seinen Publikationslisten war für die damalige Weiterentwicklung der Filmpublizistik in Westdeutschland ein weiterer, wichtiger Mosaikstein.

Die zehn Jahre des von H.G. Pflaum herausgegebenen „Jahrbuch Film“ (1977 – 1986) brachten mir weitere, wichtige Erkenntnisse um die damals laufenden Auseinandersetzungen des Neuen Deutschen Films in einem insgesamt produktiven Umfeld. Ein heißes Eisen war damals der produktions-ästhetische Begriff des „Amphibischen Films“ mit dem damals auszuhandelnden FFF Film-Fernseh-Förder-Abkommen und der Filmpolitik rund um die noch relativ neue Filmförderungsanstalt. Aus FFF ist nun DFFF, Deutscher Filmförderfonds, geworden, als Zeichen der Zeitläufe. Rüdiger Suchsland hat jüngst im Deutschlandradio der deutschen Filmförderung „mafiöse Strukturen“ nachgesagt. Aus produktiven Zeiten werden unproduktive. Inzwischen wird offen ventiliert, die Filmfördergelder auf die Game-Instustrie mitaufzuteilen. Von der kulturell bedingten und der strukturell – durch den dysfunktionalen, föderalen Staatsaufbau – prädisponierten Unmöglichkeit, Film-Kunst in Deutschland als Kultur- statt als Warenform zu befreifen, davon handelten viele der Beiträge in Pflaums „Jahrbuch Film“-Reihe. Wenn man den heutigen Diskursstau auf seinen historischen „Straßenbelag“ hin überprüfen will, ist man gut beraten, seine Publikationen erneut in die Hand zu nehmen.

Pflaums Filmportrait über RWF aus dem Jahre 1992 zum 10. Todesjahr von Fassbinder unter dem paraphrasierenden Titel „Ich will nicht nur, dass ihr mich liebt“ versuchte dann bereits eine historisch-kritische Einordnung des Phänomens RWF.

In seinem Fernsehgespräch von 2012 im alpha-forum zeigte sich jedoch dann auch Pflaums Verbitterung, dass die große Kino-Zeit von 1965 bis 1982 eben irgendwann vorbei war. Und wenn man in jungen Lebensjahren gleich von intensiven Zeiten stark geprägt wurde, erscheint einem vieles danach nur noch sehr fad, wie der Wiener sagen würde. Mit der Marginalisierung von Kino-Kunst im Besonderen und des Kinos im Allgemeinen gilt es heute umzugehen. Daran werde ich erinnert, wenn ich an Hans Günther Pflaum zurückdenke. Zu einer publizistischen Zusammenarbeit mit ihm ist es bei mir leider nicht gekommen. Ich hätte gerne seine Auffassung zum „Aufstieg und Untergang des Tonfilms“ mit im Buchtitel gehabt, Irland und Geldverdienen war ihm wichtiger, wohl wahr. Wobei ich vom Temperament her Filmpublizisten im persönlichen Umgang wenig schätze, die jagen, angeln oder Skat spielen. Mir kommen solche Freizeitaktivitäten immer wie ein Verrat an der Kino-Sache selbst vor, halte sie für eine ausgeprägte Form von Spießigkeit. Rühmann und Karajan sind lieber selbst geflogen. Wenn ich an der frischen Luft sein will, gehe ich mit meinem Hund spazieren und entdecke dynamisch mit seinen Sinnen meine mir durch Alltagsroutine unspektakulär gewordene Umgebung komplett neu. Aber Horst Stern war dann eben auch ein anderes Kaliber.

Einige Links mit Würdigungen zu Hans Günther Pflaum (ohne Paywalls und Übertragungsblocker):

Wilhelm Roth bei epd-Film:
https://www.epd-film.de/meldungen/2019/erinnerungen-hans-guenther-pflaum

Rainer Gansera beim filmdienst:
https://www.filmdienst.de/artikel/15054/hans-gunther-pflaum-1941-19122018

Peter Kremski beim vdfk:
https://www.vdfk.de/erinnerung-an-hans-guenther-pflaum-1941-2018-1566

Die Transkription des Fernsehgesprächs beim alpha-forum vom 10.12.2012:
https://br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/hans-guenther-pflaum-gespraech-100~attachment.pdf

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akiwiwa at vimeo

Die zweite Folge unseres Video-Podcasts akiwiwa – als Kino wichtig war ist bereits Anfang Januar aufgenommen worden und befindet sich derzeit in der Postproduktion.

In der Zwischenzeit gibt es ab sofort eine zusätzliche akiwiwa-Präsenz bei Vimeo:

New Vimeo Channel
When Cinema Mattered
https://vimeo.com/channels/1435418

New Vimeo home section for akiwiwa
https://vimeo.com/akiwiwa

Additional Vimeo video page for
akiwiwa – als Kino wichtig war | Podcast Folge 1 | Sommer 2018
https://vimeo.com/312179175

akiwiwa video podcast main home section:
duskofdigital.wordpress.com/tag/akiwiwa/

akiwiwa podcast web site:
(still under construction)
akiwiwa.de/

akiwiwa podcast all episodes (video and audio)
including predecessor audio podcast DDD Diskurs Digitale Dämmerung
https://duskofdigital.wordpress.com/category/akiwiwa/

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Abgänge und Verabschiedungen 2018

Dem letzten Tag des Kalenderjahres obliegt es wieder, eine Liste der “Abgänge und Verabschiedungen” zu erstellen, sehr subjektiv nach Lieblingen und Liebhabereien, in ihrer eigenen un-alphabetisierten Ordnung, in ihren seltsamen Verkettungen und Assoziationen (des Lebens höchst-selbst) und mit ihren inhärenten, innewohnenden Prioritäten:

Bernardo Bertolucci

Nicholas Roeg

Milos Forman

Vittorio Taviani

Ermanno Olmi

Petr Weigl

Mrinal Sen

Claude Lanzmann

Klaus Wildenhahn
Marceline Loridan-Ivens
Perry Miller Adato
Al Reinert

William Goldman

Galt MacDermot

Enno Patalas
Hans Günther Pflaum
Annette Michelson

Hilmar Hoffmann

Theo Hinz
Werner Dütsch
Helmut Merker
Gunther Witte

Leopold Ahlsen
Manfred Gregor Dorfmeister

Ottokar Runze
Uwe Brandner
Jochen Senf

Lewis Gilbert

Frank Buxton
Audrey Wells
Yves Yersin
Palle Kjærulff-Schmidt
Matti Kassila
Angela Ricci Lucchi
Alexander Askoldow
Stanislaw Sergejewitsch Goworuchin
Oleg Pawlowitsch Tabakow
Ringo Lam
Lucian Pintilie

Paul G. Allen
John Perry Barlow

Peter Grünberg
Charles Kao
Lawrence Roberts
Leon Max Lederman
Frank Heart
Evelyn Berezin

Stephen Hawking

Paul Virilio

Daphne Sheldrick

Michael Harner

Hans Christoph Binswanger
Wolfgang Pohrt
Wolf Schluchter
Walter Laqueur
Hermann Glaser
Winfried Engler
Irenäus Eibl-Eibesfeldt
Peter Schellenbaum
Klaus Michael Meyer-Abich
Rolf Tiedemann
Wolfgang Zapf
Robert Spaemann
Klaus Herding
Irving Sandler

Philip Roth

Amos Oz

Neil Simon

Tom Wolfe

Ekkehart Krippendorff
Elmar Altvater
Reinhard Rürup
Michael Rutschky
Kurt Scheel
Sarah Haffner
Dieter Kunzelmann
Christoph Ludszuweit
„-ky“ Horst Bosetzky
„Pico“ Gerhard Janowski
Rainer Höynck
Bernd Philipp

Karl-Ernst Herrmann
Wilfried Minks
Heinrich Kraus
Maria Magdalena Ludewig
Alvin Epstein

Paul Taylor
Arthur Mitchell
Lindsay Kemp
Sono Osato
Nini Theilade
David Shepherd
Donald McKayle
Karin von Aroldingen

Richard H. Kline
Wolfgang Treu
Robby Müller
Ronnie Taylor
Witold Sobocinski

David Goldblatt
David Douglas Duncan
Max Desfor
Erich Lessing
Stefan Moses
Jean Mohr
Henry Wessel
Peter H. Fürst
Werner Braun
Ara Guler
Abbas Attar
Gérald Bloncourt
Polixeni Papapetrou

Geoff Emerick
Ulrich Illing

Achim Bergmann
Russ Solomon

Shinobu Hashimoto
Isao Takahata

Anne V. Coates
Richard Marks
Edward M. Abroms
Mark Livolsi
Angelika Gruber Schlöndorff

Francis Lai
Jóhann Jóhannsson

John Leonard Morris
Patrick Williams
Arthur B. Rubinstein

F. W. Bernstein
Robert Indiana
Antonio Dias
Jean Toche

Don Lusk
Bill Gold
Pablo Ferro
Art Paul
Hubert Riedel
Stan Lee
Steve Ditko
Bud Luckey
Robert Grossman

Terence Marsh
Michael D. Ford
Michael Edmund Seymour
Douglas Gridstaff
Ralph Koltai

Philip D’Antoni
Martin Bregman
Steven Bochco
Raymond Chow
Gary Kurtz
Gloria Katz
Arnold Kopelson
Craig Zadan
Will Vinton
Jill Messick
Raymond Danon
Bill Sellars
Benjamin Melniker
John D. F. Black
Paul Junger Witt
George S. Kaufman

Penny Marshall
Kazimierz Kutz
Gianfranco Parolini
Lucian Pintilie
Juraj Herz
Folco Quilici
Franco Rossetti
Kirk Simon
Bill Siegel

Ted Dabney
Colin Kroll
Thomas Eric McLuhan

Burt Reynolds

John Gavin

Tab Hunter
Bill Daily

Peter Wyngarde
Christopher Lawford

Siegfried Rauch

Wolfgang Völz
Rolf Hoppe
Rolf Zacher
Horst Rehberg
Ulrich Pleitgen
Helmut Stange
Matthias Kniesbeck
Sepp Strubel
Morten Grunwald
Peter Bosse

Margot Kidder

Barbara Harris
Sondra Locke
Celeste Yarnall
Pamela Gidley
Liz Fraser
Katherine MacGregor

Dorothy Malone
Patricia Morison
Laya Raki
Connie Sawyer
Patricia Morison
Nanette Fabray
Lassie Lou Ahern
Greta Thyssen
June Whitfield
Peggy McCay
Susan Anspach

Stéphane Audran
Genevieve Fontanel
Michele Carey
Sridevi Kapoor

Frank Adonis
Joseph Campanella
Clint Walker
Donald Moffat
Louis Zorich
Tim O’Connor
John Bluthal
John Mahoney
Philip Bosco
Jerry Maren
James Karen
Adrian Cronauer
Bradford Dillman
Scott Wilson
Gabriel Gascon
R. Lee Ermey
Reginald „Reg“ E. Cathey
„Mini-Me“ Verne Troyer
Ricky Jay
Robert „Bolla“ Kerman
David Ogden Stiers
Jerry van Dyke
Peter Masterson
Al Matthews

Dieter Schnebel
Arnold Maury
Oliver Knussen

Norman Gimbel

Hans Gerd Krogmann
Ferdinand Kriwet
Götz Fritsch

Jesús López Cobos
Gennadi Roschdestwenski
José Antonio Abreu
Claudio Scimone
Theodore Antoniou
Stefan Bevier
Enoch zu Guttenberg

Montserrat Caballé

Charles Aznavour

Aretha Franklin

France Gall

Nancy Wilson
Nancy Barbato Sinatra

Coco Schumann
Tomasz Stanko
Annapurna Devi
Didier Lockwood
Jochen Brauer

Wolfgang Michael „Woomy“ Schmidt

Joe Osborn
Calvin Newborn
Bob Bain
Gérard Jouannest
Joe Jackson

Dolores O’Riordan

„Avicii“ Tim Bergling
Demba Nabé
Kim Larsen
Ray Thomas
Marty Balin
Dennis Edwards
Danny Kirwan
„Fast“ Eddie Clarke

Edwin Hawkins
Cecil Taylor
Jon Hiseman
Sonny Fortune
Randy Weston
Arthur Eugene „Art“ Simmons
Jerry Gonzáles
Charles Neville
Hugh Masekela
Matt Murphy

Eddie Shaw
Christian Burchard
Mark E. Smith

Vic Damone
Roy Clark

Abi Ofarim
Jürgen Markus
Jürgen Jürgens
Dieter Thomas Heck
Ingo Insterburg
Daniel Küblböck
Holger Biege
Julia Edenhofer
Lys Assia
Inge Borkh
Ulla Norden

Heinz Freitag

Christian Rode
Sebastian Fischer
Egon Hoegen
Douglas Rain
Hans-Jürgen Wolf
Horst Schulze

Edith Teichmann
Hille Darjes
Marie Gruber
Maria Körber

Carl Weiss
Dagobert Lindlau
Wilfried Scharnagl
Fides Krause-Brewer
Wolf-Dietrich Stahnke

Robert Parry

Robert Basic
Michael Wilde
William Blum

Thomas Löffelholz
Franz Oexle
Thomas Leif
Günter Radtke

Hermann Fünfgeld
Wolfgang Haus
Harald Brand
Horst Buckwitz
Michael Schmetz
Jürgen Heuer
Uli Baur

Friedrich Moll
Bernd Müller
Martin Haas
Stefanie Tücking
Angelica Blechschmidt

Johann Georg Reißmüller
Johannes Alfons „Hans A.“ Nikel
Wilhelm Sandmann
Peter Preston
Ian Aitken
Robin Leach
Nicholas von Hoffman

Philipp Jenninger
Herbert Ehrenberg
Elmar Pieroth

Ulrich Wegener
Horst Herold
Harald Range
Erardo Cristoforo Rautenberg

Georg von Tiesenhausen
John Young
Alan Bean

Billy Graham
Larry Harvey

Kofi Annan
John McCain
George H. W. Bush
Barbara Bush
Stansfield Turner
Walentin Michalowitsch Falin
David Poindexter
Phan Van Khai
Guðjón Arnar Kristjánsson
Winnie Mandela
Lord Carrington
Paddy Ashdown
Ruud Lubbers
Wim Kok

Ajayan
V.S. Naipaul
Kuldip Nayar
Buddhadev Das Gupta
Tulsi Ramsay
Saidul Anam Tutul
Kader Khan

Kardinal Karl Lehmann

Hans Günter Winkler
Josef Adamec

Joachim Rønneberg
Oskar Gröning

Ingvar Kamprad
Kazuo Kashio
David Edgerton
Klaus Birkel
Helmut Maucher
Erivan Haub
Alfred Bader
Axel Hilpert
Georg Funke

Paul Bocuse
Anthony Bourdain
Gerald Uhlig

Helmut Sinn
Sonja Bata
Trevor Baylis

Robert Venturi
Roland Ostertag

Hubert de Givenchy
Kate Spade

Günther Gottmann

Rolf Budde
Inge Schönthal-Feltrinelli

Giuliano Cenci
Peter Mayle

Ursula K. Le Guin
Harlan Ellison
Larry Eisenberg

Paulus Böhmer
Wilson Harris

Jan Stressenreuter
Bob Smith
Mark Salling

Dieter Wellershoff
Edgar Hilsenrath
Christine Nöstlinger
Wilhelm Genazino
Dieter Lattmann
Jürgen Manthey
Jürg Laederach
Uri Avnery
Aharon Appelfeld

+++

Die Listen der 2010er-Jahre im Überblick:
https://duskofdigital.wordpress.com/tag/abgange-und-verabschiedungen/

Berichtsstand: 31. Dezember 2018, 21.11 h
Update: 1. Januar 2019; Horst Schulze, Hans A. Nikel und Kader Khan hinzugefügt.
Update: 2. Januar 2019; Julia Edenhofer hinzugefügt.
Update: 7. Janaur 2019; Richard Marks, Al Reinert, Maria Magdalena Ludewig hinzugefügt.
Update: 13. Janaur 2019; Angelika Gruber Schlöndorff hinzugefügt.
Update: 15. Januar 2019: Laya Raki hinzugefügt.
Update: 04. Februar 2019: Namenskorrektur Christine Nöstlinger
Update: 17. Februar 2019: Hans Günther Pflaum hinzugefügt.

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Weltpremiere vor 25 Jahren: SCHINDLER’S LIST kehrt zurück

Gastbeitrag von Jean Pierre Gutzeit

Roman Polanski und Billy Wilder wurde der Titel angeboten, Wilder lehnte aus Altersgründen ab, unterhielt sich aber mit Steven Spielberg, der soeben die Rechte erworben hatte, über den Stoff. Letztlich entstand dabei Spielbergs bester Film, der zuvor mit JAWS, DUELL, 1941 oder INDIANA JONES leicht verdauliche Rummelplatz-
Unterhaltung ablieferte und wie George Lucas Genre-Versatzstücke und Comics plagiierte. Der zur fast gleichen Zeit mit ARYAN PAPERS beschäftigte Stanley Kubrick soll am Thema verzweifelt sein und fand nicht mehr die Kraft zur Umsetzung. Auf SCHINDLER’S LIST angesprochen, stellte Kubrick, zitiert nach seinem Biografen Frederic Raphael, das Unterfangen infrage: „Ist Schindlers Liste ein Film über den Holocaust? Nein, ein Film über den Erfolg!“ -> “Think that’s about the Holocaust? That was about success, wasn’t it? The Holocaust is about six million people who get killed. `Schindler’s List’ is about 600 who don’t. Anything else?” (Vermutung: Es gelingt dem deutschen Fabrikanten Schindler in der NS-Zeit auf fast märchenhaft-geglückt anmutende Weise, zugleich unter Lebensgefahr für sich und die Angehörigen, jüdische Verfolgte als Produktionsmitarbeiter von Verschleppungen abzuzweigen und in die Nachkriegszeit hinüberzuretten, weil er sie als für die Rüstungsindustrie relevant deklarierte. Ein Sonderfall in anbetracht der buchhalterisch-lückenlosen Erfassung von Sinti, Roma, Juden, Homosexuellen und politischen Abweichlern zwecks Überführung in die kontinentaleuropaweit verteilten Konzentrationslager zu dem Zweck, sich dort zu Tode zu arbeiten oder millionenfach in Massenverbrennungen respektive als Rohstoff für Seife zu enden.)

Als der Film anlief, wurde er tatsächlich zu einem kommerziellen Erfolg, und das ist durchaus als gesellschaftlicher Erfolg in Anbetracht uns noch heute täglich begegnender Haltungen des Wegsehens bei politischen Krisen zu werten. Unzählige Schulklassen sahen SCHINDLERS LISTE, und der Film löste in Deutschland Diskussionen zur Vergangenheit wie 15 Jahre zuvor bereits die US-TV-Serie HOLOCAUST (mit Meryl Streep) aus.

Kameramann Janusz Kaminski, gebürtiger Pole, verfügte über herausragende Kenntnisse zum Schwarzweissfilm und unterrichtete später auch an Filmhochschulen zu diesem Thema. (Tatsächlich waren es seine genialen Landsleute, die in den 1950er-Jahren das Großkopierwerk Mosaik-Studios in Berlin erst in die Geheimnisse der Schwarzweiß-
Kopierung einweihten.) Unmengen in Berlin entwickelte Tests mit variantenreichen Farbtafeln zu jeder Szene von SCHINDLER’S LIST huldigten einer Bildkunst der Filmgeschichte, die schon als ausgestorben galt. Bedeutsam die Szene mit Helen Hirsh (im Realleben mit anderem Namen vertreten: http://www.spiegel.de/sptv/themenabend/a-228446.html ), die als junge Haussklavin vom KZ-Kommandanten Amon Göth im Keller untergebracht wird (von ihm gehaßt, aber als Plot-Erfindung Spielbergs auch geliebt): Kaminski wünschte nach einem Dutzend Tests mit unterschiedlichsten Farbtafeln die Lippen der Film-Darstellerin zu verdeutlichen: eine Stilisierung des Lebens und der Verführung in Schwarzweiss.

Arri Contrast in Berlin-Ruhleben wurde von Herrn Spielberg schießlich nach hundertfach weltweit verschickten Negativ-Proben als Kopierwerk erwählt, das die hohe Kunst der Schwarzweiß-Entwicklung am vorzüglichsten beherrschte. Der Regisseur sah sich auch bei Serien-Filmkopien verschiedene Schwarzweissmaterialien an: einerseits von Agfa Gevaert (als zu flach und schlecht verworfen) oder von Orwo (Material, das ihm vom Look her gefiel, das aber projektionstechnisch Probleme bereitete, auch in USA, was er zutiefst bedauerte). Der Grund: zu unterschiedliche Güsse bei Orwo mit unterschiedlichen Wölbungstendenzen waren trotz guter Trocknung nicht vermeidbar. Für Deutschland wurden dennoch drei Orwo-Kopien gezogen – sie sind dann bei der Projektion rasch ausgetrocknet und vorzeitig verschlissen. Kodak-Material stand 1993 nur noch vermindert zur Verfügung und mußte allein für den deutschen Filmstart aus ganz Europa zusammengepfiffen werden. Auch eine Farbfilmentwicklungsmaschine wurde in Berlin-
Ruhleben für die Schwarzweiss-Positiventwicklung umgebaut. Ein Drittel der Gesamtauflage des 35mm-Starts wurden somit auf Kodak-Schwarzweiss-
Printmaterial kopiert (mit ein paar Inserts auf Farbfilm, die vor schwarzweissem Grund ein dem Tode geweihtes kleines Mädchen zeigen, das mit einem roten Kleid hervorgehoben wird – aufgrund von Ausbelichtungsmängeln fällt diese Szene leider technisch heraus, dabei etwas „schwammig“ wirkend). Das Kopienmanagement erfolgte unter anderem seitens Randolf Schm., dem technisch Verantwortlichen des Kinoverleihs United International Pictures in Absprache mit Manfred W. (Kopierwerksinhaber in Berlin), Letzterer wiederum in Absprache mit Spielberg, nicht zuletzt in Krakau.

Ein Debakel ereignete sich dann im von Joachim Flebbe betriebenen Premierenkino „Filmpalast Berlin“ am Kurfürstendamm (heute „Astor Filmlounge“), als die auf Triazetat-Material limitiert auf Schmitzer naß kopierte 35mm-Spezialkopie (die meisten anderen Kopien wurden vom Farbintermediate gezogen) auf dem Philips DP70-Projektor schon auf der Pressevorführung im Erstdurchlauf zerschellte. Pannen, die sich in späteren Jahren häuften. Der sogenannte Andruck der Spannbänder war auf Anschlag gestellt, und die Schaltrolle zerriss die Perforation des kompletten Films. Später und auch in anderen Kinos zum Serienstart wurden sogar DTS-Discs verwechselt, und statt SCHINDLER’S LIST hörte man den Ton von JURASSIC PARK. (Zu dieser Zeit war noch kein Freigabe-Code auf DTS enthalten, der einen Filmstart nur mit dem zugeordneten Film zuließ).

Die Blu ray-Disc hat die besten Eigenschaften der damals von Arri Contrast hergestellten Arbeitskopie auf heutigen Medien übernommen, wobei gerade auch die Feinheiten von Tri-X und Double-X Schwarzweiss-Negativfilm gut hervortreten. Qualitäten, die sich einer 35mm-Direktkopie vom Originalnegativ annähern konnten. Für die in Kürze erscheinende 4K-Version hat Spielberg nun erneut auf dieselbe 35mm-Arbeitskopie zurückgegriffen und sich vor wenigen Tagen beim damaligen Kopierwerksbetreiber für „herausragende Leistungen“ bedankt. Nach einem Vierteljahrhundert eine nicht überall gepflegte Form der Anerkennung und des Respekts vor dem Einfluß der Filmkopierwerke auf das Endprodukt. Sollten sich hoffentlich keine Fehler bei der HDR-Anwendung ereignen, könnte die UHD-Disc oder das 4K DCP nicht anders aussehen als die Blu ray-Disc, denn bei geringsten Abweichungen der Gradation käme es zu einem Kippen der Abstimmungen, und die Balance bräche in sich zusammen. (© Jean Pierre Gutzeit)

 

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