Rudolf zur Lippe

Rudolf zur Lippe ist am 6. September 2019 gestorben, wie ich dem zwei Tage später, am 8. September, im Berliner Tagesspiegel online veröffentlichten und würdigen Nachruf von Hermann Rudolph entnahm. Und auch für mich plötzlich und unerwartet.

https://www.tagesspiegel.de/kultur/zum-tod-von-rudolf-zur-lippe-er-brachte-das-denken-zum-tanzen/24993316.html/

Seine Buchveröffentlichung Sinnenbewußtsein von 1987 war für mich in der Lektüre damals eine enorm prägende Erfahrung, für mich zeitlich gleich nach Moris Bermans The Reenchantment of the World (Cornell University Press, Ithaca NY 1981; dt. 1984, dt. TB 1985). Das waren in den 1980ern die Zeiten, wo man sich grundlegende Gedanken darüber machte, was falsch läuft und wie man es in den Tiefendimensionen (des Bewußtseins und der Sinnenwahrnehmung) ändern könnte. Als man „Erkennen“ wollte, statt nur noch „Verbieten“ zu wollen.

Die einen nannten das „New Age“; der Rowohlt-Verlag nannte seine Taschenbuchreihe „transformation“. Das „Sinnenbewußtsein“ erschien damals in der Rowohlt-Reihe „Deutsche Enzyklopädie“ als einbändige Taschenbuch-Erstausgabe. Es liegt seit 2000 als zweibändige Hardcover-Ausgabe vor, wie vom Autor einst intendiert.

Ich war so fasziniert von Rudolf zur Lippes Texten und Bildern, dass ich mir ihn während meines Reise-studium-generale (damals, 1987/1988, mit dem „Tramper-Monats-Ticket“ der Deutschen Bundesbahn, zwischen Martin Greiffenhagen in Stuttgart, Robert Kudielka, Peter Simhandl sowie Hans Poser in Berlin und eben Rudolf zur Lippe in Oldenburg), ja, dass ich mir ihn einmal persönlich anschauen wollte, um zu sehen und mich durch Augenschein und Dabeisein davon zu überzeugen, ob seine Berichte von praktischen Universitätsübungen im „Sinnenbewußtsein“ auch tatsächlich und wirklich stimmten. Ich nahm an den damaligen Lehrveranstaltungen als studentischer Gasthörer teil. So kam ich in seinen Kreis der Privatissima, auch in der Residenz von RzL im Kloster Hude, wo ich mich an anschließende, lebhafte Gespräche mit Jan-Peter E.R. Sonntag erinnere. Durch den Einfluß von Ivan Illich auf den RzL-Kreis meine ich, mich auch an Besuche und Teilnahmen von Bernhard Pörksen erinnern zu können. – Peter Gottwald war ebenfalls wesentlicher Teilnehmer des Hude’schen RzL-Kreises, der – mir sehr sympathisch als dortiger Lehrstuhlinhaber für Psychologie – sich sehr intensiv für eine Verwirklichung des „integralen Bewußtseins“ nach Jean Gebser einsetzte. Mit Gebsers Theoremen einer stufenweisen Bewußtseinsevolution, in die man durch Bermans „Wiederverzauberung“-Publikation kompakt eingeführt werden kann, konnte Rudolf zur Lippe jedoch so gar nichts anfangen, weil ihm das „zu pauschal“ war. Bei den Weisheitsmethoden der mythenbasierten Astrologie fand man bei ihm auch keinen Resonanzboden. – Jedenfalls war das Studienklima rund um den „Prinzenpark“ bei den Gebäuden der ehemaligen Pädagogischen Hochschule in Oldenburg ein hoch anregender Geistesraum, der neben den bereits genannten auch auf Arbeiten von Humberto Mantorana, Hugo Kükelhaus und Viktor von Weizsäcker beruhte. So etwas hatte man in der deutschen Hochschullandschaft nicht oft, Oldenburg war darin ein Geistes-Unikat.

1989 drehte ich in Oldenburg an der Universität eine kurze Filmdokumentation über Franz Erhard Walther, der dort mit Standstellen (längliche Metallplatten im Boden zum Begehen und Draufstehen) „Kunst am Bau“ machen durfte und diese statt Vernissage persönlich vorführte und damit einweihte; RzL setzte den kunstphilosophischen Rahmen dazu. Reinhard Kahl war damals, stets auf der Suche nach Berichten über Reform-Pioniere der Bildung, mit Kamerateam auch öfters vor Ort.

Von Rudolf zur Lippes umfangreichem und mehrjährigem Projekt der „Karl Jaspers Vorlesungen zu Fragen der Zeit“ während der 1990er-Jahre erfuhr ich durch seine Berichte und aus den Medien. Ich hatte mich für ein reguläres Studium in Berlin entschieden. Nach seiner Emeritierung und seinem Umzug in die Dovestraße in Berlin-Charlottenburg im Jahr 2002 setzte sich der private Studienkreis eine Weile weiter fort. Ich hielt über die Jahrzehnte immer mal wieder brieflich-freundschaftlichen Kontakt mit ihm, zuletzt zu seinem 80. Geburtstag, als ich ihm einige Aufzeichnungen seiner Rundfunkvorträge aus meinem privaten „Schallarchiv“ zusandte. Mein Geburtstagsgruß kam mit Verspätung an, da ich von seinem Umzug in die Eisenacher Straße und den Nollendorfkiez erst durch seinen Dankesanruf erfuhr.

Energetisch hat er bei mir meine Venus angesprochen und getroffen (3° Krebs in 5) und zwar mit seinem fast gradgenauen Trigon von Mars (1° Skorpion) und Venus (2° Fische). Könnte nicht besser passen und so eine „dynamische Beziehungskomponente“ zieht unvermeidlich die Bezogenen an. Wäre da nicht (in der Synastrie, dem Energiefluß zwischen zweien) meine Sonne (5° Zwilling) auf seinem Orcus, mein Merkur (20° Zwilling) auf seinem Chiron und mein Mars (27° Widder) auf seinem Nessus. Da hält man dann doch entschieden Distanz und bleibt auch dort. Er war mir im Freundschaftlichen stets eine „Sie-Person“ geblieben.

Jetzt wird mir auch klar, dass ich manches bei ihm nicht wirklich so ganz verstanden habe: Wie also die gesuchte Leib-Geistigkeit des Za-Zen-Sitzens bei Karlfried Graf Dürckheim seit 1960 mit den SM-Praktiken und dem Leder-Fetisch zusammenhingen (man kann vieles als Kunst-Performance verkaufen) und witterte dann doch eher Verrat, dass das eine vorgegeben wurde, um das andere anständig betreiben zu können. Vielleicht war es auch nur eine Kompensation von der erdrückenden Steinbock-Ordentlichkeit; sanfter formuliert: eine Leidenschaft in der Passion. Oder aber Dürckheim war eine Möglichkeit, Masochismus auf hohem geistigen Niveau nicht nur zu erlernen, sondern damals bereits avangardistisch als Leibpraxis auch schon betreiben zu können. Vielleicht gibt es einfach auch beides nebeneinander, völlig undramatisch: Die japanische, leibbasierte Geistigkeit bei Dürckheim und den Mr. B. für den Sex-Spaß. Kurse unter dem Titel „SM und Zen: Schmerz, Durchlässigkeit, Hingabe“, wie bei der Berliner Veranstaltungsreihe „Xplore04“, anzubieten, schien mir doch zu sehr den kapitalistischen Merkantilitäts-Tausch-Faktor der Körperlichkeit nicht nur in der schwulen Sexszene Berlins zu ignorieren und ihr dadurch quasi auch noch „höhere geistige Weihen“ verleihen zu wollen, also geradezu das Gegenteil von Leibarbeit zu sein. – Mir erschienen die Forschungen zu Trieb und Gesellschaft bei Michel Foucault damals jedenfalls plausibler. Vieles wird der „schwankende Lebensboden“ der Kinderheit und Jugend erklären helfen, biographisch gesehen.

Und auch beim Berliner „Humboldt-Forum“ waren wir beispielsweise komplett anderer Ansicht. Er schwärmte vom unbedingt notwendigen „Forum der Kulturen“ im Humboldtschen Geiste an zentraler Stätte in Berlin (das ich im grünen Dahlem viel besser aufgehoben sah, weil eben nicht im Brenn-Spot(t) des Hauptstadttreibens) und so sah ich die übliche Berliner Provinzposse der Kulturpolitik im Geiste und in der Antizipation kommen, die wir jetzt mit der neuen Stadtschloss-Simulation auch haben. Mit Staatsakten, wie dem heutigen zum 250. Geburtstag von Humboldt als repräsentatives Event im besagten Ort, wird das „voneinander und miteinander Lernen der Kulturen“ jedenfalls nicht beginnen. Dieses: „es muß schon was ordentlich Reputables sein“, wie vielleicht ein Kloster-Herrenhaus oder ein Palast-Schloss, hat mich denn eher befremdet, auch wenn seine Kunstpraxis von jeglichem Bombast befreit war. Insofern passte der Nobilitätsgrad des „Prinzen“ wirklich. Und wer kann ohne einen in der Nähe zu haben, heutzutage wirklich gut leben? Seine Jugendlichkeit und Frische, gerade im Alter, ließen in mir die Illusion wachsen, er werde immer da sein. Jetzt ist er nicht mehr da und wir werden weiter mit den Erfahrungen, die wir mit ihm machen durften, mit ihm in diesem Sinne weiterleben, in diesen Erfahrungen der Beziehungen der Bezüge des Lebens. Sein Thema: Wie lebt das Leben?

Wenn bei Rudolf zur Lippe etwas im Lebensalltag ins Rutschen zu drohen kam (wie vielleicht mal meine freundschaftliche Bitte um ein Empfehlungsschreiben; Reaktion: Orcus, Nessus, Chiron), konnte er eine Instanz der Korrektheit und ablehnenden Reputationsachtung sein (Fische-Saturn Opposition Jungfrau-Neptun mit Steinbock-Sonne im harmonischen Punkt, ziemlich gradgenau). Jetzt beim Überlauf von Neptun über Saturn und von Saturn über Sonne ist er gestorben. Während die Medien bei den Sterbezeit-Genossen Robert Frank und György Konrád sich mit Nachrufen geradezu überschlugen, war es bis auf den dankenswerten Obituary-Schnellschuss von Hermann Rudolph jetzt eine Woche wirklich fast still um ihn. RzL hat Stille erzeugt. Ich fand, dass es jetzt Zeit wäre, diese zu durchbrechen. Verzeihung, wenn ich damit auch wieder Orcus, Nessus und Chiron mit-ausgelöst haben mag. Er hat wichtige Gedankengänge und Methoden hinterlassen; diese sollen bleiben und wirken, gerade heute.

Was bleibt? Sein Sinnenbewußtsein. Bitte wieder lesen!

+++

https://www.spree-athen-ev.de/downloads/zum-gedenken-an-rudolf-prinz-zur-lippe.pdf

https://trauer.tagesspiegel.de/traueranzeige/rudolf-prinz-zur-lippe

https://blogs.taz.de/hausmeisterblog/2006/08/07/postproletarische-sinnerfullung/

https://uol.de/fk3/profil-und-struktur/prinzenpark
https://uol.de/kunst/prinzenpark

Reinhard Kahl, 1992, über die „Karl Jaspers Vorlesungen zu Fragen der Zeit“:
https://taz.de/!1661724/

https://www.nwzonline.de/oldenburg-kreis/bildung/hude-trauer-rudolf-zur-lippe-war-dem-kloster-eng-verbunden_a_50,5,3476944554.html

https://www.thueringer-allgemeine.de/regionen/erfurt/erinnerung-an-rudolf-zur-lippe-id227083905.html

Video-Interview mit Rudolf zur Lippe, 2010, Link: https://www.youtube.com/watch?v=HWeoPHPlbj0

https://www.presse.uni-oldenburg.de/mit/2019/299.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_zur_Lippe


Update 20. September 2019: Ergänzungen und Erweiterungen.

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„Caprice“ von Frank Tashlin aus dem Jahre 1967 mit Doris Day

Ich habe heute zum ersten Mal Caprice gesehen, 1967 herausgebracht, in der Regie von Frank Tashlin (1913 – 1972), mit Doris Day († 13. Mai 2019) und Richard Harris († 2002) in den Hauptrollen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Caprice_(Film)

Ich muß gestehen, ich kannte den bislang noch nicht – und erkenne erst jetzt, dass das Film-Duo aus Charade (1963) und Arabesque (1967) von Stanley Donen († 21. Februar 2019) hier zum Trio erweitert wurde, ein Follow-Up von Tashlin zu und gedreht nach Glass Bottom Boat (1966), zielt sowohl auf Donen als auch auf die damals noch frische aber boomende James-Bond-Serie mit ihren demonstrativ vorgeführten Schauplatz-Wechseln. Herr Bogner mit Skiszenen und das Schweizer Kleinstadtidyll mit Hinterzimmerlabor lassen ebenfalls grüßen.

Schon im Filmtitel als beschreibendes Substantiv verbindet Caprice sich mit Charade und  Arabesque, eine jeweils substantivierte, ästhetische Handlungsform.

Wikipedia sagt zu Cappriccio: „Als Begriff der Kunsttheorie bezeichnet es den absichtlichen, lustvollen Regelverstoß, die phantasievolle, spielerische Überschreitung der akademischen Normen, ohne die Norm außer Kraft zu setzen. In die Kunstgeschichte führte den Begriff Giorgio Vasari ein, der ihn für all das verwendete, was dem Kunstkanon seiner Zeit widersprach.“

Insofern passt der Titel mit seinem Triple-Triple-Triple Double-Cross auch inhaltlich. Nicht nur lag Triple Cross in der Luft, die Verfilmung in der Regie von Terence Young mit Romy Schneider aus dem Jahr 1966. Das mehrfache Frontenüberschreiten war damals in der Hochphase des Kalten Kriegs ein Topos, der nur zu gerne filmisch ausgekostet wurde. Es trainierte im Kino mental sozusagen für das, was jenseits von 1968 gesellschaftlich dann sich vollzog. Das ist etwas, das uns heute fehlt, weil uns das Kino als gesellschaftliche Macht und als Diskursraum der Gesellschaft abhanden gekommen ist, auch wenn es als Absatzmarkt noch da sein mag. Uns geht es heute gesellschaftlich deshalb so schlecht, weil uns das Kino in diesem Sinne abhanden gekommen ist. Es gibt keinen in diesem Sinne sinnstiftend übergreifenden wie welterklärenden-integrativen Diskursraum mehr.  Talkshows und Blogs sind dafür keine Lösung.

Frau Saubermann kam damals, anno 1967, langsam in die Jahre, die Jahre nämlich der so genannten „sexuellen Befreiung“, really, fast schon zum Ende ihrer Spielfilmkarriere, die in den 1960ern ja gerade eben noch auf Hochtouren lief. Man sieht hier, wie sie langsam auf der Leinwand zum Zeitgeist „unpassend“ wird, gerade weil sie in einem so eleganten Film Frontenüberschreiterin spielt. Man schaut denn auch eher auf die Bond-Girls und die extravagant durch sie ausgestellten DorisDay-Modenschau-Kleider, was das Werk auch mit Thomas Crown Affair (Jewison, 1968) verbindet – so fashionable war alles geworden zum Ende der 60s. Norman Jewison etablierte sich als Regisseur 1963 mit The Thrill Of It All und 1964 mit Send Me No Flowers zur produktiven Zeit der Kraftmaschine Kappelhoff.

Musik, sehr John-Barry-haft zu visuellen „Bond-Effekten“, hier von Frank De Vol.
DOP Leon Shamroy, 30 Jahre lang Chefkammeramann der 20th Century Fox, war bereits der Kameramann bei The Robe (1953), dem ersten CinemaScope-Film, hier hat er in gelungener Farbregie und stets öffnenden, recht kurzbrennweitigen, Raumtiefe erfassenden, weitwinkligen, dann auch wieder gewagten Proportions-Kompositionen diesen letzten originalen CinemaScope-Film gedreht, bevor in USA alles Panavision wurde. Dass er die Breite von CinemaScope wirklich beherrschte (auch durch seine Erfahrungen mit CinemaScope-55-Filmen und Todd-AO-Produktionen im 65mm-Negativformat), führt Caprice geradezu drastisch vor.

Das „Kalb“, um das es in dem Film geht, ist zudem psycho-aktive Asche für den damals aufkommenden Psychodelika-Markt weltweit, neben den Kosmetik-Multis mit ihren neuerdings global boomenden Geschäften samt humanen Optimierungsfantasien.
Die Filmerzählung setzt das interessanterweise in eins: Drogenhandel und globalisierte Distributionssysteme der Kosmetikindustrie, ja auch auf stofflich-chemischer Ebene im Verbrennen des Kosmetik-Puders als tarnender Rohstoff, sind hier kausal verwoben. Der „mad scientist“ ist Psychopath; der in beiden Branchen beheimatete „mastermind“ hingegen kommt in Gewändern und Manieren des weltläufig umherjettenden Gentlemen daher.

Wikipedia zitiert den Evangelischen Filmbeobachter: „Alles wie gehabt: Clowniges Sommersprossengesicht, Hollywood-Perfektion, nette Gags und Attrappenluxus.“

Attrappenluxus! – Der ist uns irgendwie abhanden gekommen. Die anarchische Weltsicht des Frank Tashlin hätte uns auch heute noch viel zu bedeuten. Wie viele „mad scientists“ und „Gentlemen“ laufen heute frei herum?

Ich finde, der Film hat seine Meriten im Zeigen der Schauwerte seiner Zeit und taugt darüber hinaus, gegen Ende der Kino-Karriere von Doris Day mit dem Abschluss des originalen CinemaScope-Zeitalters darin durchaus als Zeitdokument einer darin doppelt zu Ende gehenden Epoche. Dass die Hauptfigur (Patricia Foster) sich ihren Film, in dem sie gerade spielt, in einem Kino selbst anschaut… (um der Bestuhlungsreihen-Vorsitzerin des allseits im hintersten Eck knutschenden Kino-Balkons Haarlocken zwecks Beweismittelsicherung mit einer Schere abzuschneiden und daraufhin in wildem Begrapschen ihrer Person samt Fall über die Brüstung in einem männlichen Popcorn-Schoß des Parketts landet) …und die Leuchtreklame des Kinos zuvor beim Zuströmen des Publikums hinwärts in der Filmhandlung genau für diesen Filmtitel mit dem „echten“ Darstellernamen (Doris Day) wirbt, das war sehr neu als Metamedienreferenz-Joke für ein damals heraufziehendes Weltzeitalter des Medien, das noch wirklich überraschen wollte und das seinen Ort im Kino für das Kino hatte.

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Das Atrium. Home of 7OMM Film Cinema in Stuttgart, Germany

Hans Hänssler hat gestern auf der Fan-Website in70mm.com einen längeren Beitrag zur Entstehungs-, Betriebs- und Repertoiregeschichte des inzwischen geschlossenen Stuttgarter ATRIUM Kinos auf Englisch veröffentlicht:

https://in70mm.com/news/2019/atrium/index.htm

Sein jüngster Beitrag bei in70mm.com ist eine wichtige Ergänzung zu den bisherigen Darstellungen der Kinogeschichte des ATRIUM in Stuttgart hier im Blog:

https://duskofdigital.wordpress.com/2015/05/22/stuttgarter-kinogeschichten-leben-live-im-kino/

https://duskofdigital.wordpress.com/2015/04/21/ddd-diskurs-digitale-dammerung-joachim-polzer-im-gesprach-mit-hans-haenssler/

https://duskofdigital.wordpress.com/2015/05/24/ddd-diskurs-digitale-dammerung-joachim-polzer-im-gesprach-mit-peter-erasmus-150526/

https://duskofdigital.wordpress.com/2015/05/24/3-x-stuttgarter-kinogeschichten/

Dank an Jean-Pierre Gutzeit für den aktuellen Veröffentlichungshinweis.

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MINDJAZZ: das Handwerk, das Material und das Netzwerk der Natur verstehen

Von Eberhard aus Stuttgart kam der Hinweis zum Dokumentarfilm „Campus Galli – Das Mittelalter-Experiment“ von Reinhard Kungel, den das sehr engagierte Dokfilm-Label MINDJAZZ PICTURES gerade in die deutschen Kinos bringt (und später auf BluRay-Disks). „Campus Galli“ ist eine Koproduktion mit dem SWR.
MINDJAZZ war mir bereits aufgefallen, als sie 2011 die Filmbio „An Ecology of Mind“ über Gregory Bateson herausbrachten, die ich kurz zuvor als Kurator des „Globians Doc Fests“ in Berlin, im Kino Toni, zeigte. Letztes Jahr brachte MINDJAZZ dann „Jane“ in die deutschen Kinos und auf BluRay. Thematisch zu Jane und Bateson passend, der demnächst startende Dokfilm „The Whale and the Raven“ als ARTE-NFB-Koproduktion.
Derzeit bewerben sie auf der Website die Filmbio „Das Leben zwischen den Bildern“ über Werner Nekes, dem 2017 verstorbenen Avantgarde-Filmkünstler des Filmhandwerks und seiner historischen Instrumente.

MINDJAZZ sind klein und fein und sie machen schon seit Jahren – in Deutschland neben Filmgalerie 451 – interessant kuratiertes and anspruchsvolles Programm. Dass mich der Sport-Doku-Zweig von ihnen gar nicht anspricht, liegt an mir. Wahrscheinlich ist der dann auch ökonomisch notwendig und liegt mit der allgemeinen Fussballbegeisterung in NRW auch nahe. Ja, es gibt auch interessante Dokfilme über Sportthemen, ich weiß.
In Deutschland gibt es als anspruchvolles Indy-Label darüber hinaus noch „absolut medien“; aber dort warte ich seit mehr als fünf Jahren auf die BluRay-Ausgabe des „Dekalogs“ von Kieslowski mit (auch) deutscher Tonspur. Der SFB war damals Koproduzent des „Dekalogs“ und hat die polnische Originaltonfassung damals sorgfältig deutsch synchronisiert. In UK bringt man statt dessen inzwischen die dritte Disk-Edition von „Dekalog“ (als 4K O-Kameranegativ-Scan bei Arrow-Video auf BluRay) heraus, ohne deutsche Tonspur.  Dass man auch in kleiner Auflage BluRay-Editionen, auf der Höhe des Zeit also, ökonomisch darstellen kann, beweist das Kölner Label offenbar stets erneut.

https://mindjazz-pictures.de/filme/campus-galli/
https://mindjazz-pictures.de/filme/jane/
https://mindjazz-pictures.de/filme/an-ecology-of-mind/
https://mindjazz-pictures.de/filme/the-whale-and-the-raven/
https://mindjazz-pictures.de/filme/werner-nekes-das-leben-zwischen-den-bildern/
https://de.wikipedia.org/wiki/Dekalog_(Filmreihe)
https://de.wikipedia.org/wiki/Krzysztof_Kie%C5%9Blowski

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Das neuner Jahr

120 Jahre 1899 Alfred Hitchcock geboren
100 Jahre 1919 Staatsvertrag von Saint-Germain-en-Laye
100 Jahre 1919 Friedensvertrag von Versailles
100 Jahre 1919 Weimarer Verfassung
100 Jahre 1919 Die Austernprinzessin, Madame Dubarry (Lubitsch), Broken Blossoms (Griffith), Anders als die Anderen (Oswald/Hirschfeld)
100 Jahre 1919 United Artists
100 Jahre 1919 Bavaria Filmstudios
100 Jahre 1919 Ufa-Palast am Zoo, Berlin
100 Jahre 1919 Bauhaus
100 Jahre 1919 Aufnahme des Linien-Flugverkehrs (UK)
100 Jahre 1919 Zentral-Globale Preisbildung bei Gold (Londoner Goldfixing)
100 Jahre 1919 James Lovelock geboren
 90 Jahre 1929 Menschen am Sonntag (Wilder/Siodmak/Ulmer et.al.),
90 Jahre 1929
Frau im Mond (Lang), Asphalt (May), Blackmail (Hitchcock)
90 Jahre 1929 Tonfilm, erste Oscars und Weltwirtschaftskrise

 80 Jahre 1939 Beginn Zweiter Weltkrieg
 80 Jahre 1939 Gone With The Wind, Wizard of Oz, Ninotschka, Mr. Smith, Wuthering Heights, La Grande illusion
80 Jahre 1939 Peter Bogdanovich geboren
70 Jahre 1949 Grundgesetz

70 Jahre 1949 Gründung Süddeutscher Rundfunk Stuttgart
70 Jahre 1949 Der dritte Mann, Bitterer Reis,
Der Schatz der Sierra Madre, Gangster in Key Largo
 60 Jahre 1959 Ben-Hur, Hiroshima mon amour, Anatomy Of A Murder,
Some Like It Hot, North By Northwest, Porgy and Bess, On The Beach, Imitation of Life, Odds Against Tomorrow, Pickpocket, Shadows; (in der Pipeline:) À bout de souffle
  60 Jahre 1959 AMPEX Quadruplex-Videoaufzeichnung auf 2-Zoll-
Magnetband in Deutschland (SWF Baden-Baden)
  50 Jahre 1969 Unbundling von Computer-Hardware
und Anwendungs-Software (IBM /360), Start der Software-Industrie
  50 Jahre 1969 Erstflug Boeing 747 Jumbo Jet
  50 Jahre 1969 Südwest 3, Start des dritten Fernsehprogramms des SDR
  50 Jahre 1969 Stonewall Riots
50 Jahre 1969 Rechtsreform Sexualstrafrecht BRD, §175, Aufhebung des Totalverbots, Gustav Heinemann
50 Jahre
1969 Pornographie-Freigabe Dänemark
50 Jahre 1969 Regierungserklärung Willy Brandt: „Wir wollen mehr Demokratie wagen“
50 Jahre 1969 Erste Mondlandung
50 Jahre 1969 Theodor W. Adorno gestorben
50 Jahre 1969 Wendepunkt und Endpunkt von „Flower Power“: das Massaker der „Manson-Sekte“ auf dem Polanski-Anwesen in Hollywood
50 Jahre 1969 Woodstock

  50 Jahre 1969 Easy Rider, Midnight Cowboy, Marooned, Topaz, Teorema, Medea, Butch Cassidy and the Sundance Kid, The Wild Bunch, Z, They Shoot Horses, Don’t They?, Katzelmacher, Liebe ist kälter als der Tod, C’era una volta il West, Le chagrin et la pitié, Salesmen, Medium Cool, Amore e rabbia, La sirène du Mississippi, The King of Marvin Gardens; (in der Pipeline:) La strategia del ragno, Il conformista, Il giardino dei Finzi-Contini, L’enfant sauvage
 50 Jahre 1969 Entwicklungsstart TED-Bildplatte
 50 Jahre 1969 Videocassette, Prototypvorstellung u-matic von SONY
 40 Jahre 1979 Walkman von SONY, VHS-Siegeszug beginnt, Laserdisc
 40 Jahre 1979 Apocalypse Now, The Deer Hunter, Coming Home, Midnight Express, Interiors, The China Syndrome, Days of Heaven, Heaven Can Wait, Die Blechtrommel
 30 Jahre 1989 Wendezeit, Zusammenbruch des Ostblocks und der DDR
 30 Jahre 1989 HTML
30 Jahre 1989 Sex, Lies and Video, Cinema Paradiso, Landschaft im Nebel
30 Jahre 1989 Herbert von Karajan gestorben
 20 Jahre 1999 Netflix DVD Flatrate
20 Jahre 1999 Open Source Software
20 Jahre 1999 The Thin Red Line, Saving Private Ryan, Affliction, Magnolia, Elizabeth, Wer mich liebt, nimmt den Zug

 10 Jahre 2009 Netflix Streaming, iPhone-iPad-Android
10 Jahre 2009 Das Weiße Band, Avatar, Antichrist, A Single Man

   0 Jahre 2019 5G, Weltraum-Internet, Deep Data Inspection,
Kommunikationsinversion /was redet da mit wem?
   0 Jahre 2019 Pastik, Monsanto, Trockenzeit, Hitze, Klima, Artensterben, Amazonas, Tropenfeuer, Versteppung, Hurricanes, Grönland
   0 Jahre 2019 The End of the Way of Life as we know it and the End of familiar habits
0 Jahre 2019 Schweden, höchstrichterliche Entscheidung nach Rechtsreform: Geschlechtsverkehr nur noch als konsensuales, explizites Vertragsverhältnis legal.
0 Jahre 2019 Sich verbergende Kulturspeicher als Stromfresser: Videostreaming, jeder alles überall, Cloud-Klima, monostrukturelle Giganto-Rechenzentrenfarmen unter Abschluß mit steigendem Energieverbrauch.
0 Jahre 2019 Gatekeeper statt Plattform: Unsoziale Medien schalten nach Gutdünken alternativen Gedankengut-Content ab, der mit Kritik gegen den Machtdiskkurs, die Reden der Mächtigen in tradierten Resonanzräumen, inzwischen auf breiter Basis zu stören scheint.
0 Jahre 2019 „Flugscham“ wird, aus Schweden kommend, ein Begriff der Allgemeinsprache; die Automobil-Ausstellung löst Massenproteste aus.
0 Jahre 2019 Finanzielle Repression (Steuererhöhungen) als vermeintliche Lösung aller Probleme, statt politische Neu-Gestaltung der kulturellen und ökonomischen Lebensverhältnisse.
0 Jahre 2019 Kino ? — Kinofilm-Werke ?
125 Jahre 1895 – 2020 Projektion bewegter Bilder von Filmträger als öffentliche Präsentation vor Publikum


Update: Diese Liste wird b.a.W. laufend ergänzt und editiert.
Letztes Update: 19. September 2019

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Trial and Error

Dank an Kay für den Hinweis zur Weltpremiere eines neuen Dokumentarfilms über Gideon Bachmann (1927 – 2016) mit dem Titel „Trial and Error“ von Marie Falke, die jetzt am 30. Mai beim DokKa Dokumentarfilmfestival in Karlsruhe statt finden wird. Die Aussicht auf diesen Dokfilm ergab bereits ein Beitrag zur jüngsten „lettere aperte“ Schwerpunktausgabe über Gideon.

https://dokka.de/a/trial-and-error

https://www.lettereaperte.net/ausgaben/ausgabe-52018/ich-habe-auch-immer-alles-verstehen-wollen-begegnung-mit-gideon-bachmann

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akiwiwa – als Kino wichtig war | Podcast Folge 2 | Frühjahr 2019

akiwiwa – als Kino wichtig war…

Video- und Audio-Podcast von und mit
Kilian Mutschke und Joachim Polzer

Folge 2

Frühjahr 2019

Spieldauer: 115 Minuten


Inhalt und Laufzeitangaben:

0:00:00 Begrüßung und Einleitung
0:00:42 Textchart Kurzinhalts-Übersicht

0:02:07 Erstes Hauptkapitel: 2018 – in Memoriam

0:02:07 Erinnerung an Nicolas Roeg
0:02:49 Erinnerung an Bernardo Bertolucci
0:13:41 Erinnerung an Milos Forman

0:17:04 Zweites Hauptkapitel: 2018 – 100 Jahre Ingmar Bergman

0:17:04 Besprechung: Wilde Erdbeeren (1957)

0:30:48 Drittes Hauptkapitel: 2018 – Die Film-Favoriten

0:30:58 Kilian Mutschkes Favoriten von 2018:
0:30:58 Besprechung: Hereditary (2018), Aster
0:36:16 Joachim Polzers Favoriten von 2018:
0:36:16 Besprechung: They’ll Love Me When I’m Dead (2018), Neville
0:36:16 Besprechung: The Other Side Of The Wind (2018), Welles

0:43:54 Viertes Hauptkapitel: 1961 – The Innocents

0:43:54 Besprechung: The Innocents (1961), Clayton

0:56:13 Ende des ersten Teils, Intermission
0:56:32 Beginn des zweiten Teils

0:56:51 Fünftes Hauptkapitel: 1941 / 1942 – Film noir
Beginn des Filmgenres

0:58:04 Besprechung: I Wake Up Screaming (1941), Humberstone, Fox

Topos: Aus den Schatten heraustretend: Low-Key Kinematographie
Topos: Kontrast in der Schwarzweiß-Kinematographie
Topos: Laird Cregar (1913 – 1944), Schauspieler

1:04:08 Besprechung: This Gun For Hire (1942), Tuttle, Paramount
aka: Die Narbenhand

Topos: Unebenheiten – Revue-Nummern und Gasmasken-Verwechslungen
Topos: Der Zweite Weltkrieg als Thema: Giftgas-Kapitalismus für Japan
Exkurs: Laird Cregar (1913 – 1944), Schauspieler
Topos: Traumpaare des Kinos – Alan Ladd & Veronica Lake

1:13:20 Besprechung: The Glass Key (1942), Heisler, Remake, Paramount

Topos: Traumpaare des Kinos – Alan Ladd & Veronica Lake
Topos: Sado-Masochismus im Film noir

1:21:43 Besprechung: Saboteur (1942), Hitchcock, Universal

Topos: Fritz Lang, Alfred Hitchcock & Film noir – Stil und Genre
Topos: Der unschuldige, falsch Beschuldigte
Topos: Die Niedertracht der höchsten Kreise der Gesellschaft
Topos: Der Zweite Weltkrieg als Thema: Rüstungsproduktion
Topos: Die Zirkuskarawanen-Sequenz – Groteske, Freaks und Spannung
Topos: Schwarzweiß-Kinematographie als Stilelement
Topos: 1942 Film noir – Ausentwicklung der beginnenden Genreansätze

1:26:51 Sechstes Hauptkapitel: Organe und Atomkraft
Filmwerke der 1970er- und 1980er-Jahre

1:27:13 Besprechung: Coma (1978), Crichton

Topos: Medizin-Industrie und Organbeschaffung als Geschäft
Topos: „Farbe Bekennen“ für Organspenden und Coma als Farbfilm
Topos: Slow-Burn-Dramaturgie
Topos: Gegenwartskino – Die „heißen Themen“ der Gegenwart
Topos: Michael Crichton (1942 – 2008), berufliche Inspirationen
Exkurs: Xerox Palo Alto Research Center, Xerox PARC

1:35:51 Besprechung: The China Syndrome (1979), James Bridges

Topos: Koinzidenz Filmerzählung und Wirklichkeit (Three Mile Island)
Topos: AKW-Unfälle als „heißes Eisen“ im Gegenwartskino
Topos: Jack Lemmon, Michael Douglas & Jane Fonda als Darsteller-Trio
Topos: Medienkritik am Nachrichtengeschäft im Kino der 1970er-Jahre
Topos: Easy-Talk Fernseh-Nachrichten als Showformat

1:41:30 Besprechung: Silkwood (1983); Nichols

Topos: MOX-Brennelemente-Produktion wie in der Pizzafabrik
Topos: Der Regisseur Mike Nichols (1931 – 2014)
Exkurs: Die Enkel setzen die Themen der Großväter fort: Gustav Landauer
Topos: Die Wurzeln des Anarchismus bei Mike Nichols
Topos: Die Schauspielleistung von Meryl Streep
Topos: Meryl Streep, Kurt Russell & Cher als Darsteller-Trio
Topos: Die Beiläufigkeit der lesbischen Beziehungen in der Filmerzählung

1:48:57 Endrunde – „die Zeit ist vorbei“
Die Zeitalter des Kinos:
Film noir der 1940er- und 1950er-Jahre
Der Aufbruch im Kino der 1960er- und 1970er-Jahre
Millenium im Kino: Kino in den 1990er- und Nuller-Jahren

1:51:50 Abspann, Endtitel, Credits
1:54:37 Ende


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Diese Folge wurde am 06. Januar 2019 aufgezeichnet.
Die Erst-Veröffentlichung erfolgte am 16. März 2019.
Redaktionsschluss war der 15. März 2019.

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